Nach dem Beinahe-Tod: US-Autohersteller finden wieder ins Leben zurück

Nach dem Beinahe-Tod: US-Autohersteller finden wieder ins Leben zurück

von Martin Seiwert

Das Beinahe-Aus hat General Motors, Ford und Chrysler verändert. Nach der schwersten Krise ihrer Geschichte schöpfen sie wieder Hoffnung – und mit ihnen die gebeutelte Industriemetropole Detroit. Eine Reportage aus der einst totgesagten US-Autostadt.

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Ein Gerneral Motors Autohändler in den USA

Mike zieht die Kapuze tief ins Gesicht, als er von seinem Geländewagen zum Fabriktor trottet. Es ist noch dunkel in Wayne, einem kleinen Vorort von Detroit. Eisige Windböen fegen über den Parkplatz. „Ich habe immer da drüben gearbeitet“, knurrt Mike, zeigt auf eine benachbarte Fabrik. „Jetzt bin ich hier. Wir werden den neuen Focus bauen. Bin mal gespannt.“

Es ist der Morgen des 3. Januar. Mike, ein Bandarbeiter des US-Autoherstellers Ford, gehört zur ersten Schicht des neuen Jahres. Fast elf Jahre lang, sagt der Mechaniker, habe er in der Ford-Fabrik Wayne Assembly gearbeitet. Zusammen mit gut 3200 Kollegen wechselte er zum Jahresbeginn in die modernisierten Fabrikhallen der Michigan Assembly.

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Mit dem Produktionsanlauf in dem umgebauten Werk schlägt Ford ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte auf. Mehr noch: Der Neustart in Wayne markiert einen Wendepunkt für die gebeutelte Industriemetropole Detroit. Nach der Nahtod-Erfahrung in der Krise haben General Motors (GM), Ford und Chrysler radikal umgesteuert. Mit schlanken Strukturen und neuen Produkten wollen sie wieder angreifen. Nirgends ist das besser zu sehen als in Wayne.

Erstes Elektroauto von Ford kommt aus Michigan

In den vergangenen Jahren standen die beiden Ford-Werke für die fatale Produktpolitik, die die amerikanischen Autobauer um ein Haar in den Ruin getrieben hätte. Spritfressende, monströse Geländewagen liefen hier vom Band. Mit ihrer Dinosaurier-Technik war jedes einzelne Fahrzeug ein Beweis für den technologischen Rückstand der US-Autobauer. Auch der Ford Focus wurde hier gebaut. Nicht der in Europa beliebte Golf-Konkurrent, sondern ein von den Amerikanern entwickeltes Modell gleichen Namens – ein ebenso teures wie erfolgloses Unterfangen.

Seit Jahresbeginn verkörpern die Fabrikhallen an der Michigan Avenue aber die Wende: Wayne Assembly ist inzwischen dicht, der dort gefertigte US-Focus ist Geschichte. Und die Michigan Assembly Plant, vor Kurzem noch Geburtsort von wuchtigen Geländewagen und Kleinlastern, den Pick-up-Trucks, hat Ford für 550 Millionen Dollar aufwendig umgerüstet. Nun wird dort der neue Focus gebaut – entwickelt von Ford Europa in Köln. Es ist das erste echte Weltauto von Ford, ein Auto, das weltweit fast baugleich produziert wird. Auch das erste Elektroauto des Konzerns soll ab 2012 von der Michigan Assembly aus die Welt erobern.

Die Fabrik beweise, wie ernst es Ford sei mit der neuen Ausrichtung auf spritsparende Wagen und Elektroautos, sagt Ford-Vorstandschef Alan Mulally. In Wayne beginne, sagt er hochtrabend, „die Zukunft der Autoproduktion in den USA“.

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