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Mögliche Preisabsprachen: Händler bekommen Besuch vom Kartellamt

von Henryk Hielscher mit Material von Reuters

Aufregung bei Lidl, Rewe, Edeka und Metro. Deutschlands große Einzelhändler wurden heute von Ermittlern des Bundeskartellamt durchsucht. Es geht um den Verdacht von Preisabsprachen zwischen Herstellern und Händlern, teilte die Behörde mit. Und die Branche fragt sich: Was ist daran eigentlich verwerflich?

ARCHIV - Das Hinweisschild am Quelle: ZB
ARCHIV - Das Hinweisschild am Eingang zu einem Lidl-Lebensmitteldiscounter (Archivfoto vom 05.10.2006). Beim Discounter Lidl gibt es nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» erneut eine Datenpanne. Auf einem Zentralserver von Lidl Irland seien extrem sensible Daten für Unbefugte innerhalb des Konzerns zeitweise komplett einsehbar gewesen. Foto: Jens Büttner (Zu dpa 0151) (c) dpa - Bildfunk Quelle: ZB

Das Bundeskartellamt hat wegen des Verdachts illegaler Preisabsprachen bei Süßwaren, Kaffee und Tiernahrung auch Geschäftsräume der größten deutschen Lebensmittelhändler durchsucht. Nach Informationen der WirtschaftsWoche waren darunter bekannte Händler wie Lidl, Edeka und Rewe. Auch die Metro-Zentrale bekam Besuch von den Behörden.

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Über 100 Fahnder des Kartellamts und Polizisten rückten am Donnerstag zu Razzien aus. Nach Angaben der Kartellwächter handelte es sich bundesweit um 15 Firmen, davon elf Handelsunternehmen. Zudem seien schriftliche Verfahren gegen andere Konzerne eingeleitet worden.

Haben Handel und Hersteller Preisuntergrenzen abgesprochen?

Die Wettbewerbshüter haben bereits seit geraumer Zeit ein Auge auf die Lebensmittelbranche und den Einzelhandel geworfen. In der Vergangenheit hatte es unter anderem Durchsuchungen bei Kaffee- und Süßwarenherstellern gegeben. Im Fall der Kaffee-Untersuchung, bei der Strafgelder in Höhe von insgesamt knapp 160 Millionen Euro gegen die Kaffeeröster Melitta, Dallmayr und Tchibo verhängt worden waren, hatte der Kraft-Konzern mit den Fahndern zusammengearbeitet und war so um ein Bußgeld herumgekommen. 

In Branchenkreisen hieß es nun, auch Händler kooperierten bereits mit dem Kartellamt. Die Wettbewerbshüter hätten Unternehmen der Branche und Lebensmittelhersteller im Verdacht, seit einigen Jahren zum Schaden der Verbraucher Preisuntergrenzen für Artikel abgesprochen und durchgesetzt zu haben. Dies wäre der Wettbewerbsbehörde zufolge ebenso verboten wie etwa Herstellerkartelle und könnte mit Geldbußen geahndet werden.

In der Branche reagierte man indes irritiert. Das Preise zwischen den Marktteilnehmern verhandelt werden, sei selbstverständlich, hieß es bei einem der betroffenen Händler. Dass bei den Verhandlungsrunden auch die Endverbraucherpreise thematisiert wurden und Preisuntergrenzen festgelegt wurden, wollte das Unternehmen zwar nicht bestätigen, ein entsprechender Austausch über geplante Endverbraucherpreise dürfte in der Branche aber an der Tagesordnung sein – schon um gemeinsame Werbe- und Verkaufsaktionen zu planen.

Erstaunlich ist das Vorgehen des Kartellamtes aber auch, weil im deutschen Einzelhandel derzeit ein gnadenloser Preiswettbewerb herrscht. Der Marktführer Aldi und mehrere andere Discounter senkten am Donnerstag ihre Preise unter anderem für Frühstücksflocken, Pflanzenöle und Snacks.

Im vergangenen Jahr hatten die Discounter in insgesamt zwölf Preissenkungswellen die Lebensmittelpreise teilweise deutlich eingedampft. Angesichts dieser Entwicklung dürfte der deutsche Handel zu den wettbewerbsintensivsten Wirtschaftsbereichen gehören. Warum das Kartellamt gerade im Einzelhandel besonders intensiv ermittelt, wird in der Branche seit Monaten diskutiert.

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.01.2010, 11:16 UhrAnonymer Benutzer: AJ

    Man sollte bei dem Gejammere nicht vergessen, daß Lebensmittel in Deutschland mit zu den billigsten in Europa gehören. Die großen Lebensmittelshandelsunternehmen geben zur Zeit eher den Druck an die Produzenten als an die Konsumenten weiter. Anders wird es aussehen, wenn sie den Markt aufgeteilt haben. Die Politik sollte sich zum Wohle der Verbraucher mal lieber mit den Energie- und Kraftstoffmärkten befassen. Denn dort werden die Preise seit Jahren künstlich hoch gehalten und Gewinne eingefahren, die jeder beschreibung spotten.

  • 15.01.2010, 02:16 UhrAnonymer Benutzer: sakara

    @Henrik Husmann-man kann garnichts entscheiden,wenn der Schokoriegel überall den gleichen Preis hat.Solche Kartelle gehören zerschlagen.Warum ging es den meisten Menschen zu Tante Emmaläden gefühlt besser,als mit diesen Riesenbetrugsmaschinen ? Ob Gas,Wasser,benzin,Haferflocken,butter usw.,es gibt fast kein Produkt mehr ohne Preisabsprache.Wir werden um milliarden Euro jeden Monat betrogen und die Politik geht voran.Wir brauchen einen bundestag mit 2000 Abgeordneten.Hört sich erst mal viel an,aber bei der Masse an betrug und nur ein paar Minister,die sich ihren Lebensabend von diesen Unternehmen vergolden lassen,sind mehr Abgeordnete besser.Sie sind schwerer zu lenken und zu disziplinieren.Unsere Preise wären um 30 % niedriger,wenn wirklich der Marktpreis erziehlt würde.Keine Riesenläden von Ketten mehr auf der Wiese.Nur noch ortsübliche Größen.Fertig

  • 15.01.2010, 02:07 UhrAnonymer Benutzer: sakara

    Alle großen Ketten treffen Preisabsprachen,nur die Politik ist zu feige denen den Mehrwert wieder abzunehmen.Mann hat ja noch eine menge Leben vor sich .Das läßt man sich dann mit einem Posten in diesen Unternehmen vergolden,für all die Jahre die man still gehalten hat.Unisono sind die meisten Politiker korrupt und nur auf den eigenen Vorteil bedacht.Es gibt so viele Produkte die den gleichen Preis haben,egal in welchen Laden man geht.Haben die nicht unterschiedliche Kalkulationen?? Fast jedes Produkt bzw.jede Produktreihe unterliegt Preisabsprachen und im Zeitalter der Computer ist es noch leichter sie zu verwirklichen.Wir zahlen mindestens 70 % unserer Lebensmittelpreise mit Preisabsprachen.Ohne diese Preisabsprachen könnten die Preise um 30 % niedriger,ja niedriger sein.Das beste beispiel war der Kaffee,dann kommt die butter,Milche usw. Es kotzt mich an.

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