Musikindustrie: Superstar-Band U2 macht kräftig Kasse

Musikindustrie: Superstar-Band U2 macht kräftig Kasse

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Bono und Gitarrist The Edge

von Rüdiger Kiani-Kreß und Peter Steinkirchner

Die letzte verbliebene Superstar-Band U2 verdient auch in Zeiten von Raubkopien und schwindender CD-Verkäufe glänzend.

Unos, dos, tres, catorce!!!!!!“ – Sänger Bono zählt in schrägem Spanisch vor, Larry Mullen jr. am Schlagzeug gibt den Takt vor, Gitarrist The Edge rockt mit einem Teppich aus Effekten los, die Menge tickt aus, und Bono rennt über die Bühne durch grell pulsierendes Licht, über allem thront wie ein kraftvolles, vierbeiniges Biest ein Stahlgestänge, das ständig die Farbe ändert. Unter dem Bauch des Viehs rotiert eine gigantische Videotrommel und versorgt die 90.000 im weiten Rund des Stadions mit kleinsten Details.

Wenn U2 ihren Hit „Vertigo“ anstimmt, gibt es kein Halten mehr. Menge und Stars verschmelzen zu einem zuckenden Ganzen; eine Materialschlacht aus 53 Kilometer Kabel und 1200 Tonnen Metall, Plastik und Holz, ausgespuckt aus den Bäuchen von 38 Lkws, hat jetzt nur einen einzigen Zweck: Rock ´n´ Roll-Ekstase.

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Marktführer des Livegeschäfts

Weltweit gibt es nur wenige Bands, die wie U2 ganze Stadien in eine stampfende Masse verwandeln können. Die vier Kreativen aus Dublin, die seit 1976 zusammenspielen und mit Auftritten bei fast allen relevanten Wohltätigkeits- und Weltrettungsveranstaltungen gute Absichten und ihr Image befördern, sind die letzte echte Superstar-Band: ein Musik-Markenartikel, der Kasse macht wie kein zweiter.

Ihre aktuelle „360°-Tour“, deren Deutschlandtermine am kommenden Dienstag in Frankfurt starten, dürfte alle Rekorde brechen. Wenn der Wanderzirkus kommenden Sommer in den USA zu Ende geht, dürfte er brutto 750 Millionen Dollar eingespielt haben, schätzt der langjährige Band-Manager Paul McGuinness. Das wäre fast doppelt so viel wie bei den Auftritten vor vier Jahren und rund 200 Millionen Dollar mehr als der bisherige Rekordhalter, die „A Bigger Bang“-Tournee der Altrocker Rolling Stones 2006/07.

Damit das Geld auch künftig sprudelt, hatte sich U2 vor zwei Jahren an den weltgrößten Konzertveranstalter Live Nation aus Kalifornien gebunden. Bis 2020 – Sänger Bono, gerade erst nach einem Bandscheibenvorfall wieder fit-operiert, wäre dann 60 Jahre alt – läuft der Kontrakt. Klaus-Peter Schulenberg, Vorstandschef von Deutschlands größtem Ticketvermarkter CTS Eventim: „U2 ist eindeutiger Marktführer im Bereich Live-Entertainment weltweit.“

U2 zeigt, was möglich ist im stark gebeutelten Musikgeschäft, das durch den Siegeszug des Internets und Raubkopien seit 1998 gut ein Drittel des Umsatzes verloren hat. „Früher brachten CDs das Geld, und Konzerte waren kaum mehr als Werbung dafür, heute läuft das meist andersherum“, beschreibt Bernd Hocke, General Manager des Hamburger Musikkonzerns Edel, die neue Realität.

Während bei anderen Bands das Geschäft bei den Konzerten aufhört, fängt es bei den Iren erst an. Bono & Co. sind auch in den vermeintlich toten Bereichen wie Fanartikel, CDs und Lizenzen für ihre Musik Top-Verdiener. Von den 500 Millionen Dollar, die U2 in diesem und im vorigen Jahr nach Abzug aller Kosten verdienen dürfte, stammt fast die Hälfte aus Geschäft abseits der Konzertarenen.

Den Geldregen verdankt die Band musikalischer Kreativität und ihrem Geschäftssinn. Die U2 AG stellt Branchengesetze immer wieder infrage, wie bei ihrer aktuellen Bühne. Bisher konnten Bands in Stadien keine Tickets für den Bereich hinter der Bühne verkaufen, weil Lautsprecher und Dekoration mit immer größeren Videobildschirmen den Fans dort den Blick verstellten. Bei U2s „360°-Tour“ hängen diese Sichtblenden in 30 Meter Höhe an Stahlträgern. Das sorgt für freie Sicht und bis zu 10.000 Extraplätze, die die Band für bis zu knapp 200 Dollar verkauft.

Rentable Relevanz

Meister des Mehrwerts ist die Band beim Ticketverkauf, den sie nach den Regeln modernen Ertragsmanagements organisiert. „Vor 20 Jahren haben wir zum Einheitstarif verkauft – zwölf Dollar, der Preis einer CD“, sagt Manager McGuinness. Heute sind es im Schnitt 100 Dollar – oder acht CDs. Das liegt nicht nur daran, dass die Band dank der besseren Show die Preise erhöhen konnte, sondern weil sie wie im Theater je nach Nähe zur Bühne und Extras bis zu 63 verschiedene Preise verlangt. Andere Bands begnügen sich mit einem halben Dutzend Kategorien.

In Deutschland reicht die Staffel von 39,50 Euro für den Stehplatz über 179 Euro beim besten Sitzplatz bis zum 369 Euro teuren VIP-Arrangement mit Eingang abseits der Massen, Verpflegung und Parkplatz. Das wohl teuerste Ticket ist eine Suite im Sun Life Stadium von Miami für 6380 Dollar. Bono sieht das nicht als Abkassieren, sondern als Kundendienst: „Reiche Menschen haben ja schließlich auch Rechte“, antwortete er Kritikern.

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