Nationale Plattform Elektromobilität: Förderkonzept für Elektroautos erweist sich als Irrweg

Nationale Plattform Elektromobilität: Förderkonzept für Elektroautos erweist sich als Irrweg

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Ringen um die E-Zukunft. BMW-Chef Reithofer, sein Daimler-Kollege Zetsche und VW-Lenker Winterkorn hängen am Geschäft mit herkömmlichen Autos

von Franz W. Rother, Martin Seiwert, Andreas Wildhagen, Jürgen Rees, Hans-Jürgen Klesse und Max Haerder

Die Idee der Bundesregierung, Deutschland mit einer „Nationalen Plattform Elektromobilität“ zum weltweiten Leitmarkt für strombetriebene Fahrzeuge zu machen, erweist sich als Irrweg. Der Ansatz ist zu komplex und zu planwirtschaftlich. Andere Staaten haben ein klares Förderkonzept und preschen mit pragmatischenLösungen vor. Hierzulande dagegen verzetteln sich Hersteller, Verbände und Politiker auf der Suche nach dem großen Wurf und bremsen sich gegenseitig.

„Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht, und mach dann noch ’nen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht…“

(Aus der Dreigroschenoper)

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Der Schlossplatz 1 in Berlin war schon immer eine besondere Adresse. Von hier rief 1918 Karl Liebknecht die „sozialistische Republik“ aus. Hier tagte der DDR-Staatsrat und regierte zeitweise Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Seit 2006 residiert in dem renovierten Bau die European School of Management and Technology (ESMT), Kaderschmiede deutscher Konzerne wie BMW, Deutsche Bank, ThyssenKrupp, und RWE.

An dem traditionsreichen Ort versucht zurzeit wieder jemand, Geschichte zu schreiben. Im Monatsrhythmus treffen sich hier seit Mai für jeweils mehrere Stunden rund zwei Dutzend Experten: vom Gewerkschafter und Stadtwerker über Energiemanager bis hin zum Vertreter des Autofahrerclubs ADAC. Geleitet wird die bunte Schar von BMW-Forschungschef Klaus Draeger und ESMT-Präsident Lars-Hendrik Röller. Es wird diskutiert und notiert. Ziel der Zusammenkunft ist nichts Geringeres als die Erstellung von „Rahmenbedingungen“ für eine Revolution, wie sie Deutschland lange nicht erlebt hat: die Zukunft ganz ohne Autoabgase, mit stromgetriebenen Mobilen.

Vager Schulterschluss

Insgesamt sieben solcher Arbeitsgruppen mit insgesamt fast 150 hochkarätigen Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden grübeln seit Mitte des Jahres emsig über dem weltbewegenden Thema. Das soll jene „Nationale Plattform Elektromobilität“ mit Leben füllen, die Angela Merkel im Mai in Berlin aus der Taufe hob. Auf diese Weise, so der Wille der Kanzlerin, soll Deutschland zum Vorbild, zum „Leitmarkt“ für Technologien rund um das Elektroauto werden.

Doch Bahnbrechendes haben die Experten in den weit mehr als 2000 Stunden, die sie von ihrer teuren Arbeitszeit dafür abzweigten, bisher nicht zuwege gebracht. Wenn Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) heute den Zwischenbericht aus den Händen des Vorsitzenden Henning Kagermann, dem Ex-Chef des Softwarekonzerns SAP, erhalten, wird die Ernüchterung groß sein. Statt eines Manifests des Auf- und Durchbruchs hat Deutschlands Elektro-Komplex bisher vor allem eines produziert: schnöde Prosa.

Natürlich wird die Zufriedenheit groß sein. Die bisherigen Ergebnisse würden „von allen Beteiligten als Erfolg gesehen“, heißt es im Entwurf des Zwischenberichts, der der WirtschaftsWoche vorliegt. (den Zwischenbericht können Sie hier als pdf herunterladen)

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