Neuer VW-US-Chef: Der Toyota-Jäger

Neuer VW-US-Chef: Der Toyota-Jäger

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Ein Volkswagen Emblem am Times Square

von Martin Seiwert

Auf dem neuen Volkswagen-Chef lastet eine schwere Bürde. Nur wenn er seine Vorgaben erreicht, kann der VW-Konzern sein wichtigstes Ziel erreichen – größter und profitabelster Autokonzern der Welt zu werden.

Nun ist es offiziell: Der 51-jährige Brite Jonathan Browning wird neuer Nordamerika-Chef von Volkswagen. Vor wenigen Minuten verkündete VW-Vertriebsvorstand Christian Klingler vor Journalisten in Washington die Personalie. Browning, bis 2009 bei General Motors weltweit für den Vertrieb zuständig, kennt auch den europäischen Markt gut. 16 Jahre lang stand er in Diensten der Amerikaner, zuerst bei der britischen GM-Tochter Vauxhall. Danach war er Geschäftsführer der Ford-Tochter Jaguar. 2001 kehrte er nach Detroit zurück und arbeitete erneut für GM. Vor wenigen Wochen erst war Browning als Chef der internationalen Vertriebsgesellschaften (National Sales Companies) zu VW gewechselt.  

Mit der Ernennung von Browning endet ein Machtvakuum, das vor gut zwei Monaten entstanden war, als der damalige US-Chef Stefan Jacoby Volkswagen den Rücken kehrte, um bei Volvo als neuer Chef anzuheuern. Der Volkswagen-Konzern war von der Kündigung Jacobys völlig überrascht worden. Der langjährige VW-Manager sollte eine der wichtigsten Missionen von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn verantworten: Den Durchbruch im US-Markt.

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Die Ziele von VW

Doch der machtbewusste und eloquente Jacoby machte es sich und seinen Chefs in Wolfsburg nicht leicht. Nur ungern ließ er sich in seine US-Strategie hineinreden und zuletzt, so wird in Branchenkreisen in den USA spekuliert, reichte ihm sein US-Job nicht mehr. Er habe auf höhere Weihen im Zuge des von Winterkorn angestoßenen Managementumbaus bei VW gehofft, sei jedoch leer ausgegangen. Der plötzliche Wechsel zu Volvo sei die Retour-Kutsche des enttäuschten Managers gewesen.

Oder fürchtete Jacoby, dass er die hochgesteckten Ziele in den USA nicht erreichen könnte?  Die Zielvorgaben, die der neue US-Chef Browning von seinem Vorgänger erbt, haben in der Tat etwas Abschreckendes. Bis 2018 soll der Marktanteil der Wolfsburger von derzeit 2,3 auf sechs Prozent klettern – im gesättigten und stagnierenden US-Markt ein mehr ambitioniertes Ziel. Die Zahl der verkauften Autos soll von derzeit rund 350000 auf über eine Million steigen.

Helfen sollen dabei Milliardeninvestitionen in ein neues Werk im Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee und der Ausbau des mexikanischen Werkes Puebla. In Chattanooga wird ein dem Passat vergleichbarer Mittelklassewagen vom Band laufen, in Puebla der neue Jetta, der im Oktober auf den Markt kommt.

Der Druck auf Browning ist enorm. Denn die Vorgaben für den US-Markt sind nicht verhandelbar. Mit dem Erfolg in den USA steht und fällt das große Ziel, das Winterkorn im Dezember 2007 auf einem Führungskräftetreffen bei Volkswagen erstmals verkündete: VW soll bis 2018 der profitabelste und größte Autobauer der Welt sein und Toyota an der Spitze ablösen. Die Japaner verkaufen rund 7,2 Millionen Fahrzeuge pro Jahr, setzen 145 Milliarden Euro um und kommen auf einen Börsenwert von 104 Milliarden Euro. VW setzte im vergangenen Jahr knapp eine Million Autos weniger ab, machte fast 40 Milliarden Euro weniger Umsatz und muss sich mit einem Drittel des Toyota-Börsenwertes begnügen.

Wer in Wolfsburg hoffte, Toyota sei durch die Rückrufaktionen und Negativschlagzeilen der zurückliegenden Monate sturmreif, wurde enttäuscht. Konzernchef Akio Toyoda präsentierte im Frühjahr einen Reingewinn von 1,7 Milliarden Euro für das abgelaufene Geschäftsjahr – nach einem Verlust von 3,3 Milliarden Euro in den vorangegangenen zwölf Monaten.

VW vs. Toyota

Will Winterkorn sich mit seinem Großangriff auf Toyota nicht lächerlich machen, bleibt ihm unter dem Strich nur eines: Er muss die Japaner auf einem ihrer Parademärkte schlagen – in den USA. Während VW auf dem zweitgrößten Automarkt hinter China im laufenden Jahr einen mageren Anteil von 2,3 Prozent erreicht, kommt Toyota auf 15,2  Prozent, mehr als  sechsmal so viel. Und während die Japaner elf Produktionsstätten in Nordamerika haben, findet sich auf der Weltkarte des Volkswagen-Imperiums dort keine einzige Fabrik. Erst 2011 wird das VW-Werk in Chattanooga den Betrieb aufnehmen.

Doch alle Produktionskapazitäten nützen wenig, wenn VW „nicht auf der Einkaufsliste der Amerikaner steht“, wie der scheidende US-Chef Jacoby festgestellt hatte. „In Amerika eine Bekanntheit wie Toyota zu erreichen“, hatte Jacoby erkannt, „ist in der Summe unser Ziel.“ Jetzt muss es das Ziel von Jonathan Browning sein.

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