Munich Re: Versicherung gegen Ernteausfälle sorgt für Streit

Munich Re: Versicherung gegen Ernteausfälle sorgt für Streit

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ARCHIV - ILLUSTRATION - Dunkle Regenwolken ziehen am 24.06.2007 über ein Feld, auf dem Landwirte Getreide ernten. Höfesterben, steigende Umweltauflagen und Betriebskosten, dazu die Milch- und Klimakrisen: Groß ist der Sorgenkatalog von Deutschlands Landwirten ohnehin schon. Jetzt ziehen erneut dunkle Wolken auf, und zwar in Brüssel. Dort stehen die im Rahmen der gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) an die Landwirte gezahlten Milliardensubventionen auf dem Prüfstand. Foto: Patrick Pleul (zu dpa-Korr. 0309 vom 19.02.2010) (c) dpa - Bildfunk

Die weltgrößte Rückversicherung Munich Re will deutschen Bauern eine staatlich bezuschusste Versicherung gegen Ernteausfälle durch schlechtes Wetter anbieten. Doch die Agrarlobby blockt – aus Angst, Subventionen zu verlieren.

Wenn der Hobby-Landwirt Karl Murr an seinen Feldern in Bayerisch-Schwaben entlangjoggt, prüft sein Blick auch den Acker: Hat Frost die Pflanzen angegriffen, Dürre den Boden ausgetrocknet oder Dauerregen die Saat ertränkt?

Murr beschäftigt sich nicht nur in der Freizeit mit Kraut und Krume. Der gelernte Agraringenieur ist auch beruflich auf Feldern unterwegs. Denn er leitet bei der weltgrößten Rückversicherungsgesellschaft Munich Re (bis vor Kurzem Münchener Rück) den Bereich Agrarversicherung – theoretisch ein Dorado für die Assekuranz. „Bauern tragen ein bis zu 150-fach höheres Schadenrisiko als Kunden in anderen Sachversicherungssparten“, sagt Murr.

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Damit, weiß der Versicherungsmann, ließen sich eigentlich schöne Geschäfte machen. So präsentierte Munich Re Mitte Januar auf dem „Global Forum for Food and Agriculture“ in Berlin, zu dem die Bundesregierung Experten aus aller Welt geladen hatte, erstmals in Deutschland ihr „System Agro“. Diese Ernteversicherung, die zusammen mit dem Partner Vereinigte Hagelversicherung entwickelt wurde, soll wirtschaftliche Schäden durch Hagel, Sturm und vor allem Trockenheit abdecken. Das jährliche Beitragsvolumen hierzulande beziffert Dietrich Heine, Vorstand der Vereinigten Hagelversicherung, auf mindestens 400 Millionen Euro.

Wette gegen das Wetter

Im Ausland gibt es Ernteversicherungen schon länger. In den USA, der Türkei, Spanien, Litauen und Kasachstan etwa kassiert die Munich Re jährlich schon 650 Millionen Euro an Beiträgen. Doch ausgerechnet in Deutschland bekommen Heine und Murr bisher kein Bein auf den Mutterboden. Denn die Agrarlobby bremst, weil sie fürchtet, dass die Bundesregierung dafür kein Geld locker macht. Dann würde ein Teil der Beitragszuschüsse aus dem EU-Subventionstopf für die Landwirtschaft von jährlich 5,6 Milliarden Euro abgezweigt. „Wir würden eine solche Police begrüßen – aber nicht zulasten der Betriebsprämien“, sagt Peter Pascher, Leiter des Wirtschaftsreferats beim Deutschen Bauernverband.

Die Sorge der Bauern rührt aus der Konstruktion der Ernteausfallversicherung. Deren Policen unterscheiden sich von anderen Versicherungen in einem wichtigen Punkt: Ohne Staat funktioniert die Wette gegen das Wetter nicht. „Nur mit staatlicher Co-Finanzierung ist ein solch umfassender Risikoschutz bezahlbar“, sagt Murr. Die Regierungen kommen für gut die Hälfte der Prämien auf. Andernfalls gäbe es keinen vollständigen Schutz, da die Schäden gewaltig sein können.

Pionier USA

So führte die Hitzewelle 2003 allein in Deutschland, Italien und Frankreich zu Ernteverlusten von rund zehn Milliarden Euro. Munich Re benötigt auch deshalb die Hilfe des Staates, weil sie noch nicht über ausreichend aussagekräftige Klimastatistiken verfügt. Um die Lage zu verbessern, hat Munich Re derzeit auf fünf Satelliten Kapazitäten gemietet, um Wetterdaten zu erheben. Erst wenn diese vorliegen, sieht sich der Assekuranzriese in der Lage, das Katastrophenrisiko richtig einzuschätzen und zu tragen.

Pionier für Ernteausfallversicherung wegen schlechten Wetters sind die USA. Dort verlangt Munich Re von einem Farmer, der eine Getreideernte mit 50 000 Euro versichert, rund 900 Euro Beitrag. Die Regierung zahlt noch einmal den gleichen Betrag als Zuschuss plus 324 Euro für Kosten und Provision.

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