Musik: Geliebte Gitarren

Musik: Geliebte Gitarren

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Ein Stück Lebensart: Liebhaber zahlen für wertvolle Gitarren bis zu 10.000 Euro

Neue Technologie und die Renaissance handgemachter Musik bescheren elektrischen Gitarren einen wahren Boom.

Wollen Daimler-Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche, der Chef der Textilkette GAP, Glen Murphy, Citigroup-CEO Vikram Pandit und der gescheiterte US-Präsidentschaftskandidat Mike Huckabee in ihrer Werbung Lebensfreude vermitteln, kennen sie nur ein Symbol: rund einen Meter hoch, aus Holz, darüber dünne Stahldrähte, und wenn es sein muss verdammt laut: die elektrische Gitarre.

Setzten in der Popwelt der Achtziger- und Neunzigerjahre selbst Altrocker wie REM auf Computer und Synthesizer, so galt das 1931 erfundene Instrument bereits als gefährdete Art. „Nun“, sagt Hans Thomann, der im fränkischen Burgebrach einen von Deutschlands größten Instrumentenhandeln betreibt, „sind Gitarren angesagter denn je.“ Während die Umsätze mit anderen Instrumenten stagnierten, zählte der Branchenverband Somm voriges Jahr 300.000 verkaufte Gitarren nach nur 116.000 im Jahr 2003.

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Dass die musikalischen Bretter wieder die Welt bedeuten, ist ein Abbild der Hitparaden, wo Rockgruppen wie die Jungstars Tokio Hotel auch bei Kindern Sangestruppen aus Fernsehshows und wüste Rapper aus Übersee als Idole ersetzen. „Nach all dem Synthesizerklang wollen die Leute wieder Handgemachtes hören“, sagt Michael Haentjes, Chef des Musikkonzerns Edel.

Und wer diese Musik hört, will sie auch spielen. Das tun zum einen immer mehr Jugendliche. „Schließlich lassen sich mit Gitarren besser als mit Synthesizern die beiden Grundfunktionen der Musik erfüllen“, sagt Thees Uhlmann, Chef der Hamburger Band Tomte: „Das bevorzugte Geschlecht anmachen und die Erwachsenen nerven.“ Doch auch immer mehr Ältere zieht es zur Saite. Für sie ist die E-Gitarre nicht nur ein Mittel, die Musik ihrer Jugend nachzuspielen. Sie ist auch ein Stück Lebensart, in das sie nicht selten 10.000 Euro und mehr investieren, wenn das gute Stück Intarsien zieren oder vielleicht von Rockgrößen wie Eric Clapton gespielt wurde.

Für wachsende Popularität sorgt schließlich auch moderne Technologie. Dank besserer Fertigung liefern Fabriken aus China passable Einsteigermodelle, die Discounter wie Aldi bereits für weniger als 200 Euro verkaufen. Auf der anderen Seite erlauben die Fertigungsstraßen Qualitätsmarken wie Gibson, Ibanez oder Yamaha immer mehr Kleinserien mit besonderen Formen, Farben und Elektronik. Bot der US-Hersteller Fender seine legendäre Stratocaster in den Fünfzigerjahren nur in den Varianten mit und ohne Vibratohebel an, so gibt es die „Strat“ nun in gut 75 Varianten.

Zu guter Letzt hebt auch die Elektronik die Spielfreude. Dafür sorgen nicht nur Effektgeräte, die mit Computerhilfe auch Kaufhausklampfen den amtlichen Brettsound ihrer Rockidole geben. Das Gibson Powertune-System bringt die Saiten auf die richtige Tonhöhe. Mit positiven Folgen für die Umwelt: Mitmusiker müssen nicht mehr das endlose – und im Erfolg oft umstrittene – Stimmen ertragen.

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