Musicalveranstalter: Stage-Entertainment-Chef: "Wahnsinnig viel Geld"

Musicalveranstalter: Stage-Entertainment-Chef: "Wahnsinnig viel Geld"

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Johannes Mock-O'Hara

von Hermann J. Olbermann

Der Deutschland-Chef des weltgrößten Musicalveranstalters Stage Entertainment, Johannes Mock-O'Hara, über seine Expansionspläne.

WirtschaftsWoche: Herr Mock-O’Hara, sind Musicals eine brotlose Kunst oder ein lohnendes Geschäft?

Mock-O´Hara: Niemand investiert in den Musicalbereich, weil er besonders lukrativ ist. Wir sind auch nicht mit dem Ziel angetreten, hier Gewinnmaximierung zu betreiben. Es ist ein großer Vorteil, dass wir nicht an der Börse notiert sind und keine Private-Equity-Gesellschafter haben.

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Joop van den Ende, Gründer und alleiniger Gesellschafter von Stage Entertainment, betreibt das Geschäft nur aus Spaß an der Musik?

Wir sind ein nach ökonomischen Gesichtspunkten geführtes Unternehmen und darauf angewiesen, dass wir unsere Musicals selbst finanzieren und Gewinne erwirtschaften, die es uns ermöglichen, weitere Musicals zu entwickeln und neue Produktionen anzuschieben.

Was kostet denn die Produktion eines Musicals?

Für eine neue Show müssen Sie mindestens fünf Millionen Euro in die Hand nehmen, und für eine größere Show können es sogar 15 bis 20 Millionen sein. Das ist aber nur das Geld, das Sie brauchen, um die Show auf die Bühne zu bringen und die Erstvermarktung zu finanzieren. Der große Batzen kommt erst danach. Der laufende Betrieb der Shows und der Theater kostet wahnsinnig viel Geld.

Wie lange muss ein Stück laufen, bis es sich rentiert?

„Cats“, das erste große Musical in Deutschland, lief 15 Jahre lang in Hamburg. Heute sind Laufzeiten von ein bis drei Jahren die Regel, die großen Stücke kommen auf drei bis vier Jahre. Ab wann sich eine Show rentiert, hängt natürlich von den durch Produktionsgröße und -aufwand bestimmten Kosten einerseits und vom Zuschauerzuspruch andererseits ab. Sie müssen auch bedenken, dass wir in der Regel eine neue Show anderthalb bis zwei Jahre im Voraus planen. Manchmal vergehen von der Idee bis zur Premiere auch drei, vier Jahre.

Was bleibt unterm Strich?

In diesem Jahr investieren wir in Deutschland insgesamt 45 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr kann ich noch keinen Umsatz nennen, im vergangenen betrug er rund 360 Millionen Euro. Die Netto-Umsatzrendite liegt insgesamt im einstelligen Bereich.

Nach welchen Kriterien wählen Sie ein Stück aus?

Es gibt Stücke, die im Ausland schon Blockbuster sind und von denen wir die Lizenz erwerben, wie etwa beim „König der Löwen“. Und es gibt Eigenproduktionen wie „Ich war noch niemals in New York“. Derzeit sind circa ein Drittel unserer Stücke Eigenproduktionen, den Anteil wollen wir in den nächsten Jahren steigern. Für Eigenproduktionen können wir Lizenzen anbieten – und der Lizenzverkauf ist wirklich lukrativ. Ganz frisch angekündigt haben wir soeben „Sister Act“ für Hamburg mit Whoopi Goldberg als Co-Produzentin und „Hinterm Horizont“ mit der Musik von Udo Lindenberg in Berlin. Außerdem arbeiten wir an „Der unendlichen Geschichte“.

Sie bespielen in Deutschland elf Theater, verteilt auf Hamburg, Berlin, Stuttgart und das Ruhrgebiet. In welche Städte wollen Sie noch gehen?

In München suchen wir ein Grundstück. Vorher bauen wir aber in Hamburg für 60 Millionen Euro ein weiteres Theater. Die Eröffnung ist für 2012 geplant. Mit der Stadt München müssen wir auch noch die Rahmenbedingungen klären. Die Mieten für innerstädtische Grundstücke sind natürlich sehr hoch.

Sie hoffen auf staatliche Hilfe?

Wir erhalten keinerlei staatliche Hilfen. Aber eine Stadt muss entscheiden, was ihr ein Musical wert ist – fürs Image, als Bereicherung der Kultur, als Touristenattraktion. In Hamburg lassen unsere Gäste 500 Millionen Euro – jährlich. Die Ausgaben fürs Ticket sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. 

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