News Corp.: Das System Murdoch im Kreuzverhör

News Corp.: Das System Murdoch im Kreuzverhör

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Rupert Murdoch

von Yvonne Esterházy und Peter Steinkirchner

Der Skandal um abgehörte Telefone gefährdet den Medienkonzern News Corp. zwar nicht in seiner Existenz. Doch er läutet den Abschied von Vorstandschef Rupert Murdoch ein.

Während die Krise hochkocht, geht der Chef joggen. Im Londoner Hyde Park trabte der 80-jährige Rupert Murdoch vergangene Woche in Begleitung von Fitnesstrainerin und Leibwächter über die gepflegten Wege, als wollte er aller Welt zeigen: Um mich herum toben Skandale und Enthüllungen, Parlamentsausschüsse und wütende Schlagzeilen, aber ich kümmere mich um meine Gesundheit.

Doch so rüstig der alte Mann sein mag – der letzte der großen Medientycoons dreht womöglich gerade seine letzten Runden an der Spitze von News Corporation, mit einem Umsatz von zuletzt 33 Milliarden Dollar einer der drei größten und profitabelsten Medienkonzerne der Welt, der in Deutschland mit fast 50 Prozent am Bezahlsender Sky beteiligt ist. Denn es ist vor allem sein Geschäftsgebaren, das im Zuge der sich täglich beschleunigenden Krise in England um angezapfte Telefone, abgehörte Mailboxen und bestochene Polizisten in der Kritik steht und das den Konzern gerade um wesentliche Wachstumschancen bringt.

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Zwar gefährdet die aktuelle Krise den Konzern mitnichten in seiner Existenz. Die britischen Zeitungen erwirtschaften weniger als fünf Prozent des Umsatzes im Murdoch-Reich (siehe Grafik auf der nächsten Seite), das er innerhalb von gut 30 Jahren zum weltumspannenden Gebilde ausbaute, das ihn zum Gegenstand von Kritik machte – und zum mehrfachen Milliardär. Doch das gefährliche Schmuddel-Skandal-Gebräu zwingt den Medienriesen zu empfindlichen Einschnitten:

Abhaken muss News Corp. eines der größten Projekte seiner Geschichte: die milliardenschwere Komplettübernahme des britischen Bezahlsenders BSkyB. Der TV-Konzern mit zehn Millionen Abonnenten sollte News Corp. stabilere Einnahmen bescheren als Gegengewicht zu den werbe- und damit konjunkturabhängigen Zeitungen. Den so gut wie beschlossenen Deal blies der Konzern vergangenen Mittwoch ab. Zuvor hatten das englische Parlament und die Regierung News Corp. massiv zum Rückzug gedrängt.In Großbritannien steht unter dem Druck der Ereignisse nach dem Aus des Skandalblattes „News of the World“ wohl auch der Verkauf der verbliebenen Tageszeitungen bevor, mit denen Murdoch mehr als ein Drittel des britischen Zeitungsmarktes beherrscht. Auf der Insel wird bereits der deutsche Verlagsriese Axel Springer als möglicher Käufer gehandelt. Bei Springer weist man das als unbegründete Gerüchte zurück.Schließlich könnten vom jüngsten Skandal zusätzlich befeuerte Klagen von Aktionären in den USA, die den Rückzug von Rupert Murdoch und einer ganzen Managergeneration fordern, News Corp. zu weitreichenden Personalveränderungen zwingen. Vorwurf der Kläger: Murdoch, der als Gesellschafter das Unternehmen über Stammaktien kontrolliert, die zu 40 Prozent beim Murdoch Family Trust liegen, behandle News Corp. wie seinen Privatbesitz und werfe wie 2007 beim Kauf des „Wall Street Journal“ aus persönlichen Motiven Milliarden zum Fenster hinaus. Immer wahrscheinlicher wird zudem, dass die US-Börsenaufsicht SEC News Corp. ins Visier nimmt, falls deren Journalisten tatsächlich auch US-Polizisten bestochen haben. Drei demokratische Senatoren forderten in einem Brief an das US-Justizministerium und an die SEC eine Untersuchung, ob News Corp. gegen US-Antikorruptionsgesetze verstoßen haben könnte. Der republikanische Abgeordnete Peter King, Vorsitzender des Ausschusses für innere Sicherheit im US-Repräsentantenhaus, fordert außerdem, dass das FBI ermittelt, ob News-Corp.-Reporter Telefone von Opfern und Angehörigen des Terroranschlags vom 11. September 2001 abgehört haben.

Tritt Murdoch daher tatsächlich an diesem Dienstag mit seinem Sohn James und Zeitungsmanagerin Rebekah Brooks in London vor einen Parlamentsausschuss, geht es um weit mehr als die gravierende Frage, wer wen bestochen, abgehört und erpresst hat und wer im Konzern wann wie viel davon wusste. Ins Kreuzverhör gerät das gesamte System Murdoch.

Wie Marionetten

Der gebürtige Australier mit amerikanischem Pass stieg 1969 mit dem Kauf des britischen Revolverblattes „News of the World“ in den britischen Zeitungsmarkt ein. Im selben Jahr folgte der Kauf der „Sun“, Anfang der Achtzigerjahre der Erwerb der „Times“ sowie der „Sunday Times“. Durch die Umstellung auf personalsparende neue Produktionstechniken – vom Blei- zum Fotosatz – entschied Murdoch den Kampf mit den Drucker-Gewerkschaften für sich. Bald exerzierte er die Strategie des gnadenlosen Ausnutzens publizistischer Macht für politische und eigene wirtschaftliche Ziele wohl in keinem anderen Land so krass vor wie in England: Murdochs „Sun“ etwa brüstete sich 1992 mit der Schlagzeile „It’s the Sun wot won it“, den überraschenden Wahlsieg für den Tory-Kandidaten John Major herbeigeschrieben zu haben. 1997 soll die „Sun“ den Erdrutschsieg der Labour-Partei ermöglicht haben.

Nicht umsonst suchten deren Premiers Tony Blair und Gordon Brown Murdochs Nähe. Das Gleiche gilt für den aktuellen Tory-Premierminister David Cameron: Er ernannte den früheren Chefredakteur des Skandalblattes „News of the World“, Andy Coulson, 2007 zu seinem Medienberater. Wie Marionetten hingen Politiker an Murdochs Fäden. Das ändert sich: „Die Zeiten jener engen Verfilzung sind vorbei“, sagt der Labour-Politiker Tom Watson.

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