Neues Qualitätssiegel: Deutsche Manufakturen greifen im Ausland an

Neues Qualitätssiegel: Deutsche Manufakturen greifen im Ausland an

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Ulrich Welter

von Mario Brück

Edle Tapeten, hochwertige Reitsättel, filigrane Schreibfedern: Die Schöpfer einzigartiger Luxusprodukte wollen ihre Waren im Ausland besser vermarkten. Helfen soll dabei ein neues Siegel. Wie es funktioniert und worauf Kunden achten sollten.

Bei dem Mann gibt es nichts von der Stange, alles ist eine Sonderanfertigung für Menschen mit Geld und dem Sinn fürs Besondere. Wer hier kauft, bindet sich lange.

Ulrich Welter stellt einzigartige Tapeten und Wandpaneele her. Allein seine Schöpfungen so zu nennen ist eigentlich zu prosaisch, ein Stilbruch. Welters Werke sind Wandschmuck, wie er luxuriöser kaum sein könnte – zeitlose Haute Couture für gemauertes Ambiente. Einmal angebracht, halten die Stücke, weil von bester Qualität und immerwährender Eleganz, im Grunde ewig.

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Was der Wahl-Berliner, der aus der Umgebung von Mainz stammt, 1999 als Welter Manufaktur für Wandunikate gründete, sucht seinesgleichen in Deutschland.

Der 48-Jährige und seine zehn Mitarbeiter bemalen und bedrucken, bestäuben und betupfen in einer Werkstatt in einem Hinterhof in der Schöneberger Bülowstraße von Hand Bahnen aus Tapetenvlies.

Mal veredeln Gold, Silber, Palladium, Messing und Stahl, mal Marmormehl und Glas das Gewebe. Mal funkelt es warm, mal kalt, mal glitzert es protzig, mal zurückhaltend und kühl. Welters Kunden können aus mehr als 80 Farben wählen. Jede wird einzeln und in Ruhe per Hand angerührt.

Sich Zeit nehmen, das ganz Besondere fertigen, in Ateliers, Werkstätten und Hinterhoffabriken der Hektik entrückt, wo Kreativität und Präzision, gepaart mit Handarbeit, höchste Qualität und immerwährende Eleganz hervorbringen: Nirgendwo zeigt sich zugespitzter, wie Unternehmen in Deutschland der Billig-, Massen- oder High-Tech-Produktion im Ausland widerstehen können, als in Manufakturen. Einst Keimzelle der Industrialisierung, hat ihre Produktionsweise die Mechanisierung und Automatisierung der vergangenen Jahrhunderte auf erstaunliche Weise überlebt. Inzwischen trifft das lateinische „manu factum“, zu Deutsch: das Handgemachte, den Nerv einer wachsenden Zahl Konsumenten, die den Massenprodukten den Rücken kehren wollen – und dafür richtig viel Geld lockermachen.

Flitter und Tütü made by Welter zum Beispiel ist nur etwas für richtig Betuchte. Unter 100 Euro pro Quadratmeter gehen keine handbetupften Tapeten oder güldenen Wandpaneele über den Ladentisch, die Grenze nach oben ist offen.

Mit Blick auf diesen Trend haben acht Mittelständler Ende vergangenen Jahres die Initiative Deutsche Manufakturen gegründet. Gemeinsam wollen sie ihren Interessen in der Öffentlichkeit und auf dem Markt stärker Gehör verschaffen. „Made in Germany“ stehe weltweit für Qualität aus deutscher Industrieproduktion, ein Siegel „Handmade in Germany“ solle nun für die abseits der Massenfertigung handgefertigten Produkte werben, sagt Michael Schröder, Geschäftsführender Gesellschafter der Kommunikationsagentur wbpr in Berlin und Vorstand der Initiative.

Glitzer und Glamour

Gründungsmitglieder sind neben Welter Wandunikate der Küchenhersteller Poggenpohl aus Herford, der Audiosystemehersteller Burmester aus Berlin, der Sattelproduzent Joh’s Stübben aus Krefeld, der Orgelbauer Klais aus Bonn, der Schreibfedern-Fertiger Peter Bock aus Heidelberg, die Kay Gundlack Schuhmanufaktur aus Parchim sowie die Königliche Porzellan-Manufaktur KPM aus Berlin.

Tapetenmacher Welter erhofft sich von der gemeinsamen Marketinginitiative eine höhere Wertschätzung für Nischenprodukte, deren Fertigung in Handarbeit und die verwendeten Materialien. Denn ohne diese Einstellung und Erziehung zu mehr Geschmack sind die Wachstumsaussichten der Manufakturen eher beschränkt.

Welter, der gelernte Werbetechniker, kam in den Achtzigerjahren auf Jobsuche nach Berlin. „Ich wollte Räume mit Farben und Flächen wie ein Bühnenbild inszenieren“, sagt Welter. Weil er nichts Passendes fand, heuerte er beim Film an und bastelte wochenlang an Filmkulissen herum, die „ich dann nach Drehschluss auch noch selber zerstören und in den Müllcontainer werfen durfte“. Also machte sich Welter lieber selbstständig und verlegte sich auf die Herstellung ausgefallener Tapeten.

Krisenfest, das zeigten die vergangenen Jahre, ist sein Geschäft nicht. Unmittelbar mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte 2008 seien auch bei ihm die Aufträge schlagartig zurückgegangen.

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