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Nachhaltigkeit bei Tiefpreisen?: Warum die T-Shirts von H&M so billig sind

von Wolfgang Uchatius Zeit

Der Modekonzern H&M hat seinen Gewinn 2010 um 14 Prozent gesteigert. Das schwedische Unternehmen tritt gegen Ausbeutung ein. Und doch verkauft er Kleidung für ein paar Euro. Wie kann das sein? Eine Suche nach dem Geheimnis des billigen T-Shirts.

H&M-Filiale in Warschau Quelle: REUTERS
H&M-Filiale in Warschau Quelle: REUTERS

Ein nachtblauer Porsche Carrera rollt durch eine Kleinstadt westlich von Berlin. Er hält auf einem Parkplatz, neben dem ein Schild mit dem Aufdruck „Sahm“ steht. Ein hagerer Mann steigt aus, geht in ein kleines Firmengebäude und zündet sich eine filterlose Zigarette an. Er heißt Horst Sahm und ist der Chef des Unternehmens. Er ist hier, um über ein T-Shirt zu sprechen.

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In den nächsten Stunden wird Sahm das Rauchen nur unterbrechen, um Kaffee zu trinken. Er scheint niemand zu sein, der an Gesundheitsvorsorge glaubt, eher an gute Kleidung. Sahm trägt braune Lederschuhe und einen beigefarbenen Anzug. Steht er auf, verrutscht der Anzug nicht, er wirft keine Falten. Für Horst Sahm sind solide Nähte und ein guter Schnitt keine Nebensache. Sein halbes Leben lang hat er als Manager für Modeunternehmen gearbeitet, in Deutschland, Hongkong, in der ganzen Welt.

Das T-Shirt liegt vor ihm auf dem Tisch. Am Kragen sind ein H und ein M in den Stoff geprägt.

H&M: Sieht gut aus und kostet fast nichts

Die beiden Buchstaben sind das Zeichen eines Weltreichs. Es umfasst 38 Länder, 2078 Geschäfte und 76.000 Menschen, im Moment. Der schwedische Bekleidungskonzern Hennes und Mauritz, H&M, eröffnet ständig neue Filialen.

Müsste man die Kleidung von H&M in einem Satz beschreiben, würde man sagen: Sieht gut aus und kostet fast nichts. Für eine Jacke zahlt man 30 Euro, für eine Jeans 20 Euro. Am günstigsten ist das T-Shirt.

Es ist weiß, schlicht, mit rundem Kragen. Vor zehn Jahren bekam man ein solches T-Shirt bei H&M für 9,90 Mark. Seitdem hat sich viel verändert in Deutschland. Strom, Brötchen, Currywurst, fast alles ist teurer geworden. Das T-Shirt von H&M nicht. Es kostet jetzt 4,95 Euro. Es ist schwierig, weniger für ein T-Shirt zu bezahlen.

H&M veröffentlicht jedes Jahr einen Nachhaltigkeitsbericht. Er ist 85 Seiten dick. Er beschreibt, wie H&M gegen Kinderarbeit, Ausbeutung und Umweltzerstörung eintritt. Wir gehören zu den Guten, das ist die Botschaft des Berichts.

Wie kann ein Unternehmen gut sein und zugleich so billige T-Shirts verkaufen?

H&M äußert sich nicht zur Produktion

Es gibt jemanden, der diese Frage leicht beantworten kann: H&M. Die Zentrale des Unternehmens liegt in der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Im Erdgeschoss ist eine H&M-Filiale, in der es die gleichen Kleider gibt wie in Berlin, Tokyo oder San Francisco. Das gleiche T-Shirt für die ganze Welt, das ist das Prinzip von H&M.

Im ersten Stock beginnen die Büros. Man kann dort die Chefdesignerin treffen oder einen Mitarbeiter der Abteilung für Nachhaltigkeit. Aber niemand sagt, wie, wo und von wem das T-Shirt hergestellt wird. H&M gibt darüber keine Auskunft – „aus Wettbewerbsgründen“.

So muss man sich selbst auf die Fährte des T-Shirts begeben. Wenn H&M den Weg nicht weist, braucht man einen Spurenleser, jemanden, der die Arbeitsweise von Konzernen wie H&M kennt, der Bescheid weiß über Baumwollernten, Mindestlöhne und die Frachtraten auf der Asienroute. Jemanden wie Horst Sahm.

Sahm hält das T-Shirt in der Hand. Er ist Mitte fünfzig, vor ein paar Jahren hat er seine eigene Firma gegründet, eine Unternehmensberatung. Die meisten Kunden sind Textilfirmen. Zurzeit ist Sahm oft in Tunesien unterwegs, er soll den Nähereien dort neue Aufträge verschaffen.

Die Zigarette im Mund, streicht Sahm mit den Fingern über den Stoff, liest die Etiketten. Er sagt, wenn man das Geheimnis des billigen T-Shirts aufdecken wolle, müsse man als Erstes weit nach Westen reisen. Dort beginne die Spur.

47 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.01.2012, 20:39 UhrSteffen

    Gestern gab es dazu auch eine interessante Sendung über das Thema H&M und Nachhaltigkeit in der ARD. Eine Zusammenfassung gibt es hier http://www.fashionboxx.net/hm-test-nachhaltigkeit/
    Die Sendung war recht interessant, jedoch viel zu kurz und es wurde viel zu wenig auf die eigentlich Problematik eingegangen. Die halbe Sendung haben Kindern klamotten gekauft und Menschen auf der Straße sollten dann erraten welche von H&M sind um so den Trend Faktor zu bestimmen, was für ein Schwachsinn.

  • 22.05.2011, 16:58 UhrMarie-Therese

    Sehr berührender Artikel. Daran erkannt man mal wieder wie verdorben unsere Gesellschaft ist. ich werde zukünftig einen großen bogen um alle billigketten machen.

  • 30.04.2011, 04:52 UhrJanir

    Schön, welche Werte in diesem Artikel zum Ausdruck kommen, aber ich finde es einfach nur lächerlich wenn man über sowelche Themen schreibt, und gleich daneben eine Vorschau zum Video "Königliche Karossen - Rolls Royce Ghost vs. bMW 760Li" schaltet. Autos welche den gleichen, wie hier zugrundliegenden, kapitalistischen Grundgedanken widerspiegeln. Lächerlich...

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