Neuer Sparkassenchef: Sehnsucht nach Fahrenschon

Neuer Sparkassenchef: Sehnsucht nach Fahrenschon

, aktualisiert 30. November 2011, 08:28 Uhr
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Aus der Politik in die Bankenbranche: Georg Fahrenschon gilt als geschickter Stratege.

von Frank Matthias Drost und Thomas BauerQuelle:Handelsblatt Online

Der frühere bayerische Finanzminister soll als neuer Sparkassenpräsident Ruhe in den Verband bringen. Seine umgängliche Art und strategischer Kopf sind gefragter denn je - mit den Landesbanken wartet eine Großbaustelle.

Frankfurt/BerlinGeorg Fahrenschon, bis vor kurzem bayerischer Staatsminister der Finanzen, wird in Berlin als neuer Cheflobbyist von den Sparkassen sehnsüchtig erwartet. Man sei sehr froh, Fahrenschon gewonnen zu haben, sagt einer von Fahrenschons künftigen Führungskräften. „Wir stehen vor großen Veränderungen. Wir brauchen eine Verjüngung und frischen Wind von außen“, heißt es.

Der CSU-Politiker aus dem oberbayerischen Planegg wird heute von der Mitgliederversammlung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) zum Nachfolger des bisherigen Präsidenten Heinrich Haasis gewählt. Haasis wollte mit knapp 67 Jahren nicht mehr antreten, und Fahrenschon wiederrum wollte nicht mehr Minister unter Horst Seehofer sein - und damit ewiger Kronprinz.

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Seine Wahl gilt als sicher, weil er keinen Gegenkandidat mehr hat. Rolf Gerlach, Präsident des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe hat seine Kandidatur vor drei Wochen zurückgezogen.

Mit seinen 43 Jahren kommt Fahrenschon jugendlich daher. So pflegt er eine umgängliche Art und einen bayerischen Zungenschlag. Mit Unbedarftheit hat dies nichts zu tun. Er verfügt über diplomatisches Geschick und ist auf Ausgleich bedacht. Das zeigt schon die Art und Weise, wie er sich einen der Top-Posten in der deutschen Finanzbranche gesichert hat. Als Sparkassenpräsident vertritt er 348.000 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme von 2,6 Billionen Euro.

So hat er es verstanden, sein Interesse an der Spitzenposition bis kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist Anfang November zu verbergen. Damit bremste er sogar den geübten Taktiker und lautstarken Zweimetermann Rolf Gerlach aus. Der hatte seine Kandidatur bereits Wochen voraus angemeldet. Ein Wettbewerber, an dem er sich hätte messen können, fehlte ihm jedoch. Auch CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer wusste nichts von den Plänen seines Ministers, und konnte daher auch nicht Fahrenschon als seinen Emissär für die Spitze des DSGV darstellen. „Fahrenschon versteht es, sich durchzusetzen, ohne seine Gegner als Geschlagene dastehen zu lassen“, beschreibt ein westdeutscher Sparkassenverbandspräsident dessen Fähigkeiten.


Das Sparkassenlager fürchtet nichts mehr als die Spaltung

Nur eine Woche nachdem Fahrenschon seine Kandidatur angemeldet hatte, musste Gerlach erkennen, dass sein unerwarteter Gegenkandidat die Mehrheit auf seiner Seite haben würde. Denn die ausgleichende Art von Fahrenschon kam im Sparkassenlager gut an. Dort wird nichts mehr als Uneinigkeit und Spaltung gefürchtet. Fahrenschon sei gesprächsfähig gegenüber allen, einer der integrieren könne, heißt es. Bis Ende April hat Fahrenschon nun Zeit, die Amtsgeschäfte von seinem Vorgänger Heinrich Haasis zu übernehmen.

Seine Aufgabe ist herausfordernd. Ein Brennpunkt sind die Landesbanken. Die Sparkassen sind zwar mit der Ausrichtung auf den Mittelstand gut durch die Finanzkrise gekommen, doch viele ihrer Landesbanken wie die WestLB, BayernLB oder HSH Nordbank mussten mit Milliarden von Bund und Ländern gerettet werden. Die von der EU-Wettbewerbskommission eingeleiteten Beihilfeverfahren sind zwar fast abgeschlossen, doch ist damit die Konsolidierung der Landesbanken noch nicht viel weiter. Lediglich die WestLB wird bis Mitte kommenden Jahres aufgelöst - auf Anweisung der EU.

Da der Chef des DSGV keine Durchgriffsrechte gegenüber Sparkassenverbänden und Landesbanken hat, muss Fahrenschon in zahlosen Gesprächen jede einzelne Verbandsebene überzeugen, um auch nur eine einzige weitere Landesbankenfusion in Gang zu bringen.

Fahrenschon wird auch Institute zukunftsfähig machen müssen, die sich bereits jetzt vollständig in Sparkassenhand befinden: die Landesbank Berlin (LBB) und die Deka-Bank. Fahrenschon wird seine Fähigkeiten als Ökonom und Unternehmensberater auch beweisen können, wenn es um die Senkung der Verwaltungskosten der 429 Sparkassen geht. Nicht immer steht bei den Instituten eine sinnvolle großflächige Kooperation im Back-Office-Bereich im Vordergrund, sondern das Motiv, eigene Jobs auf Kosten anderer Sparkassen zu erhalten.

Gerlach gab jüngst vor zu wissen, wie bei den Sparkassen und den öffentlichen Versicherern Effizienzgewinne von 1,5 Milliarden Euro zu heben wären. Fahrenschons Unterstützer halten Gerlachs Zahlen für Fantasie. „Weniger als die Hälfte sei machbar“, meint einer von ihnen. Doch was die einen als Nachtreten Gerlachs verstehen, sehen andere als klassische Aufgabe für den Integrator Fahrenschon: den Regionalverbandspräsidenten Gerlach zur Zusammenarbeit zu gewinnen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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