Mögliche Preisabsprachen: Händler bekommen Besuch vom Kartellamt

Mögliche Preisabsprachen: Händler bekommen Besuch vom Kartellamt

Aufregung bei Lidl, Rewe, Edeka und Metro. Deutschlands große Einzelhändler wurden heute von Ermittlern des Bundeskartellamt durchsucht. Es geht um den Verdacht von Preisabsprachen zwischen Herstellern und Händlern, teilte die Behörde mit. Und die Branche fragt sich: Was ist daran eigentlich verwerflich?

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ARCHIV - Das Hinweisschild am Eingang zu einem Lidl-Lebensmitteldiscounter (Archivfoto vom 05.10.2006). Beim Discounter Lidl gibt es nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» erneut eine Datenpanne. Auf einem Zentralserver von Lidl Irland seien extrem sensible Daten für Unbefugte innerhalb des Konzerns zeitweise komplett einsehbar gewesen. Foto: Jens Büttner (Zu dpa 0151) (c) dpa - Bildfunk

Das Bundeskartellamt hat wegen des Verdachts illegaler Preisabsprachen bei Süßwaren, Kaffee und Tiernahrung auch Geschäftsräume der größten deutschen Lebensmittelhändler durchsucht. Nach Informationen der WirtschaftsWoche waren darunter bekannte Händler wie Lidl, Edeka und Rewe. Auch die Metro-Zentrale bekam Besuch von den Behörden.

Über 100 Fahnder des Kartellamts und Polizisten rückten am Donnerstag zu Razzien aus. Nach Angaben der Kartellwächter handelte es sich bundesweit um 15 Firmen, davon elf Handelsunternehmen. Zudem seien schriftliche Verfahren gegen andere Konzerne eingeleitet worden.

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Haben Handel und Hersteller Preisuntergrenzen abgesprochen?

Die Wettbewerbshüter haben bereits seit geraumer Zeit ein Auge auf die Lebensmittelbranche und den Einzelhandel geworfen. In der Vergangenheit hatte es unter anderem Durchsuchungen bei Kaffee- und Süßwarenherstellern gegeben. Im Fall der Kaffee-Untersuchung, bei der Strafgelder in Höhe von insgesamt knapp 160 Millionen Euro gegen die Kaffeeröster Melitta, Dallmayr und Tchibo verhängt worden waren, hatte der Kraft-Konzern mit den Fahndern zusammengearbeitet und war so um ein Bußgeld herumgekommen. 

In Branchenkreisen hieß es nun, auch Händler kooperierten bereits mit dem Kartellamt. Die Wettbewerbshüter hätten Unternehmen der Branche und Lebensmittelhersteller im Verdacht, seit einigen Jahren zum Schaden der Verbraucher Preisuntergrenzen für Artikel abgesprochen und durchgesetzt zu haben. Dies wäre der Wettbewerbsbehörde zufolge ebenso verboten wie etwa Herstellerkartelle und könnte mit Geldbußen geahndet werden.

In der Branche reagierte man indes irritiert. Das Preise zwischen den Marktteilnehmern verhandelt werden, sei selbstverständlich, hieß es bei einem der betroffenen Händler. Dass bei den Verhandlungsrunden auch die Endverbraucherpreise thematisiert wurden und Preisuntergrenzen festgelegt wurden, wollte das Unternehmen zwar nicht bestätigen, ein entsprechender Austausch über geplante Endverbraucherpreise dürfte in der Branche aber an der Tagesordnung sein – schon um gemeinsame Werbe- und Verkaufsaktionen zu planen.

Erstaunlich ist das Vorgehen des Kartellamtes aber auch, weil im deutschen Einzelhandel derzeit ein gnadenloser Preiswettbewerb herrscht. Der Marktführer Aldi und mehrere andere Discounter senkten am Donnerstag ihre Preise unter anderem für Frühstücksflocken, Pflanzenöle und Snacks.

Im vergangenen Jahr hatten die Discounter in insgesamt zwölf Preissenkungswellen die Lebensmittelpreise teilweise deutlich eingedampft. Angesichts dieser Entwicklung dürfte der deutsche Handel zu den wettbewerbsintensivsten Wirtschaftsbereichen gehören. Warum das Kartellamt gerade im Einzelhandel besonders intensiv ermittelt, wird in der Branche seit Monaten diskutiert.

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