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Motorsägen-Weltmarktführer: Stihl-Chef Kandziora: "Wir haben hier unsere Wurzeln"

von Lothar Schnitzler

Stihl holt seine Produktion aus Brasilien zurück nach Deutschland. wiwo.de sprach mit dem Chef des schwäbischen Motorsägenbauers, Betram Kandziora, über die Produktionsverlagerung.

Bertram Kandziora, der Quelle: dpa
Bertram Kandziora, der Vorstandsvorsitzende der Stihl-Gruppe Quelle: dpa

wiwo.de: Herr Kandziora, warum verlegen Sie die Fertigung von 50 000 Motorsägen von Brasilien nach Deutschland?

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Kandziora: Um Beschäftigung an den deutschen Standorten zu sichern. Wir haben einen weltweiten Fertigungsverbund. Die großen Werke sind in den USA, Deutschland und Brasilien. In diesen Werken werden zum Teil identische Modelle gefertigt, so dass die Verlagerung keine großen Aufwendungen verursacht. Nun hat sich die aktuelle Wirtschaftkrise in den deutschen Produktionswerken stärker ausgewirkt als in der Stihl-Gruppe im Durchschnitt.

Weshalb wirkte sich die Krise stärker aus?

Weil wir in Deutschland die technisch anspruchsvolleren Profiprodukte fertigen. Und die leiden unter der Krise stärker.

Es geht also um einen Ausgleich zwischen den Standorten?

Nicht nur. Wir bauen in Brasilien immerhin 20 bis 30 Arbeitsplätze ab. Bezogen auf die 11000 Arbeitsplätze im Gesamtkonzern ist das nicht viel. Es ging uns aber darum, vor allem die Beschäftigung in deutschen Stammwerken zu halten.

Haben Sie bislang keine Arbeitsplätze abgebaut in Deutschland?

Wir haben in letzter Zeit befristete Arbeitsverträge auslaufen lassen. Insgesamt macht der Arbeitplatzabbau in Deutschland nur rund zwei Prozent aus, u.a. da wir uns gleichzeitig im Entwicklungsbereich verstärkt haben. Dank der Arbeitszeitkonten mussten wir bis jetzt nur in unserer Magnesiumdruckgießerei in der Eifel Kurzarbeit anmelden, die großen Standorte im Stuttgarter Raum sind davon nicht betroffen. Es ist unser erklärtes Ziel diese Krise mit unseren eigenen Mitteln, das heißt ohne Hilfe des Staates, zu bewältigen – jedenfalls soweit wir können.

Was kostet Sie die Verlagerung aus Brasilien?

So gut wie nichts. Wir richten keine neuen Werke oder Produktionslinien ein. Die Kapazitäten sind vorhanden.

Wie rechnet sich die Verlagerung für Sie kaufmännisch? Die Löhne in Brasilien sind doch viel niedriger?

Ein Monteur in Brasilien verdient tatsächlich etwa ein Achtel seines deutschen Kollegen. Bei einem Lohnkostenanteil an den Gesamtkosten von rund 30 Prozent im Konzern ist dieser Kostenvorteil also erheblich.

Trotzdem verlagern Sie?

Der Standort Brasilien hat drei Nachteile, die diese Effekte in diesem Fall weitgehend ausgleichen. Brasilien erhebt hohe Einfuhrzölle auf Produktionsanlagen und Bauteile. Das macht bis zu 30 Prozent des Einfuhrwertes aus. Zum anderen hat sich der Wert des brasilianischen Reals gegenüber dem Dollar allein in den vergangenen 12 Monaten um rund 30 Prozent erhöht. Bezogen auf  2002 hat sich der Wert sogar verdoppelt. Das erschwert die Exporte unserer Motorsägen aus Brasilien erheblich. Dazu kommen noch die Frachtkosten.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 28.12.2009, 21:13 UhrAnonymer Benutzer: Besserwisser

    Super Kommentare wiedermal. Erst lesen, dann denken, dann schreiben.

    Schon in den 70 Jahren hat Stihl den Vorteil einer weltweiten Produktion erkannt und umgesetzt. Da hat noch keiner von Globalisation, Arbeitsplatzverlagerung oder Outsourcing geredet.
    Und zurück geholt werden nur Produktionschargen, das Werk in brasilien bleibt bestehen wie es ist. Der Grund dafür ist um Arbeitsplätze in D halten zu können.

  • 28.12.2009, 10:00 UhrAnonymer Benutzer: zarromanowski

    Kandzioras fragile Aussagen sind der beste beweis, wie man als Manager haftungslos Auslands-Geschäfte auf Kosten der deutschen Gesellschaft betreiben kann, um sie dann bei einer wirtschaftlichen Schieflage, als soziales Paket verpackt, wieder zurückholt. Diesem Manager glaube ich kein einziges Wort. Für wie dumm halten uns eigentlich diese NiCHTHAFTER-Figuren?

  • 27.12.2009, 11:44 UhrAnonymer Benutzer: Degro

    Natürlich haben Stihl und Co ihre Wurzeln in Deutschland.
    Aber warum mußte erst die Produktion mit hohen Kosten
    nach brasilien, China usw. verlagert werden. Viele Firmen
    holen ihre Produktion mit hohen Verlustkosten nach Europa
    zurück. Die Mitarbeiter müssen die Verluste bezahlen.
    Liebe Manager, bitte vorher das Hirn eischalten ehe man
    die Firma in die Verlustzone fahrt. Viele Firmen wie Steiff,
    Sennheiser usw. haben bitteres Lehrgeld bezahlt. Warum
    aus Geldgier immer wieder den selben Fehler machen.

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