Niek Jan van Damme: "Wir müssen um jeden Kunden kämpfen"

Niek Jan van Damme: "Wir müssen um jeden Kunden kämpfen"

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Das Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG, Niek Jan van Damme, gestikuliert am Montag (01.03.2010) in Hannover während einer Pressekonferenz anlässlich der CeBIT. Die Deutsche Telekom will bis Ende 2012 mit ihrem Bezahlfernsehen den Pay-TV-Sender Sky einholen. Bis dahin wolle die Telekom 2,5 bis drei Millionen Kunden mit ihrem Internetfernsehen erreichen. Foto: Jochen Lübke dpa/lni (zu dpa-euro 0272) (c) dpa - Bildfunk

Der Wettbewerb im Festnetz- und Mobilfunkmarkt ist hart. Niek Jan van Damme, Deutschland-Chef der Deutschen Telekom über Sparprogramme und den schleppenden Einstieg in den TV-Markt.

Herr van Damme, im Vergleich zu turbulenten Auslandsmärkten wie den USA und Osteuropa gilt Deutschland als Hort der Stabilität. Jetzt ziehen auch hier dunkle Wolken auf. Uns liegt eine E-Mail vor, die Sie kürzlich an alle Mitarbeiter verschickt haben. Dort äußern Sie sich sehr kritisch über den Zustand der Geschäfte in Deutschland. Einige Planziele seien verfehlt worden. Was läuft schief?

Van Damme: Das erste Halbjahr haben wir mit einem sehr guten Ergebnis im Deutschland-Geschäft abgeschlossen. Wir konnten die Profitabilität steigern, die operative Gewinnmarge sprang sogar erstmals über die Marke von 40 Prozent. In der Mail habe ich allerdings zur Vorsicht gemahnt und auf ein paar Kennziffern hingewiesen, die von unseren Vorgaben abweichen. Wenn wir jetzt keine Korrekturen vornehmen, könnte die Profitabilität im Verlauf des Geschäftsjahres darunter leiden.

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In der E-Mail hört sich das viel dramatischer an. Ich zitiere: „Statt auf Grün, ‧stehen einige Ampeln auf Gelb und zum Teil sogar auf Rot.“ Anschließend fordern Sie massive Kosteneinsparungen.

Van Damme: Intern benutzen wir gerne diese Ampel-Logik, insbesondere bei neuen Produkten und Projekten. Am Anfang eines Jahres kann ja noch kein Ziel erreicht sein. Also stehen alle Ampeln auf Rot, später springen sie dann auf Gelb und Grün. Bis zum Jahresende haben wir hoffentlich alle Ziele erreicht.

Die Gefahr ist offenbar groß, dass auch am Jahresende einige Ampeln auf Rot stehen. „Wir brauchen jetzt Kampfgeist“, schrieben Sie. Das klingt nicht nach der üblichen Durchhalteparole kurz vor dem Jahresende.

Van Damme: Die kommenden Monate werden kein Selbstläufer. Wir spüren einen sehr starken Wettbewerb und müssen sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk um jeden Kunden kämpfen. Das wollte ich mit dieser E-Mail ausdrücken. Liebe Mannschaft, wir dürfen uns nach dem erfolgreichen ersten Halbjahr nicht zufrieden zurücklehnen. Auch die Kennziffern, die jetzt noch Gelb oder Rot anzeigen, müssen bis Jahresende auf Grün springen.

Der Umsatz liegt mit einem Minus von 400 Millionen Euro im ersten Halbjahr deutlich über den Rückgängen in den ‧Vorjahren. Intern gibt es die Anweisung, dass die Telekom mit jedem Euro Umsatz, der hinter den Vorgaben zurückbleibt, Kosten in gleicher Höhe einsparen müsse. Nur so ließen sich die Gewinnziele noch erreichen. Das hört sich nach einer versteckten Gewinnwarnung an.

Van Damme: Wir werden unsere Gewinnziele erreichen, daran zweifele ich nicht. Natürlich verlieren wir auch werthaltigen Umsatz, den wir durch Sparmaßnahmen kompensieren müssen. Wenn wir das nicht durch zusätzlichen Umsatz in neuen Wachstumsmärkten schaffen, bleibt uns nur das Einsparen von Kosten.

Arbeitet denn die Telekom an einem neuen Sparprogramm mit einem verstärkten Abbau von Arbeitsplätzen?

Van Damme: Beim Sparen sind wir erst im ersten Stockwerk angekommen. Das Save-for-Service-Programm läuft zwar schon sechs Jahre und ist Teil unserer DNA geworden, aber es bleibt noch viel zu tun. Das Programm müssen wir in den kommenden Jahren mit gleichbleibender Intensität fortsetzen. Im Moment stehen kurzfristige Einsparungen auf der Tagesordnung. Dabei ist mir jeder Euro wichtig. Wenn jeder Mitarbeiter zehn Euro pro Woche einspart, macht das bei 75 000 Mitarbeitern rund 39 Millionen Euro im Jahr.

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