Neustrukturierung: RWE vor Radikalumbau

Neustrukturierung: RWE vor Radikalumbau

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Der RWE-Turm, die Zentrale des RWE Konzerns in Essen

von Andreas Wildhagen

Der Essener Energiekonzern muss schlanker werden und viele Aktivitäten verkaufen. Der Grund dafür ist die Brennelementesteuer, die 500 Millionen Euro im Jahr wegfrisst - aber auch enttäuschte Gewinnerwartungen bei RWE-Töchtern. Konzernchef Jürgen Großmann steckt auf der Bilanzpressekonferenz in Essen die Marschrichtung ab.

Mit großer Erleichterung waren die Mitarbeiter des Erdölförderers RWE Dea auf dem Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel gelandet. Sie waren gerade aus Ägypten evakuiert worden, wo Demonstranten die Straßen unsicher gemacht hatten. Auch aus Libyen wurden die Dea-Ingenieure mit ihren Familien nach Deutschland ausgeflogen. Doch wird es nach der Erleichterung über den schnellen Wechsel in sichere Gefilde dann doch wieder einen Schock geben: RWE will sich nach Berichten von Unternehmensinsidern von der Dea in den nächsten Monaten trennen. Offiziell heißt es dazu von RWE: "Der RWE-Vorstand hat auf der Bilanzpressekonferenz mehrfach darauf hingewiesen, dass Dea ein Wachstumsfeld ist".

Das wird von einflussreichen Aktionären auch so interpretiert: Was gut wächst, kann man auch gut verkaufen.

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Der frühere Betreiber der Dea-Tankstellen, die zum großem Teil vor einigen Jahren an Shell verkauft wurden, besteht nur noch aus der weltweiten Ölförderung, besonders in Nordafrika. Doch dieses Geschäft benötigt soviele Anfangsinvestitionen in Explorationsfelder, dass sich das Geschäft für RWE nicht mehr lohnt. Es ist sowieso nur eine Randerscheinung im Stromkonzern, auf dass Konzernchef Jürgen Großmann zu Beginn seiner Amtszeit am 1. Oktober 2007 nicht verzichten wollte. Es machte den zweitgrößten deutschen Stromversorger wenigsten ein bisschen internationaler. Viele Engländer, Amerikaner und Franzosen arbeiten bei Dea, die sich allerdings wenig mit der Zentrale in Essen identifizieren.

Großmann geht - kommt Schmitz?

Der Mann, der RWE einen internationalen Anstrich geben wollte, wird das Unternehmen nur noch bis 30. September 2012 führen. Eine Verlängerung seines Vertrages wird es nicht geben, hieß es schon früh aus dem Aufsichtsrat. Die Gründe dafür waren vielfältig: Großmann war als Vollblutunternehmer mit eigener Stahlhütte in Osnabrück in der RWE-Welt wenig geerdet gewesen. An den verschlungenen Hierarchien hatte er sich die Zähne ausgebissen und sehr viele Widersacher gehabt, die sich teils offen gegen ihn wandten, teils auch aus verdeckter Stellung gegen ihn arbeiteten.

Mit poltrigem Auftreten und einem Sozialverhalten, das in die hochangepasste Welt von RWE nicht passte - dazu gehören auch die regelmäßigen Hummer-und Austern-Gelage in Davos -, eckte der Egomane Großmann ein weiteres Mal an. Folge: Die Kommunen, die mit knapp 30 Prozent die stärkste Macht bei RWE darstellen, waren dagegen, seinen Vertrag zu verlängern. Sie setzten einen ausgewiesenen Kommunalmanager an seine Seite. Der frühere Chef der Rheinenergie, das sind die Kölner Stadtwerke, wurde ihm vor die Nase gesetzt. Rolf Martin Schmitz verantwortet als Organisationschef im Vorstand auch das Deutschland-Energiegeschäft von RWE und damit das Herzstück des Versorgers.Der dreiundfünfzigjährige Schmitz gilt als Kronprinz von Großmann. Am morgigen Donnerstag wird Großmann im "Mehrzwecksaal" des Versorgers seine Pläne enthüllen. In den Wochen danach wird sich immer mehr herausschälen, wer als Kronprinz auch die Königswürde erhält. Dass dies auch der "Chefstratege", der dreiundvierzigjährige Leonhard Birnbaum sein könnte, gilt "als möglich, aber wenig wahrscheinlich", so ein RWE-Aufsichtsrat. Birnbaum kommt aus der Beraterzunft.

Der frühere McKinsey-Berater mit windschnittiger Frisur ist kein Manager, der das Versorgergeschäft von der Pike auf gelernt hat. Das jedoch war auf den ersten Blick auch das Handicap von Großmann, der statt Stallgeruch jede Menge Stahlgeruch mitbrachte. Auch Großmanns Vorgänger, der Holländer Harry Roels, war von Shell zu RWE gekommen und betätigte sich vor allem als Aufräumer. So musste er das internationale Wassergeschäft wieder verkaufen, in das RWE nach der Liberalisierung der Strommärkte mit viel Elan und Geld eingestiegen war. Dieses Geschäft hatte sich Roels Vorgänger Dietmar Kuhnt auf die Fahnen geschrieben.

Merke: Bei RWE sind es auch manchmal die Quereinsteiger, die mehr Fortune haben, als die in der Wolle gefärbten RWE-Verwaltungsspezialisten. Kuhnt war so ein RWE-Eigengewächs mit Intimkenntnis der internen Abläufe und Fraktionen. Großmann scherte aus dieser Phalanx aus. Und auch der Stahlunternehmer aus Georgsmarienhütte hatte nicht immer Pech. Mit dem Erwerb der niederländischen Essent, ein Versorger im Besitz der holländischen Kommunen, landete er einen Coup, wie ihn RWE lange nicht mehr gesehen hatte. Das zu Essent gehörende Atomkraftwerk in Borselen aber wurde nicht mitverkauft. Das hätte Großmann wegen seiner gerade erst um weitere 35 Jahre verlängerten Laufzeit zu gern gehabt. In den Niederlanden traut man einem Kernkraftwerk eine Gesamtlaufzeit von 70 Jahren zu.

Auch das Hochspannungsnetz soll weg

Nicht nur die Dea könnte aller Dementis zum Trotz verkauft werden, auch das RWE-Hochspannungsnetz soll verkauft werden. Es ist jetzt schon in eine eigene Firma mit dem Namen Amprion ausgelagert worden. Das sollte gegenüber der EU, die die Trennung von Stromproduktion und Netz fordert, Unabhängigkeit signalisieren. Doch ist Ammprion von RWE praktisch dominiert. Viele alte RWE-Manager sind nun bei Amprion. Der Verkauf an einen Finanzinvestor soll RWE gleich zweierlei bringen: Erstens Geld und zweitens die Möglichkeit, eigenes Know-how einzubringen. Das wäre bei einem industriellen Inhaber von Amprion nicht gegeben. Im Gegenteil: RWE könnte daraus einen unliebsame Konkurrenz erwachsen. Deswegen soll Amprion nur zu 75 Prozent verkauft werden.Eine Skurilität am Rande: Während der E.On-Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann,72, demnächst hochverdienter Pensionär wird, betritt ein neuer Ulrich Hartmann die Bühne. Wie das? Der alte Hartmann, den man kennt, war auch Vorstandschef von E.On und dem E.On-Vorgänger Veba. Ulrich Hartmann der Ältere war der Vater der Fusion von Veba und Viag und später Ruhrgas. Er war stets ein großer Gegenspieler der RWE-Chefs. Vorige Woche gab eine Pressenotiz bei RWE bekannt, dass Ulrich Hartmann, 54, Vorstand der RWE-Power AG wird. Die Namensgleichheit ist rein zufällig. Aber zukünftig wird in den Schlagzeilen im RWE-Pressedienst ein Ulrich Hartmann die Stimme erheben. Es ist - nicht verwandt und nicht verschwägert - immerhin ein eigener Ulrich Hartmann von RWE.

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