Nokia-Siemens-Chef im Interview : Beresford-Wylie: Fertigung in Deutschland bleibt erhalten

Nokia-Siemens-Chef im Interview : Beresford-Wylie: Fertigung in Deutschland bleibt erhalten

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Simon Beresford-Wylie, Chef des Joint Ventures Nokia Siemens Networks, verspricht: keine neue Kündigungswelle in den deutschen Werken des Netzwerkherstellers.

Simon Beresford-Wylie, Chef des Joint Ventures Nokia Siemens Networks, verspricht: keine neue Kündigungswelle in den deutschen Werken.

WirtschaftsWoche: Mr. Beresford-Wylie, Nokia zieht sich mit der Werksschließung in Bochum den Zorn von Mitarbeitern und Kunden zu. Gibt es ähnliche Pläne bei Nokia Siemens Networks, dem vor einem Jahr gegründeten Joint Venture? Immerhin beschäftigen Sie 12.000 Menschen in Deutschland, davon 2000 in der Fertigung?

Beresford-Wylie: Ich komme gerade von einer Mitarbeiterversammlung in München, und genau das wurde ich auch gefragt.

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Und – was haben Sie geantwortet?

Die Werksschließung in Bochum ist eine reine Nokia-Entscheidung. Wir, Nokia Siemens Networks, treffen eigene Entscheidungen. Wir haben unsere Restrukturierungspläne schon vor einem Dreiviertel- jahr präsentiert. Es gibt im Moment keinen Grund, daran etwas zu ändern. Aufgrund der Fusion müssen wir 9000 Arbeitsplätze von insgesamt 60.000 weltweit abbauen. Heute, mehr als 19 Monate nach der Ankündigung des Zusammenschlusses der Netzwerksparten von Nokia und Siemens, bewegen wir uns weiterhin innerhalb des Planes, den wir damals angekündigt haben. In Deutschland sind davon rund 2300 Mitarbeiter betroffen. 

Wir haben im Sommer vergangenen Jahres darüber einen Interessenausgleich mit den Arbeitnehmervertretern geschlossen und so sozialverträgliche Lösungen gefunden. Dabei bleibt es. Es liegen keine Pläne in der Schublade, unsere Fertigung in Deutschland oder andere hiesige Niederlassungen zu schließen.

Nokia Siemens Networks, kurz NSN, steht für rund ein Viertel des Nokia-Umsatzes, ist aber die einzige Konzernsparte, die Verluste macht. Das Handy-Werk in Bochum soll geschlossen werden, weil es nicht so profitabel wie andere Fertigungsstandorte arbeitet. Wie lange wird Nokia die Verluste bei NSN noch dulden?

Das ist eine seltsame Frage. Zunächst einmal haben wir zwei Mutterkonzerne. Und beide Elternteile haben sehr genaue Vorstellungen davon, wie wir uns als Gemeinschaftsunternehmen in einem sehr wettbewerbsintensiven Markt behaupten können. In der Telekommunikation kommt es vor allem auf Größe an. Sie bringt Effizienzvorteile, was wiederum zu größeren Gewinnen führt. Und solange NSN alle Planvorgaben einhält, sind unsere beiden Elternteile zufrieden. Dann gibt es für die beiden überhaupt keinen Grund, in irgendeiner Weise in unser operatives Geschäft einzugreifen. Wir wollen bis Ende 2009 eine zweistellige operative Marge erzielen. An diesem Ziel halten wir fest und kommen dabei gut voran.

Der Markt in Europa ist schon weitgehend gesättigt, mehr Wachstum versprechen Asien oder Lateinamerika. Können Sie sich so viele Beschäftigte hier in Zukunft noch leisten?

Die Reduzierung unserer Belegschaft um 2300 in Deutschland ist verkündet. Deutschland wird auch in Zukunft einen großen Anteil an unserem Gesamtgeschäft haben. Natürlich steigt unsere Mitarbeiterzahl in den Wachstumsregionen. Aber es gibt auch einen anderen Trend: Telekom-unternehmen übertragen uns zunehmend die Betreuung ihrer Netze und andere personalintensive Aufgaben. Vier große Netzbetreiber in Deutschland zählen bereits zu unseren Kunden. Wenn weitere Netzbetreiber Teile ihres Geschäfts zu uns auslagern, könnte die Zahl der Mitarbeiter sogar wieder steigen.

Wie passt das dazu, dass NSN seine Ziele bereits nach unten geschraubt hat?

Das stimmt, aber wer konnte die Finanzkrise oder den Börseneinbruch vorhersagen? Wenn wir alle die Zukunft vorhersehen könnten, würden wir vermutlich andere Dinge tun.

Ahnen Sie schon weiteres Ungemach, etwa in Form einer Rezession in den USA?

Im Dezember 2007 haben wir gesagt, dass unser Markt nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich wächst und dass wir schneller als der Markt wachsen wollen. Aber wie sich die Turbulenzen in den USA und weltweit auf das Verhalten unserer Kunden auswirken, lässt sich noch nicht endgültig beantworten. Bisher ist die Nachfrage robust. Die Telekommunikation gehört mittlerweile zur Grundversorgung und ist damit nicht so stark von Konjunkturschwankungen abhängig. Man benötigt immer Wasser, Strom – und mittlerweile auch Telekommunikation.

Eigentlich müssten Sie doch vor einem wahren Goldrausch stehen. Denn das Internet löst die alten Telefonnetze ab, alle Netzbetreiber wollen in den nächsten Jahren sogenannte Next Generation Networks bauen – mit Ihrer Hilfe.

Hier sind in der Tat große Hebel in Bewegung. Wir glauben, dass die Zahl der Menschen mit Kommunikationsanschluss von heute 3,5 Milliarden bis 2015 auf fünf Milliarden steigen wird. Ebenso wird die Zahl der Breitbandanschlüsse und das in den Netzen transportierte Datenvolumen stark steigen. Die Betreiber müssen deshalb internetbasierte Netzwerke aufbauen, die den Verkehr effizient bewältigen.

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