Mögliche Kursmanipulationen: Eiskaltes Banken-Kalkül bei Verdacht gegen Porsche

Mögliche Kursmanipulationen: Eiskaltes Banken-Kalkül bei Verdacht gegen Porsche

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Ex-Porsche-Chef Wiedeking, Ex-Finanzvorstand Härter: Anleger um Millionen gebracht

Der Schlüssel zur Aufklärung der Verdachts, Porsche könnte Kurse manipuliert haben, liegt bei Banken und Verhandlungspartnern des Autobauers.

Zwei hochrangige Porsche-Manager, zwei Rechtsanwälte, ein Vertreter der niedersächsischen Landesregierung: Die fünf Herren, die sich am Montag, dem 25. Februar 2008, in den Räumen der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer am Potsdamer Platz in Berlin treffen, haben Vertrauliches zu besprechen.

Es geht um die Folgen eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs. Der hatte vier Monate zuvor das VW-Gesetz und damit die starke Stellung Niedersachsens im Volkswagen-Aufsichtsrat in Frage gestellt. Vor diesem Hintergrund will die Runde ausloten, welche Absprachen zwischen Porsche und dem VW-Großaktionär Niedersachsen möglich wären, wenn die Sperrminorität des Landes einmal wegfiele. Immerhin besitzt Porsche inzwischen knapp über 30 Prozent der VW-Aktien – und wer weiß, vielleicht werden es ja auch einmal mehr.

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Neue Details belasten Wiedeking und Härter

Was niemand der Teilnehmer des Hauptstadt-Treffens vor gut eineinhalb Jahren nur ansatzweise ahnen konnte: Der diskreten Zusammenkunft könnte eine zentrale Rolle bei den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen den ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen früheren Finanzvorstand Holger Härter zukommen. Wie die WirtschaftsWoche von einem Beteiligten der Runde erfuhr, kamen an diesem letzten Montag im Februar 2008 auch brisante Details zur Sprache, die Wiedeking und Härter weiter belasten könnten.

Seit vier Wochen ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Porsche. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigt, geht es um den Verdacht der Manipulation des Kapitalmarktes und der Weitergabe von Insiderinformationen. Unter anderem geht es um die Frage, ob Porsche im Zuge des Einstiegs bei VW Anleger und Akteure an der Börse möglicherweise falsch informierte und dadurch die Kursentwicklung unzulässig beeinflusste. Porsche bestreitet die Vorwürfe. Den Staatsanwälten in Stuttgart liegt eine Reihe von Anzeigen vor, darunter eine der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die hatte, wie eine Sprecherin bestätigte, nach einem Bericht der WirtschaftsWoche über das Treffen in Berlin im Mai dieses Jahres eine förmliche Untersuchung wegen des Verdachts auf Marktmanipulation eingeleitet. Inzwischen prüft auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens.

Hat Porsche den Kurs der VW-Aktie manipuliert?

Vorläufiger Höhepunkt der bisherigen Ermittlungen war der 20. August, als rund 30 Beamte die Porsche-Zentrale in Stuttgart-Zuffenhausen, die Privathäuser von Wiedeking und Härter sowie die Maple Bank in Frankfurt am Main durchsuchten. Sollte sich der Verdacht bestätigen, müssten Wiedeking und Härter mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen. Zudem würden Anleger möglicherweise Schadensersatzforderungen in astronomischer Höhe stellen. Mehrere institutionelle Anleger warten nur darauf, Ansatzpunkte zu finden, um Porsche auf Schadensersatz in zwei- oder dreistelliger Millionenhöhe zu verklagen.

Dafür könnte der Verlauf der Besprechung in Berlin im Februar 2008 die entscheidenden Hinweise liefern. Das zeigt das Protokoll, das einer der Beteiligten von der Sitzung anfertigte und das der WirtschaftsWoche vorliegt.

Der Niederschrift zufolge kreiste die Diskussion um einen Punkt, der für die Beantwortung der Frage zentral sein dürfte, ob Porsche den Kapitalmarkt möglicherweise falsch informierte und dadurch den Kurs der VW-Aktie manipulierte. Hatte Porsche entgegen öffentlicher Äußerungen schon Ende Februar 2008 die Absicht, Volkswagen vollständig zu übernehmen und einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit dem Autoriesen zu schließen, um mit den Milliarden aus der Konzernkasse die Übernahme zu finanzieren?

Fest steht, dass zu dieser Zeit die Sperrminorität Niedersachsens bei VW das einzige Hindernis war, das einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Volkswagen im Wege stand. Und fest steht auch, dass sich die Vertreter von Porsche, so ist dem Protokoll zu entnehmen, offenbar schnell auf die Sonderstellung einschossen, die das vom Europäischen Gerichtshof in Teilen verworfene VW-Gesetz dem Land Niedersachsen bisher gewährte.

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