MySpace: Der Absturz eines Superstars

MySpace: Der Absturz eines Superstars

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Rupert Murdoch hat den Spaß an MySpace verloren.

Die Hälfte der Mitarbeiter wird geschasst, die Deutschland-Tochter geschlossen: Mit radikalen Schnitten kämpft das soziale Netzwerk MySpace um seine Zukunft. Der einstige Platzhirsch wirkt hilfs- und orientierungslos – und Besitzer Rupert Murdoch verliert die Lust an seinem Online-Spielzeug.

Das Zauberwort „Social Media" sorgt derzeit bei Investoren für Verzücken. Firmen aus dem sozialen Web, daran zweifeln nur wenige, sind die große Nummer im digitalen Zeitalter. Eine große Nummer, das war auch MySpace mal, Pionier bei den sozialen Netzwerken und Aushängeschild der frühen Tage. Mehr als eine halbe Milliarde Dollar ließ sich Rupert Murdoch im Jahr 2005 die Übernahme kosten. Doch während sich Investoren um Anteile an Facebook reißen, will Murdoch seine MySpace-Beteiligung am liebsten wieder los werden.

Am Dienstag kündigte das Unternehmen an, 500 Mitarbeiter zu entlassen – fast die Hälfte der weltweiten Belegschaft. Alle 30 Mitarbeiter in Deutschland müssen gehen, die deutsche Tochter wird dicht gemacht. Auch in anderen Ländern wie Großbritannien und Australien zieht sich MySpace zurück. Nach der Rosskur soll das Netzwerk verkauft werden, berichtet die Branchen-Website „All Things Digital", die wie MySpace zu Murdochs News Corp.-Imperium gehört. Die Firma werde Private Equity-Firmen angeboten, wenn sich im nächsten halben Jahr keine klare Trendwende zeige. "Wir schauen uns eine Reihe von strategischen Möglichkeiten an, darunter einen Verkauf, eine Fusion oder die Abspaltung", bestätigte eine Sprecherin.

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Facebook hat MySpace längst abgehängt

Und nach einer Trendwende sieht es nicht aus. Der einstige Platzhirsch ringt seit Jahren um eine zukunftsfähige Strategie. Vor allem mit Musikangeboten hatte die 2003 an den Start gegangene Community eine Blitzkarriere hingelegt. Bands richteten Profile ein, um mit ihren Fans zu kommunizieren. Die Mitgliederzahl explodierte, 2005 legte Murdoch 580 Millionen Dollar für MySpace auf den Tisch. Eine Summe, die damals für viele Beobachter so irre klang wie jetzt die 50 Milliarden Bewertung von Facebook.

Zunächst übertrumpfte Murdoch seine Kritiker. Im August 2006 schloss er eine Vermarktungsallianz mit Google. Für das Recht, vier Jahre lang die Anzeigenplätze auf MySpace zu vermarkten, blätterte die Suchmaschine 900 Millionen Dollar hin. Murdoch schien es einmal mehr allen gezeigt zu haben. Mit 60 Millionen Mitgliedern war MySpace seinerzeit die Nummer eins unter den sozialen Netzwerken – und wuchs weiter. Zwischenzeitlich brachte es die Plattform auf mehr als 250 Millionen Mitglieder.

Davon allerdings sind aktuell gerade mal 100 Millionen übrig geblieben. Facebook zog mit zahlreichen technischen Neuerungen immer mehr Nutzer an und ist so im Eiltempo vorbeigerauscht. Inzwischen hat der Rivale sogar die 500-Millionen-Marke geknackt.

MySpace dagegen taumelt hilfs- und orientierungslos umher. In der Gewinnzone war die Plattform schon seit Jahren nicht mehr. Genaue Zahlen nennt Murdochs Haus traditionell nicht, Ende des vergangenen Jahres kritisierte News Corp-COO Chase Carey aber in seltener Offenheit, dass die Verluste von MySpace „nicht akzeptabel" sind.

MySpace tauscht Chefs und Design

Als der Konkurrent vorbeizog, sollte ausgerechnet ein Facebook-Mann MySpace auf die Sprünge helfen. Owen van Natta wurde 2009 MySpace-Chef, entließ ein Drittel der Mitarbeiter und baute die Seite um. Die neue Taktik: Mehr Videos und Musik bereitstellen, um zur Entertainment-Plattform zu werden. Der Exodus der Nutzer ebbte damit jedoch nicht ab, nach nur zehn Monaten verabschiedete sich van Natta zum boomenden Online-Spiele-Anbieter Zynga.

Gleichberechtigte Nachfolger wurden die bisherigen Stellvertreter Mike Jones und Jason Hirschhorn, doch auch für Hirschhorn war schon nach wenigen Monaten wieder Schluss. Nun versucht Jones, MySpace wieder auf Kurs zu bekommen. Der Vermarktungsvertrag mit Google wurde Ende des vergangenen Jahres nach monatelangen Verhandlungen verlängert. Details des Abschlusses wurden nicht genannt, doch angesichts sinkender Nutzerzahlen dürfte der neue Vertrag deutlich weniger einbringen.

MySpace hat inzwischen einen Umbau nach dem anderen hinter sich. Nicht nur die Personen an der Spitze wurden ausgetauscht. Konzept und Design wurden gleich mehrfach verändert, im Herbst 2010 schließlich auch noch das Logo. Nur an einem änderte sich bisher nichts: An den Defiziten.

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