Nokia-Boykott: "Nokia ist brutal ehrlich"

Nokia-Boykott: "Nokia ist brutal ehrlich"

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Nokia-Mitarbeiter stehen am Freitag (25.01.2008) während einer Mahnwache vor einem Holzfeuer an der Einfahrt zum Nokia-Werk in Bochum. Nokia hat die Schließung der Handy-Fabrik in Bochum mit Kostenvorteilen am neuen rumänischen Standort Jucu bei Cluj begründet. Foto: Franz-Peter Tschauner dpa/lnw (c) dpa - Bildfunk

Der Nokia-Boykott nimmt immer größere Formen an. Nokia sei brutal ehrlich, das Gebahren der Politiker sei dagegen verlogen, sagt Klaus Kocks, Geschäftsführer der Cato Sozietät für Kommunikationsberatung im Interview mit der WirtschaftsWoche.

WirtschaftsWoche: Der Nokia-Boykott nimmt immer größere Formen an - hat das Unternehmen bei der Kommunikation versagt?

Kocks: Nokia ist brutal ehrlich, nur das kann man ihr vorwerfen. Das Gebahren der Politik ist dagegen verlogen, das muss man ihr vorwerfen, denn der CDU-Arbeiterführer Rüttgers hat keinen Einfluss, tut aber so. Wo die Landesregierung dagegen Einfluss hat, zum Beispiel bei der Landesbank, produziert sie ein Desaster.

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Die Schließung wurde allerdings schon im Dezember beschlossen. Ist es ehrlich, die Mitarbeiter an den Feiertagen arbeiten zu lassen und dann nach dem Weihnachtsgeschäft das Ende zu verkünden? 

Ein Unternehmen ist den Aktionären verpflichtet und muss so handeln, da sie sich an den Erwartungen des Kapitalmarktes orientiert. Das ist nicht schön aber so funktioniert der Kapitalismus, wie ihn schon Karl Marx beschrieben hat. Wenn die Arbeit woanders für ein Zehntel des Preises gemacht wird, wandern die Fabriken weiter. Das ist ja nichts Neues, in Manchester wird heute auch kein Tuch mehr produziert.

Alle Betroffenen wurden von der Entscheidung überrascht, hätte man das Vorhaben nicht vorher andeuten können?

Von dem Moment an wäre das Werk doch tot. Die Alternative hat man ja auch beim BenQ-Abenteuer gesehen. Das war ein süßer Tod auf Raten, doch das Ergebnis ist dasselbe. Wir wünschen uns alle die rosa Notlügen, wie wir sie von der „Alten Siemens“ gehört haben. Wer Nokia kritisiert will eingelullt werden.

Im Vergleich zur Handy-Sparte von Siemens arbeitet Bochum aber profitabel und Nokia erzielt Rekordgewinne.

Gewinne definieren sich aber nicht über den Standort, sondern die Erwartungen des Kapitalmarktes. Entscheidend ist aber auch das Verhalten der Handynutzer, denn die kaufen das beste Gerät, das zudem am günstigsten ist.

Viele wollen jetzt Nokia boykottieren, kann das dem Unternehmen schaden?

Es gibt keinen Imageschaden für die Marke Nokia. Nicht am Kapitalmarkt, weil die Entscheidung konsequent ist. Nicht im Absatz, weil die Produkte Klasse sind. Das ist der Unterschied zu Siemens, bei denen taugten auch die Produkte nichts.

Es gab schon viele Boykotts, waren ihrer Meinung überhaupt welche erfolgreich?

Ein Boykott ist wirksam, wenn eine große homogene Zielgruppe betroffen ist. So hat es dem Modemacher Tommy Hilfiger in den USA sehr geschadet, dass er die schwarze Community gegen sich aufgebracht hat. Das funktioniert auch in bestimmten Ländern, wenn es ein festes Feindbild gibt. So wurden in Frankreich nach dem Irak-Krieg viele amerikanische Produkte boykottiert.

Ebenfalls wirksam waren Proteste gegen Tierexperimente für Kosmetika, aber aus einem anderen Grund. Die Frauen wollen einfach nicht wissen, dass sie sich eine Kuhplazenta auf die Wange schmieren.

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