
LONDON. "Es ist immer unser Ziel, die richtige Balance zwischen den Interessen unserer Anteilseigner zu finden, den notwendigen Langfrist-Investitionen und einem vernünftigen Verschuldungsgrad", sagte Verwaltungsratschef Carl-Henrik Svanberg, "die Entscheidung über die Dividende werden wir unter Berücksichtigung der aktuellen Umstände treffen."
BP steht unter massivem Druck von den eigenen Investoren und von amerikanischen Politikern, die in Sachen Dividende unterschiedliche Ziele verfolgen. BP-Anteilseigner fürchten angesichts der steigenden Kosten im Kampf gegen den Ölteppich im Golf von Mexiko um die bislang üppige BP-Dividende und knüpfen die Zukunft von Tony Hayward als BP-Chef daran, wie viel Geld der Konzern auch in Zukunft an seine Aktionäre ausschüttet. US-Politiker dagegen drängen darauf, dass der Konzern seine Milliardenzahlungen an Investoren verschiebt. "Es wäre unfassbar, wenn die Ausschüttung stattfindet, ohne dass die Aufräumkosten feststehen", schreiben die demokratischen Senatoren Charles Schumer und Ron Wyden in einem Brief an Tony Hayward.
Mit der Entscheidung, sich bei der Dividende zunächst nicht festzulegen, hat sich der Konzern jetzt etwas Zeit erkauft. Gleichzeitig hat Hayward im Gespräch mit den Investoren betont: "Wir stehen dieser Situation als ein starkes Unternehmen gegenüber." Man sehe sich in der Lage, die Kosten zu schultern.
BP hat bislang etwa eine Milliarde Dollar für Aufräumarbeiten und Schadenersatz ausgegeben. Insgesamt könnten Kosten von fünf bis 60 Milliarden Dollar auf den Konzern zukommen, sagen Analysten voraus. Es ist vor allem ein Faktor, der diese große Spannbreite erklärt: Es ist bislang unklar, wie hoch die Strafzahlungen ausfallen werden, die die amerikanische Umweltbehörde EPA am Ende verhängen wird. Die Höhe ist davon abhängig, wie viel Öl insgesamt ins Meer fließt und wie viel Schuld BP an der Katastrophe trägt. Wenn Experten dem Konzern nachweisen können, fahrlässig gehandelt zu haben und so das Unglück verschuldet zu haben, kann die Umweltbehörde eine Strafe von bis zu 4300 Dollar pro Barrel Öl, das in den Golf von Mexiko geflossen ist, verhängen. Experten sind sich derzeit noch nicht ganz einig, wie viel Öl täglich aus der defekten Bohranlage am Meeresgrund ausströmt. Schätzungen schwanken zwischen 5000 und 115 000 Barrel pro Tag.
BP geht selbst davon aus, dass die Kosten für die Aufräumarbeiten auf bis zu drei Milliarden Dollar steigen könnten. Zur Höhe der möglichen Strafzahlungen wollte sich BP nicht äußern.
Der Konzern hat im ersten Quartal dieses Jahres einen Gewinn von 6,2 Mrd. Dollar erwirtschaftet. Analysten erwarten einen Jahresgewinn von 21 Mrd. Dollar. Bislang hat BP etwa zehn Milliarden Dollar pro Jahr an seine Anteilseigner ausgeschüttet. Die BP-Dividendenzahlung entspricht etwa einem Achtel der Einnahmen, die die britischen Pensionsfonds von den 100 größten Unternehmen des Landes beziehen.
Analysten sehen BP bislang durchaus in der Lage, die Dividende in etwa auf gleicher Höhe aufrecht zu erhalten - ebenso wie die Investitionen in künftiges Wachstum. BP investiert pro Jahr etwa 20 Milliarden Dollar in die Suche nach neuen Ölvorkommen. "Zumindest nach dem aktuellen Stand der Dinge scheint die Dividende sicher", schreibt Gordon Gray, Analyst bei Collins Stewart, in einer Kurzanalyse. Denn zur Not könnte BP höhere Schulden aufnehmen. Der Konzern hat bislang einen für die Branche eher niedrigen Verschuldungsgrad von 19 Prozent.
BP versucht derzeit, das auslaufende Öl mit Hilfe eines Trichters aufzufangen und dann kontrolliert abzusaugen. "Es wird sich in den nächsten 48 Stunden herausstellen, ob das funktioniert", sagte BP-Chef Hayward am Freitag Nachmittag. Alle Versuche, die Lecks abzudichten, sind bislang gescheitert. Experten gehen davon aus, dass dies erst im August gelingen wird. Bis dahin soll eine aufwendige Bohrung abgeschlossen sein, die den Druck von den Lecks nehmen und so den weiteren Öl-Ausfluss stoppen soll.
























