Musikindustrie: Ex-Universal-Manager Renner schlägt Rückkehr zur Vinyl-Platte vor

Musikindustrie: Ex-Universal-Manager Renner schlägt Rückkehr zur Vinyl-Platte vor

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Tim Renner

Der frühere Universal-Deutschland-Chef Tim Renner hält den weiteren Abstieg der Musik-CD für unausweichlich und plädiert dafür, gerade einkommensstarken, älteren Kunden wieder die Vinyl-Platte anzubieten.

Der WirtschaftsWoche sagte der heutige Chef des Berliner Musiklabels Motor: „Ich bin sicher, dass der Niedergang der CD noch scharf weitergehen wird, auch wenn der Absturz momentan ein wenig abgebremst scheint.“ Renner glaubt sogar, dass die Musikindustrie den Niedergang verschärfen sollte, um Musik stärker als bisher über das Internet zu verkaufen. „Ich frage mich, ob es der Musikindustrie nicht besser zu Gesicht stehen würde, wenn sie bei Leuten unserer Generation den digitalen Download so sehr forcieren würde, dass er tatsächlich das Zeug hätte, zur Haupteinnahmequelle zu werden. Denn da liegen die Upsides, da muss sich mein Geschäftsmodell hinbewegen. Die CD wird es sicher auch in Zukunft geben – aber als hochwertig ausgestattetes Extra, das seinen Preis hat.“

Der älteren Generation will Renner am liebsten „nur noch die Kombination aus Downloads und Vinylscheiben“ anbieten. „Das wäre eigentlich konsequent. Denn überall da, wo die CD dem Download überlegen ist, ist Vinyl der CD voraus – sie klingt einfach besser und sieht im Regal viel besser aus.“ Die Akzeptanz eines solchen Angebotes habe Motor bereits erfolgreich getestet. „Bei der jüngsten Platte von Philip Boa haben wir die Vinylscheibe für zwölf Euro verkauft und dazu einen Download-Code angeboten. Die Platte hat sich gut verkauft – und fast 60 Prozent der Käufer haben den Download genutzt.“

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Renner glaubt, dass den Niedergang der CD nur zwei große Plattenfirmen überleben werden. „Der Markt wird sich weiter verdichten, und ich bin fast sicher, dass von den derzeitigen vier Majors neben Universal allenfalls noch ein weiterer großer überlebt.“ Dabei sei die Musikindustrie selbst für die schwindenden Erlöse verantwortlich, weil „die Managementgeneration, die die Entscheidungen hätte treffen müssen, ins Internet zu investieren, viel zu weit weg war von diesen Entwicklungen. Die hatten zwar Strategiepapiere bekommen. Sie haben Vorträge gehört von Visionären wie Nicolas Negroponte – aber sie sind dabei eingeschlafen oder haben es schlichtweg nicht verstanden. Ich habe damals auf einer Managementsitzung die Frage gestellt, wer denn bereits eine illegale Site wie Napster ausprobiert habe – keiner!“

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