Nach BGH-Urteil: Image der Deutschen Bank bricht ein

Nach BGH-Urteil: Image der Deutschen Bank bricht ein

von Oliver Voß

Die Deutsche Bank hat deutlich an Ansehen verloren. Nachdem der Bundesgerichtshof die Bank zu Schadensersatzzahlungen wegen dem Verkauf einer riskanten Zinswette verurteilt hat, brachen auch die Imagewerte ein.

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Deutsche Bank

Die Deutsche Bank hatte gerade die Folgen der Finanzkrise einigermaßen verarbeitet, da ereilte das größte deutsche Geldhaus die nächste Hiobsbotschaft: Vor einer Woche verurteilte der Bundesgerichtshof (BGH) die Bank zur Zahlung von über einer halben Million Euro Schadensersatz. Der Grund: Die Deutsche Bank hatte beim Verkauf einer riskanten Zinswette nicht genügend über die Risiken aufgeklärt.

Doch das Urteil schmerzt nicht nur finanziell, sondern wirkt sich auch spürbar auf das Image der Deutschen Bank aus. Im BrandIndex der Marktforscher YouGov-Psychonomics brachen die Werte so stark ein, wie seit der Finanzkrise nicht mehr. YouGov befragt täglich 1000 Personen und erstellt daraus Imageanalysen für über 500 Marken aus 20 Branchen.      

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„Für die Deutsche Bank ist dieser Imageverlust bitter“, sagt YouGov-Vorstand Holger Geißler. „Denn nach den zahlreichen negativen Schlagzeilen der Vergangenheit war es der Deutschen Bank in den vergangenen Monaten gerade wieder gelungen die Beliebtheit bei den deutschen Verbrauchern zu steigern.“

Nachdem das Image der Deutschen Bank in der Folge der Finanzkrise in der Regel schlechter bewertet wurde, als viele Wettbewerber, lagen die Werte in diesem Jahr wieder über dem Branchenschnitt. Zudem erzielte das Geldhaus seit Jahresbeginn wieder positive Werte. „Dieser Aufwärtstrend scheint nun – zumindest vorerst - gestoppt“, sagt Geißler.

In den 30 Tagen vor der Urteilsverkündung erreichte die Deutsche Bank im Schnitt 8,1 Punkte, der BrandIndex-Wert stürzte nach der Urteilsverkündung auf aktuell -6,9 Punkte ab.

Das Geldhaus verweist dagegen auf eine regelmäßige Telefonumfrage von "tns infratest", die im Auftrag der Deutschen Bank zuletzt am Samstag durchgeführt wurde. Diese zeige "unverändert gute Werte für die Markenreputation und auch ein hohes Vertrauen in die Marke Deutsche Bank".

Der Deutschen Bank drohen weitere Klagen

BrandIndex Deutsche Bank

BrandIndex Deutsche Bank

Neben dem Ansehensverlust drohen der Bank nun weitere Schadensersatzforderungen. Der BGH hatte die Deutsche Bank am vergangenen Dienstag zur Zahlung von gut 540 000 Euro Schadenersatz plus Zinsen an den Hygienehersteller Ille aus Altenstadt in Hessen verurteilt. Die Bank hatte dem Mittelständler einen „CMS Spread Ladder Swap“ verkauft - eine Wette auf die künftige Zinsentwicklung, die für Ille zu herben Verlusten führte. Nach Ansicht des BGH verletzte Deutschlands größte Bank ihre Beratungspflichten (Az.: XI ZR 33/10).

Nach Angaben des Anwalts der Firma könnten Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe auf die Deutsche Bank und andere Kreditinstitute zukommen. Der BGH-Entscheidung wird Signalcharakter zugeschrieben, da zahlreiche Kommunen und mittelständische Unternehmen mit solchen Swap-Geschäften Millionenverluste erlitten und gegen die Deutsche Bank geklagt haben.

Der Anwalt der klagenden Firma, Jochen Weck, sagte in Karlsruhe, nun könnten auch alle anderen betroffenen Kunden Schadenersatz verlangen. Er rechne mit Forderungen in Höhe von insgesamt rund einer Milliarde Euro gegen die Banken. Allein das streitige Produkt im vorliegenden Fall sei 700 Mal verkauft worden, wobei die betroffenen Kommunen und Unternehmen einen Schaden von durchschnittlich einer Million Euro erlitten hätten. Allein Weck streitet derzeit in 14 Fällen gegen die Bank.

Der Anwalt der Deutschen Bank, Christian Duve, betonte in Karlsruhe: „Wir fürchten keine Flut von Klagen.“ Die von der Klägerseite in den Raum gestellten Beträge könnten aber insgesamt die Dimension von Swap-Geschäften bei allen Banken betreffen. Für die Deutsche Bank sei die Zahl der verbliebenen Rechtsstreitigkeiten um Swap-Geschäfte und deren Streitwert „überschaubar“. Viele Verfahren seien in den vergangenen vier Jahren schon rechtskräftig entschieden worden. Einige Prozesse hatte die Deutsche Bank gewonnen, andere wurden mit Vergleichen beigelegt.

Wie groß die Klagewelle letztlich wird, dürfte auch von der Urteilsbegründung abhängen, die noch aussteht. Sollten die Richter dabei der Deutschen Bank Vorsatz bescheinigen, würden sich Verjährungsfristen verlängern und die Zahl möglicher Kläger ansteigen. 

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