Neue Yahoo-Chefin: Yahoo geht wieder auf Microsoft zu

Neue Yahoo-Chefin: Yahoo geht wieder auf Microsoft zu

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Die neue Yahoo-Chefin Bartz will beim Suchmaschinen-Anbieter neue Seiten aufziehen

Die neue Yahoo-Chefin Carol Bartz liebt deutliche Worte. Nun muss sie auch klare Entscheidungen treffen, um den Absturz des Internet-Pioniers zu stoppen. Bartz könnte schnell einen neuen Schulterschluss mit Microsoft suchen.

Carol Bartz versäumte keine Zeit. Gleich ihr erster Nachmittag als neue Chefin der Internet-Ikone Yahoo war mit Terminen bis spät in den Abend gefüllt. „Ganz offen, Yahoo könnte ein bisschen Management vertragen“, flachste die ehemalige Chefin des US-Softwarehauses Autodesk in der hastig anberaumten Telefonkonferenz zu ihrer Wahl als Nachfolgerin des glücklosen Yahoo-Gründers Jerry Yang.

Die ebenso dynamische wie adrett gekleidete 60-Jährige, die am Dienstag vergangener Woche das Ruder bei der Internet-Suchmaschine übernahm, ist mit starken Worten angetreten, und das in alle Richtungen. „Lasst uns endlich mal in ein paar Hintern treten“, schmetterte sie kampfeslustig an die Adresse ihrer Wettbewerber. Und den eigenen Leuten signalisierte sie schon einmal: „Ich liebe es, Entscheidungen zu treffen“ – eine leise Drohung für die auf Konsens ausgerichteten Yahoo-Mitarbeiter.

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Die Taten, die Bartz nun ihren Worten folgen lassen muss, dürften nach Meinung von Experten Yahoo in den Grundfesten erschüttern. Im Silicon Valley wird erwartet, dass Bartz, die Microsoft aus ihrer Zeit bei Autodesk bestens kennt, rasch den Arm in Richtung des US-Softwaregiganten ausstrecken wird. Der hatte am 1. Februar 2008 angekündigt, Yahoo für 47 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen, war aber wegen höherer Preisvorstellungen unter anderem von Yang Anfang Mai 2008 davon wieder abgerückt. Gut sechs Monate später war Yang als Yahoo-Chef zurückgetreten.

Erste Kontaktaufnahmen in diese Richtung gibt es bereits. So berichtete die "New York Times" am Wochenende, dass sich Microsoft-Chef Steve Ballmer mit dem Vorsitzenden des Yahoo-Verwaltungsrates, Roy Bostock, getroffen habe. Auch Bartz hat sich zu einem informellen Gespräch mit Ballmer getroffen.

Jetzt wird in der US-Computerhochburg folgendes Szenario gehandelt:

Bartz könnte Yahoo-Gründer Yang, der als Chefberater weiter beim Unternehmen arbeitet, davon überzeugen, die Suchmaschine, den einstigen Firmenkern, doch an Microsoft zu veräußern. Dagegen hatte sich Yang erbittert gewehrt.Versüßt werden könnte Yang und den Mitarbeitern der Deal zum einen durch den milliardenschweren Kaufpreis. Zum andern könnte der Widerstand der Renitenten durch eine Allianz gebrochen werden, in der Yahoo die Suchmaschine nach einem Verkauf an Microsoft weiterhin für das eigene Geschäft nutzt und dafür einen garantierten Anteil am Werbeumsatz der Suchmaschine erhält.Yahoo könnte sich dann stärker als wichtigster Anlaufpunkt im Internet etablieren, etwa indem das Unternehmen ein bereits erfolgreiches soziales Netzwerk, zum Beispiel Facebook, erwirbt oder sich maßgeblich daran beteiligt. Yahoo hat bereits 3,5 Milliarden Dollar auf der hohen Kante und könnte mit dem Verkauf der Suchmaschine noch weitere sechs bis acht Milliarden Dollar dazubekommen – ein in der derzeitigen Kreditkrise nicht zu unterschätzender Vorteil.Sollte Facebook sich nicht auf die Offerte einlassen, etwa weil Microsoft sich bereits mit einem Bruchteil an dem Unternehmen beteiligt hat, kämen für Yahoo als Partner das soziale Netzwerk Myspace, das zum Reich des australischen Mediengiganten Murdoch gehört, oder Beebo infrage, ein Ableger des US-Medienkonzerns Time Warner. Damit wäre Yahoo zwar noch stärker etwa von der Banner-Werbung im Internet abhängig, die derzeit unter der Wirtschaftskrise leidet. Doch ist absehbar, dass diese bei einer wirtschaftlichen Erholung schnell wieder zulegen dürfte.

Dass die neue Yahoo-Chefin solche Schritte gehen könnte, liegt an dem traurigen Zustand des einstigen Internet-Stars. Weit hinter den Marktführer Google zurückgefallen, ist von der Firma und ihrem einst so kraftvollen Kampfesschrei „Yahooooo!“ nur noch ein lustloses Heulen geblieben. Der stolze Internet-Pionier badet im Selbstmitleid. Die zurückliegenden knapp eineinhalb Jahre, in denen Yahoo-Gründer Yang die Stelle des bisherigen Chefs Terry Semel eingenommen hatte, haben dem Unternehmen schwer geschadet.

Erst schlugen Yang und Aufsichtsratschef Roy Bostock – Branchenspott: das „Duo Infernale“ – das 47 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot von Microsoft aus. Obwohl sie das, wie beide im Nachhinein beteuerten, eigentlich gar nicht vorgehabt hätten.

Dann setzten Yang und Bostock munter auf die falschen Freunde. Eine Vermarktungsallianz mit Google sollte die aufgebrachten Aktionäre von Yahoo, allen voran deren Wortführer Carl Icahn, besänftigen. Doch Google-Chef Eric Schmidt zog die Offerte in der letzten Minute zurück, weil er die Intervention der US-Wettbewerbsbehörde fürchtete. Yahoo stand wieder im Regen und biederte sich mehrmals erfolglos bei Microsoft an. Das hat Spuren hinterlassen. Gleich reihenweise verließen Talente die Firma in Richtung Google, Microsoft und Facebook. Zuletzt wechselte der langjährige Suchmaschinenexperte Qi Lu zu Microsoft, wo er die Online-Sparte übernahm.

Parallel verflüchtigte sich das Gewicht von Yahoo im Internet immer weiter. Im Suchgeschäft nahm Marktführer Google, der als ehemaliger Dienstleister von Yahoo groß geworden war, kräftig Anteile ab. Das soziale Netzwerk Facebook, das sich ebenso wie Yahoo als Sprungbrett ins Internet versteht, buhlte erfolgreich um die Aufmerksamkeit der Yahoo-Nutzer. Online-Händler Amazon stellte sich erfolgreich als Web-Dienstleister auf und verbaute damit Yahoo neue Geschäftsfelder. Apple etablierte sich aus dem Stand mit seinem iPhone im mobilen Internet.

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