Nordavia: Die Retter aus dem Albtraum

Nordavia: Die Retter aus dem Albtraum

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Eine Demonstration in Lybien. Sobald es irgendwo Unruhen oder Katastrophen gibt werden Deutsche ausgeflogen.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Japan, Libyen, Ägypten: wenn irgendwo auf der Welt eine Krise eskaliert, holen Spezialfirmen wie Nordavia für deutsche Konzerne die Mitarbeiter und deren Familien da raus.

Es begann Freitagnachmittag mit einem etwas atemlosen Telefonanruf. „Wir müssen 170 unserer Leute so schnell es geht aus Libyen rausholen“, sagte der Mitarbeiter eines großen deutschen Bauunternehmens. „Können Sie uns da helfen.“ Helmut Heidemann und sein Team konnten. Nach 24 recht unruhigen Stunden hatten sie ein Flugzeug vor Ort und warteten auf die Mitarbeiter des Baukonzerns. 24 Stunden – mehr brauchen der 67-jährige Inhaber der Hamburger Firma Nordavia und seine fünf Spezialisten in der Regel nicht, um an jeden entlegenen Ort der Welt ein Flugzeug zu schicken und dann eine Gruppe von Leuten nach Hause oder zumindest in ein sicheres Land zu bringen.

Und im Augenblick hat Nordavia Hochbetrieb. Zuerst die Unruhen in Nordafrika, dann das Erdbeben in Neuseeland und jetzt die heraufziehende Atomkatastrophe in Japan. „Wir haben mehr als genug zu tun“, sagt Heidemann. Und nicht nur er. Auch andere Firmen wie Chapman Freeborn oder Air Partner, die sich ebenfalls auf die Vermittlung von Flugzeugen in eiligen Notfällen von Evakuierungen über Flüge mit Organen für Transplantationen oder Gefahrgut- oder Ersatzteiltransporte spezialisiert haben, arbeiten derzeit fast rund um die Uhr. „Wir haben seit dem Beginn der Unruhen in Nordafrika gut 12 000 Leute aus Krisenregionen ausgeflogen“, sagt Air-Partner-Chef Mark Briffa.

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Gut vorbereitet

Anfang dieser Woche hat das Unternehmen mit einem Jumbojet rund 470 Leute aus der japanischen Industriestadt Nagoya nach Deutschland geflogen. Einen solchen Einsatz hat Nordavia derzeit auch vorbereitet. Zwei große deutsche Unternehmen wollen jeweils gut 200 Mitarbeiter ausfliegen. Nur wann genau, wissen sie noch nicht. „Sie wollen nicht voreilig die Zelte abbrechen, weil dann ja alles brach liegt“, sagt Heidemann. Also hat Nordavia zwei Flugzeuge reserviert und sich gleich auf zwei Flughäfen die nötigen Landerechte gesichert. Dabei macht das Unternehmen einen Bogen um Tokio. „Die beiden Airports da sind schon zu Normalzeiten überlaufen.“, sagt Heidemann. „Wenn sich dann die Lage zuspitzt, ist da praktisch nichts mehr zu machen.“ Es gibt dann wahrscheinlich keine freien Startzeiten mehr – wenn der Flughafen beim Herannahen einer radioaktiven Wolke nicht sogar komplett geschlossen wird. Da die Gruppen zu groß sind für eine Abfertigung im Privatfliegerterminal, müssen sie ins Hauptgebäude.

Stattdessen werden die beiden Maschinen entweder Osaka im Südwesten der Insel oder den Mount Fuji Airport bei Shizuoka südöstlich von Nagoya anfliegen. Besonders letzterer hat zwar genug freie Startzeiten, aber nur eine relativ kurze Bahn. Deshalb kann etwa die etwas größere Boeing 767 nicht volltanken und muss auf dem Weg nach Deutschland in China und innerhalb der früheren Sowjetunion noch mal nachtanken. „Aber das nimmt glaube ich jeder Passagier gerne in Kauf“, sagt Heidemann. Der Bedarf nach solchen Flügen ist in Deutschland derzeit besonders groß. „Mit der Globalisierung ist in fast jedem Land der Welt ein deutscher Anlagenbauer oder Baukonzerne aktiv und fast überall haben Industriekonzerne Fabriken oder zumindest eigene Vertriebsbüros“, sagt Markus Hilchenbach, Deutschlandchef von Chapman Freeborn. Damit wächst das Risiko, in politische Unruhen oder eine Naturkatastrophe zu geraten und seine Mitarbeiter schnell rausholen zu müssen.

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