Nokia und Microsoft: Allianz der Verzweifelten

Nokia und Microsoft: Allianz der Verzweifelten

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Nokia enthüllt die neue Strategie

von Oliver Voß

Nokia-Chef Elop hat seine neue Strategie präsentiert: Die Finnen kooperieren mit Microsoft, um den Absturz zu stoppen. Doch an der Börse und bei Analysten kam der Plan nicht gut an - die Aktie der Finnen stürzte ab.

Nokia will sich zusammen mit Microsoft gegen den Abstieg aus der Topliga der Handybauer stemmen. Der neue Unternehmenschef Stephen Elop präsentiert heute in London seinen Plan, um den strauchelnden Handy-Riesen wieder auf Kurs zu bringen. Dazu baut er die Struktur des Unternehmens um und setzt auf eine weitreichende Allianz mit Microsoft. Eine Fusion sei nicht geplant, erklärte Firmenchef Elop.

Das Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 7 soll künftig die Hauptplattform für Nokia-Smartphones sein und an die Stelle des eigenen Symbian-Systems treten. Die neue Strategie soll den fortschreitenden Bedeutungsverlust des weltgrößten Handyherstellers stoppen.

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Nokia verliert gegen Apple und Googles Android

Die Finnen hatten zuletzt gegen die Konkurrenz von Apple, Google und anderen Anbietern Marktanteile bei Smartphones verloren. Zwar ist Nokia weiterhin der weltgrößte Handyhersteller – die Finnen verkauften im Vorjahr 461 Millionen Geräte, mehr als die zweit- und drittplatzierten Samsung und LG zusammen.

Doch diese hohen Verkaufszahlen erzielt Nokia vor allem mit einfachen Handys, vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern sind die Finnen stark. Bei dem margenstarken Geschäft mit Smartphones hat Nokia den Anschluss verpasst. So haben die Finnen zuletzt rapide Marktanteile verloren, Googles Betriebssystem Android ist derzeit im Begriff, die weltweit wichtigste Software für internetfähige Handys zu werden. „Das Spiel hat sich verändert. Aus dem Kampf mobiler Geräte ist ein Krieg zwischen Ökosystemen geworden“, sagte Elop.

Auch Microsoft hat es nicht geschafft, im Mobilfunkmarkt eine relevante Position zu erreichen. Microsofts aktuelles Betriebssystem Windows Phone 7 kam zuletzt nur auf gut drei Prozent Marktanteil - wohlgemerkt, nur im Smartphone-Markt, im gesamten Handy-Geschäft ist der Anteil verschwindend gering.

Nun soll eine Kooperation helfen. Microsofts Betriebssystem neues Betriebssystem wird von Experten als technologisch ausgereift und modern gelobt; von den Verbrauchern ist es bislang allerdings noch nicht auf breiter Front angenommen worden.

Nokia-Aktie stürzt ab

Am Aktienmarkt kamen die Ankündigungen überhaupt nicht gut an: Die Nokia-Papiere stürzten um gut zehn Prozent ab. „Diese Partnerschaft gründet auf der Angst beider Seiten, von Apple und Google an den Rand gedrückt zu werden. Aber sie ist keine Patentlösung für die Probleme“, urteilte Analyst Geoff Blaber von CCS Insight. „Das ist eine Offenbarung, dass Nokia mit seiner Plattform-Strategie auf ganzer Linie gescheitert ist und es betont den Ernst der Lage für das Unternehmen. Solch ein Schritt wäre noch vor 12 Monaten undenkbar gewesen“, sagte Blaber.

Die Führungsspitze von Nokia will Elop mit nur einer Ausnahme unverändert lassen. Lediglich ein Topmanager muss seinen Hut nehmen. Doch der Strategiewechsel bei Nokia wird einen deutlichen Stellenabbau nach sich ziehen. „Es wird erhebliche Kürzungen geben“, kündigte Konzernchef Elop an. Genauere Zahlen werde es erst später geben. Nokia hatte Ende 2010 knapp 132 500 Mitarbeiter. Nokia habe zu hohe Kosten, bekräftigte Elop den Bedarf an Sparmaßnahmen.

„Es ist die größte strukturelle Reform, die die Technologiebranche in Finnland je erlebt hat“, sagte Wirtschaftminister Mauri Pekkanen der Zeitung „Kauppalehti“ am Freitag. Das Management habe mit der finnischen Regierung bereits erste Gespräche über die geplanten Stellenstreichungen geführt.

Für Nokia ist der Einsatz eines anderen Betriebssystems ein tiefer Einschnitt, besitzt der Konzern doch mit Symbian und MeeGo zwei Systeme, die eigentlich alle Bereiche abdecken sollten. Ganz fallen lassen will Nokia sie denn auch nicht. So sollen weiter Geräte mit dem Symbian-Betriebssystem produziert werden, Nokia rechnet damit noch 150 Millionen Handys zu verkaufen. Und auch mindestens ein Gerät mit MeeGo soll in diesem Jahr noch erscheinen, wie Nokia ankündigte.

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