Notenbank-Konten: Konzerne flüchten in die Arme der EZB

Notenbank-Konten: Konzerne flüchten in die Arme der EZB

Bild vergrößern

Mercedes-Benz Bank

von Mark Fehr

Wer eine eigene Banklizenz besitzt, kann sein Geld auf dem Konto einer Notenbank parken. Ein geschickter Dreh, denn die Währungshüter können nie pleite gehen.

Der Frust und das Misstrauen in den Unternehmen gegenüber den Banken wächst. „Da können Sie in der Realwirtschaft schuften und machen, was Sie wollen, gegen diese Spekulation kommen Sie nicht an“, schimpfte kürzlich Franz Fehrenbach, Chef des Autozulieferers Bosch. Und auch der Spezialist für Edelmetalle, der Familienunternehmer Jürgen Heraeus aus Hanau bei Frankfurt, kritisierte in einem Interview die „nicht realen“ Transaktionsgeschäfte des Geldgewerbes, die überflüssig seien und das Vertrauen in die Banken erschüttert hätten.

Zweifel an der Bonität

Die wichtigsten Konzernbanken

Die wichtigsten Konzernbanken

Kein Wunder, dass Siemens laut Medienberichten eine halbe Milliarde Euro von einer französischen Bank – angeblich Société Générale – abgezogen und bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eingezahlt hat. Die Ratingagentur Moody’s hatte kürzlich die Bonitätsnote des Pariser Instituts herabgestuft. Der spektakuläre Schritt der Münchner könnte Anlass für andere Konzerne sein, ihre Finanztöchter ähnlich einzusetzen. Siemens besorgte sich im Dezember 2010 bei der BaFin eine eigene Banklizenz. Bei den Autobauern Volkswagen, Daimler oder BMW fördern die hauseigenen Banken bisher vor allem den Absatz von Fahrzeugen und bieten einfache Bankdienstleistungen an.

Anzeige

In der wieder aufflammenden Finanz- sowie der Euro-Krise werden die eigenen Banken für die Konzerne interessant, weil sie wie klassische Kreditinstitute ein Konto bei der Notenbank besitzen. Damit können sie sich vom Euro-System mit Geld beliefern lassen oder liquide Mittel bei der EZB parken. Das Notenbankkonto bietet höchste Sicherheit, denn die Währungshüter gehen nie pleite. Guthaben können sie notfalls mit frisch gedrucktem Geld auszahlen.

Bosch will keine eigene Bank

Noch will sich niemand als Nachahmer von Siemens outen. „Wir arbeiten nach wie vor normal mit unseren Bankpartnern zusammen“, erklärt die Volkswagen Bank. Auch die Finanztöchter von Daimler und BMW sind nach eigenen Angaben noch nicht in die Arme der EZB geflüchtet. Solche Beteuerungen sind allerdings Gesetz im Geldgewerbe, Verschwiegenheit ist erste Bankerpflicht. Notfalls lässt sich Geld über die eigene Bank sekundenschnell transferieren. Angesichts wachsender Zweifel an der Zahlungsfähigkeit von Kreditinstituten halten sich die Akteure alle Optionen offen. Der sichere Hafen der Zentralbank lässt sich jederzeit diskret anlaufen.

Keine eigene Bank plant dagegen der Stuttgarter Autozulieferer und Elektrokonzern Bosch, schaut aber auf dem Finanzmarkt ganz genau hin. „Die Bonität unserer Banken wird selbstverständlich kontinuierlich beobachtet“, erklärt das Unternehmen. Die Schwaben haben ihr Geld nach eigenen Angaben breit gestreut. Finanzmittel steckt Bosch nach eigenen Angaben langfristig in Anleihen guter Bonität sowie Aktien und nutzt zuverlässige Banken oder Geldmarktfonds als kurzfristigen Parkplatz.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%