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Neue Fabrik: VW will indischen Markt erobern

von Von Oliver Müller Quelle: Handelsblatt Online

In fünf Jahren will VW seinen Marktanteil auf dem boomenden indischen Markt verzehnfachen. Ein ambitioniertes Ziel, vor allem weil der indische Automarkt derzeit von Suzuki und Hyundai beherrscht wird. Die beiden Marktführer wollen den Wolfsburgern das Feld keinesfalls kampflos überlassen.

Die meisten Autos in Indien sind Kleinwagen. Quelle: Reuters
Die meisten Autos in Indien sind Kleinwagen. Quelle: Reuters

PUNE. Der Volkswagen-Konzern will seinen Rückstand auf die asiatischen Autohersteller in Indien schnell aufholen. In den nächsten fünf Jahren soll der Anteil der Wolfsburger an dem schnell wachsenden Markt von derzeit unter einem Prozent auf zehn Prozent steigen. "Wir wollen im Volumensegment schnell vorankommen", sagte Jörg Müller, Präsident der Volkswagen-Gruppe in Indien, dem Handelsblatt. Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, zieht der Konzern die Eröffnung seines neuen Werkes in Pune um ein halbes Jahr auf Anfang 2009 vor.

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Der viertgrößte Autoproduzent der Welt ist in Indien bislang kaum aktiv. Der Markt wird vom japanischen Suzuki-Konzern und dem koreanischen Hersteller Hyundai dominiert, die drei Viertel aller Autos verkaufen. Sie sind mit billigen Kleinwagen erfolgreich, die in dem Schwellenland auch für breitere Käuferschichten erschwinglich sind. Diese machen rund 90 Prozent des gesamten indischen Marktes aus.

VW hat dem bisher wenig entgegenzusetzen. Die Wolfsburger bieten vor allem teure Importe oder aus Bausätzen gefertigte Modelle wie Passat, Jetta und Touareg an. Am besten verkauft sich noch der Kleinwagen Fabia der Konzerntochter Skoda, dessen Absatz sich in diesem Jahr auf 20 000 Stück verdoppeln soll.

Die schwache Präsenz VWs steht im Kontrast zu dem hohen Wachstumspotenzial des indischen Marktes. Während der Absatz in vielen Industrieländern stagniert, geht Konzernchef Martin Winterkorn davon aus, dass der Autoabsatz dort im nächsten Jahrzehnt um zehn Prozent jährlich zunehmen wird. 2018 wäre der Subkontinent dann der viertgrößte Markt der Welt, nach den USA, China und Japan. Im Vorjahr kam Indien mit 1,2 Millionen verkauften Autos auf Rang 13.

Winterkorn hat dem Markt deshalb höchste Priorität eingeräumt. Um an dem Wachstum teilzuhaben, investiert VW 580 Mill. Euro in die neue Fabrik in Pune bei Mumbai. Mit dem ersten Vollwerk des Konzerns in Indien will VW die Produktion des Fabia auf zunächst rund 50 000 Stück pro Jahr steigern. 2011, wenn das Werk ausgelastet ist, soll der Ausstoß auf 110 000 Autos steigen. Dann wird in Pune auch eine abgespeckte Variante des VW Polo hergestellt.

Um im untersten Marktsegment vertreten zu sein, plant VW zudem die Einführung des Kleinstwagens "Up". Das Skoda-Modell wird speziell für Schwellenländer konzipiert, existiert bislang aber nur als Studie. VW-Finanzvorstand Hans-Dieter Pötsch hatte vor einigen Tagen im Handelsblatt angekündigt, der Up werde kurz nach Beginn des neuen Jahrzehnts in die Serienproduktion gehen.

"Der Up passt perfekt nach Indien, ich wünsche ihn mir hier", sagte Landes-Chef Müller. In Indien müsste er allerdings mit dem Nano des Tata-Konzerns konkurrieren, mit einem Preis von umgerechnet 1 600 Euro das billigste Auto der Welt. Analysten sprechen derartigen Billigst-Autos das größte Wachstumspotenzial in den aufstrebenden Ländern zu.

Auch Suzuki und Hyundai machen keine Anstalten, kampflos Marktanteile an die Wolfsburger abzugeben. Marktführer Suzuki investiert 1,6 Mrd. Euro in den Ausbau seiner Kapazitäten, künftig will der Konzern eine Million Autos pro Jahr auf dem Subkontinent fertigen. Zudem planen die Japaner ein großes Entwicklungszentrum. Hyundai hat seine Kapazität gerade auf 600 000 Stück erhöht. Zusätzliche Skalenvorteile erreichen die beiden Unternehmen durch den Ausbau Indiens zur globalen Exportdrehscheibe, von der aus sie auch Deutschland beliefern.

Der Vorsprung der Konkurrenz schreckt Müller dennoch nicht. "Wir kommen nicht zu spät, sondern zum richtigen Zeitpunkt", sagt er optimistisch. Die Phase dauerhaft zweistelligen Wachstums fange jetzt erst an.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 04.08.2008, 14:16 UhrNew Deal

    bei meiner zweiten mehrmonatigen Reise durch die NiS Staaten(Nepal,indien,SriLanka)im Jahre 1983 wunderte ich mich über die dramatische Zunahme japanischer Klein-und Kleinstbusse seit meinem vorangegangenen besuch 5 Jahre zuvor.in dieser Zeit wurde der Grundstein für die japanische Präsenz heute gelegt.
    Mir war damals schon unverständlich,wieso ein solch großer Markt,
    natürlich modifiziert auf die örtlichen Gegebenheiten,so lange nicht
    von anderen Herstellern bedient wurde.Heute dürfte es erheblich schwieriger und vor allem teurer werden,dort Fuß zu fassen.

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