
STOCKHOLM. Nur gut ein Jahr Jahr nach dem Aus der ehemaligen Siemens-Handy -Sparte BenQ, bei dem etwa 3 000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren und dem Rückzug von Motorola, kündigte nun auch der weltgrößte Handy-Hersteller, die finnische Nokia, die Schließung des Werks in Bochum an. Etwa 2 000 der insgesamt 2 300 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Nokia begründete den Schritt mit fehlender Wettbewerbsfähigkeit. "Die geplante Schließung des Werkes Bochum ist notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit von Nokia langfristig zu sichern", erklärte Veli Sundbäck, Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Nokia GmbH.
Politik und Gewerkschaften zeigten sich von der Entscheidung des finnischen Konzerns geschockt. Die IG Metall kündigte an, gegen die Schließungspläne vorzugehen. Das Land Nordrhein-Westfalen will zudem die eventuelle Rückforderung von Subventionen prüfen. Nokia hat in den vergangenen neun Jahren insgesamt rund 88 Mill. Euro an Fördermitteln von Bund und Land erhalten.
Die Schließung des Bochumer Werkes soll bis Mitte dieses Jahres erfolgen. Ein Teil der Handy-Montage wird nach Rumänien ausgelagert, wo Nokia ein neues Werk errichtet hat. Außerdem würden Kapazitäten nach Ungarn und ins Stammwerk in Finnland verlagert, sagte eine Nokia -Sprecherin. Für etwa 2 000 Beschäftigte bedeutet das den Verlust des Arbeitsplatzes. Nur etwa 280 Mitarbeiter könnten möglicherweise in den zwei zum Verkauf stehenden Sparten für Freisprechanlagen und Software-Entwicklung weiterbeschäftigt werden, sagte die Sprecherin.
Die Produktionskosten seien in Deutschland zu hoch, sagte Nokia -Vorstandsmitglied Veli Sundbäck, der auch Aufsichtsratschef von Nokia Deutschland ist, am Dienstag in Düsseldorf. Die Arbeitskosten seien fast zehnmal höher als in Rumänien. Zudem sei es wegen der hohen Fertigungskosten nicht gelungen, Zulieferer in der Nähe des Standorts anzusiedeln.
Der finnische Konzern will wegen der bevorstehenden Werksschließung zügig Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern aufnehmen. "Wir sind uns bewusst, wie schwerwiegend die Ankündigung für alle Betroffenen ist", sagte Nokia -Vorstandsmitglied Veli Sundbäck am Dienstag in Düsseldorf. "Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder versucht, die Wettbewerbsfähigkeit in Bochum zu verbessern." Der Standort sei im internationalen Vergleich aber nicht wettbewerbsfähig. "Wir sind der letzte Hersteller, der Deutschland als Produktionsstandort verlässt."
Für Experten kam der Stilllegungsbeschluss nicht überraschend."Ich war erstaunt, dass Nokia so lang an Bochum als Standort festgehalten hat", sagte Greger Johansson, Analyst beim Stockholmer Marktforschungsunternehmen Redeye dem Handelsblatt. Der Experte glaubt nicht, dass die höheren Lohnkosten in Deutschland der alleinige Grund für die Schließung des Bochumer Werks sind. "Alle Handy-Hersteller sammeln heute ihre Zulieferer um sich herum", sagte er und betonte, dass durch diese Cluster-Bildung die Logistik und Entwicklung deutlich vereinfacht und rentabler werde. "Aber der Lohnkosten spielen natürlich auch eine große Rolle", so Johansson. Nokia sei zu dem Beschluss gezwungen worden, meinte Jari Honko, Analyst bei der finnischen eQ Bank in Helsinki. "Deutschland ist nicht sehr kosteneffektiv."
Der Nokia -Beschluss wurde an der Börse mit einem Kursanstieg von mehr als einem Prozent belohnt. Über die Stilllegungskosten machte Nokia noch keine Angaben. Der Handy-Weltmarktführer mit einem globalen Marktanteil von rund 38 Prozent unterhält weltweit neun Produktionsstätten. Neben Finnland, Rumänien, Ungarn und Großbritannien produziert der Konzern noch in Südkorea, China, Indien, Mexiko und Brasilien.
Nokia ist es in den vergangenenm Jahren im Gegensatz zur den Konkurrenten wie Motorola und Samsung geglückt, immer billigere Handys für Kunden in den Schwellenländern zu produzieren und trotz gesunkenem durchschnittlichen Verkaufspreis weiterhin Geld mit den Geräten zu verdienen. Nach Meinung von Experten kann der Branchenprimus durch die enorm hohen Stückzahlen weiterhin rentabel produzieren. Das bedinge aber auch eine extrem angepasste Produktion, Montage und Entwicklung.













