Nansen Saleri im Interview: "Das Öl reicht noch 150 Jahre"

Nansen Saleri im Interview: "Das Öl reicht noch 150 Jahre"

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Nansen Saleri

Der Ölexperte und ehemalige Chef der saudischen Erdölreserven Nansen Saleri erwartet, dass sich der Ölpreis erst in den kommenden fünf bis sieben Jahren stabilisiert.

WirtschaftsWoche: Herr Saleri, als Ölberater und Ex-Aufseher über die Ölreserven Saudi-Arabiens müssen Sie es wissen: Wie lange reicht das Öl weltweit noch?

Saleri: Mindestens 100, wenn nicht 150 Jahre – je nachdem, wie stark der Verbrauch sein wird. Öl wird es also noch lange geben, und es wird auch in Zukunft eine Energiequelle für Verkehrsmittel sein.

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Einige Ölexperten vermuten, dass schon mehr als die Hälfte des einst auf der Welt vorhandenen Öls verbraucht ist.

Schaut man sich die globalen Reserven an – konventionelle, aber auch Ölsande und anderes – , dann haben wir schätzungsweise noch zwischen 14 und 16 Billionen Barrel Öl zur Verfügung. Es könnte auch noch mehr sein. Seit vor 150 Jahren in Pennsylvania Öl entdeckt wurde, hat die gesamte Welt gerade einmal eine Billion Barrel verbraucht. Es ist also etwas zu früh, um vom Ende des Öls zu sprechen.

In Brasilien oder Kanada wird kräftig nach neuen Ölreserven gesucht – nicht so auf der Arabischen Halbinsel. Sind dort alle Ölfelder bekannt?

Saudi-Arabien besitzt bereits 260 Milliarden Barrel nachgewiesener Erdölreserven, das ist ein Viertel der konventionellen Ölreserven weltweit. Trotzdem betreiben die Saudis noch ein durchaus nennenswertes Explorationsprogramm. Dann ist da der Irak: Der hat bisher 110 Milliarden Barrel nachgewiesene Ölreserven – und das beim Einsatz von Fördertechnologie der Siebzigerjahre. Mit moderner Technik sollten hier 200 Milliarden Barrel realisierbar sein. Zudem ist mehr als die Hälfte des Iraks noch nicht exploriert. Wenn irgendwann Frieden und Stabilität eingekehrt ist, wird es dort viele neue Erdölfunde geben. Außerhalb des Nahen Ostens ist das noch deutlicher. Afrika ist gesegnet mit Reserven, von denen viele noch nicht entdeckt sind.

Warum wird Öl jetzt immer teurer? Ist das Spekulation, oder steigt die Nachfrage so stark?

Die Antwort selbst wäre Spekulation. Man kann aber sagen, neben einer gewissen Spekulation, die vorhanden ist, arbeitet die Ölbranche aktuell fast an ihrer Kapazitätsgrenze. Lagen die freien Förderkapazitäten in den späten Achtzigern bei zehn Millionen Barrel täglich, sind es heute weltweit nur noch 1,5 bis 2 Millionen Barrel am Tag. Und diese freien Kapazitäten besitzt fast ausschließlich Saudi-Arabien. Zwar stieg der weltweite Output an Öl in den letzten Jahren, aber die Nachfrage legte stärker zu. In den kommenden fünf bis sieben Jahren wird sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage und damit der Ölpreis allerdings stabilisieren.

Indem die Konzerne mehr Öl fördern? Wenn sie das überhaupt können, dürfte es teuer werden.

Die Kosten zur Erschließung neuer Quellen sind nicht das Problem, vor allem nicht im Nahen Osten. Sie liegen dort bei 10 bis 15 Prozent des derzeitigen Ölpreises. Selbst bei einem Ölpreis von 50 bis 60 Dollar wäre das noch sehr profitabel. Das Problem ist ein anderes: Es gibt zu wenig Fachkräfte, zu wenig Bohranlagen und zu wenig Edelstahl. Das trifft alle: Schlumberger, Saudi Aramco, Shell, Halliburton. Ich vertraue aber auf den Markt. Weltweit gibt es genug Menschen, die binnen fünf bis sieben Jahren ausgebildet bereitstehen, um in der Ölindustrie zu arbeiten. Um hier die Top-Talente anzuziehen, müssen jedoch die Löhne steigen. Das Anfangsgehalt eines Ölingenieurs liegt derzeit bei jährlich 80.000 bis 100.000 Dollar. Ein angehender Anwalt erwartet 200.000, ein Wall-Street-Analyst 300.000 Dollar. In diesen Bereich muss auch die Ölbranche gehen.

Fürchtet die Ölindustrie nicht, dass immer mehr Verbraucher alternative Energien nutzen, Autobauer etwa zu Elektromotoren wechseln?

Das fürchtet sie definitiv. Anders als zur großen Ölkrise in den Siebzigern üben zum ersten Mal alternative Energien Druck auf das Erdöl aus. Und der Wettbewerb dürfte in den kommenden zehn Jahren an Schärfe gewinnen. Welche alternative Energiequelle den Durchbruch schafft – ob Wind-, Kohle- oder Solarenergie –, sie wird die Energiequelle für die zweite Hälfte des Jahrhunderts sein. Das Öl, das die Welt momentan dominiert, wird dann zu einem Nebendarsteller.

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