Modeschöpfer im Interview: Karl Lagerfeld: „Die Wirtschaftskrise ist eine gute Reinigung“

Modeschöpfer im Interview: Karl Lagerfeld: „Die Wirtschaftskrise ist eine gute Reinigung“

Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld wirft den Wirtschaftsmanagern unmoralisches Verhalten vor und hält die Wirtschaftskrise für eine heilsame Reinigung.

„So ging es ja nicht weiter – Sie klauen zwei Orangen und kommen ins Gefängnis, und andere lassen Milliarden verschwinden und kriegen noch eine Prämie“, erregte sich Lagerfeld im Gespräch mit fivetonine, dem Lifestylemagazin der WirtschaftsWoche „Das ist doch unmoralisch, und ich bin, weiß Gott, kein Moralapostel! Aber legale Unehrlichkeit, das ist das Schlimmste auf der Welt. Wenn Sie einen verrotteten Zahn haben, müssen Sie ja auch zum Zahnarzt. Vor allem ist die Krise eine gute Reinigung.“

Sein eigenes Verhältnis zu Geld beschreibt Lagerfeld mit dem Bild des Pfeffersacks. „Ich bin ein Hamburger Pfeffersack, doch, doch, doch. Ich habe ja nie verleugnet, dass ich in Deutschland geboren bin, im Gegenteil, das gehört zu meiner Folklore. Da steht immer der Preuße dahinter und der Pfeffersack.“ Wer sage, Geld sei nicht wichtig, müsse erst einmal genug davon haben. „Wissen Sie, es gibt Leute, die sagen: Ich mag kein Geld. Aber um das zu sagen, müssen sie erst mal welches haben, und dann geben sie es weg, und dann wissen sie, wie gern sie es gemocht haben. Da möchte ich Emily Dickinson zitieren, die sagt: ,We lost, because we won.’ Solange Sie nichts gewonnen haben, können Sie nichts verlieren.“

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Dabei hat Lagerfeld ausgerechnet bei seiner große Sammelleidenschaft keine Verlustgefühle, wenn er eine vollständige Sammlung weggibt. „Komischerweise habe ich gemerkt, wenn ich etwas sammle und zusammenstelle, eine Atmosphäre mit Bildern und allem, und das wieder weggebe, dann behält man das, was die Essenz davon war. Das gehört Ihnen für immer. Das ist ein ganz eigentümliches Gefühl. Ich kann mit geschlossenen Augen durch alle Räume meines Lebens gehen und genau sehen, wie das war.“Seinen geplanten Umzug in Paris begründet Lagerfeld mit den lästigen Touristenschiffen auf der Seine. „Ich gehe vom Quai Voltaire wieder weg. Die Seine-Barkassen, die sagen ja an: Hier wohnt Madame Chirac und hier wohnt Karl Lagerfeld. Das höre ich, wenn ich am Fenster sitze. Ich habe mir jetzt ein Haus gekauft, das in der Rue de Lille im Innenhof liegt.“

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