New Economics: Streng geheim: Unternehmen müssen ihr Wissen schützen

New Economics: Streng geheim: Unternehmen müssen ihr Wissen schützen

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Solarzellenfertigung eines deutschen Unternehmens. Bei Industriespionage rücken u.a. die Branchen Energie, Autobau und Chemie in den Mittelpunkt des Interesses

Unternehmen müssen im Ausland ihr Wissen besonders schützen. Die optimale Strategie hängt vom technischen Niveau des Gastlands ab, sagt eine aktuelle Studie.

In entwickelten Staaten wie Deutschland hilft Patentschutz – woanders ist Geheimhaltung besser.

Der neue Verfassungsschutzbericht sagt es deutlich: Deutschland ist als Standort vieler High-Tech-Unternehmen „sehr attraktiv“ für Industriespione. Immer stärker ins Visier der Agenten geraten Branchen wie Energie, Autobau, Chemie, Rüstung oder Maschinenbau. Dass Wissenstransfer aber auch legal und fair funktionieren kann, zeigen viele internationale Konzerne, die sich bei uns tummeln. Sie stecken große Summen in lokale Forschung und Entwicklung (siehe Grafik). Im deutschen verarbeitenden Gewerbe stammen 28 Prozent der entsprechenden Ausgaben von Niederlassungen ausländischer Unternehmen.

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Eine Hand wäscht die andere

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit von Auslandsunternehmen in der Bundesrepublik untersucht. Die Autoren Wolfgang Sofka und Edlira Shehu haben 1.500 Firmen in einer Stichprobe über ihre Maßnahmen zum Wissensschutz befragt. Das Ergebnis: Es hängt vom technischen Niveau des Gastlands ab, wie Unternehmen ihr Wissen am besten schützen. Grundsätzlich können sie dies auf juristischem Wege oder durch Geheimhaltung tun.

In technisch führenden Staaten wie Deutschland sind laut Studie Patente oder Marken- und Urheberrechte geeignete Mittel. Denn hier lockt die Zusammenarbeit mit forschungsstarken lokalen Partnern. Um erfolgreich zu kooperieren, müssen Gastfirmen auch Teile des eigenen Wissens preisgeben – eine Hand wäscht die andere. Geheimniskrämerei würde dagegen attraktive Kooperationspartner abschrecken. Außerdem lässt sich Wissen in forschungsintensiven Branchen schwer geheim halten, argumentiert das ZEW: Da diese um Talente konkurrieren, wechseln die Mitarbeiter oft. Das Firmenwissen nehmen sie dann einfach zum nächsten Arbeitgeber mit.

Hohes Gewicht (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

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Anders sieht es in Ländern mit niedrigem technischem Niveau aus. Dort funktioniert Geheimhaltung besser als juristischer Wissensschutz. Firmen könnten sich dann die Kosten für Patentanmeldungen sparen, empfehlen die ZEW-Experten. In Staaten mit technisch schwächeren Branchen gebe es unter den lokalen Unternehmen kaum lohnende Kooperationspartner, denen Gastfirmen Wissenszugang gewähren müssten. Außerdem sei in diesen Ländern der Wettbewerb um Talente schwächer, die Gefahr des Geheimnisverrats durch Jobwechsler also niedriger.

* W. Sofka, E. Shehu/Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung: Host Country Contingencies on Knowledge Protection Strategies of Multinational Firms

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