Nürburgring: Finaler Countdown am Ring

Nürburgring: Finaler Countdown am Ring

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24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring

Eine Razzia am Nürburgring läutet im Millionenskandal um die weltberühmte Rennstrecke die Zeit der Entscheidungen ein. Führende Manager stehen unter Untreueverdacht.

Das letzte Juni-Wochenende am Nürburgring war ein einziges Spektakel. Mehr als 200.000 Besucher pilgerten zum 24-Stunden-Rennen, schlugen rund um die 84 Jahre alte Eifel-Piste ihre Zelte auf, verfolgten an der 20,832 Kilometer langen Nordschleife den Renn-Marathon mit 200 Sportwagen. Ausgestattet mit Bier und Grillgut genossen sie die ganze Nacht hindurch die einzigartige Rennsportatmosphäre mit dröhnenden Motoren und glühenden Bremsscheiben.

Ganz anders gestimmt waren die Herren, die zwei Tage später im Schatten der Nürburg aufkreuzten. Ein halbes Dutzend Polizeibeamte und Staatsanwälte aus Koblenz klingelte am Dienstagmorgen um halb zehn vormittags am Eingang zum Verwaltungsgebäude. Bei einer Razzia beschlagnahmten die Ermittler kistenweise Akten und Festplatten in den Büros von drei Firmen. Der Verdacht der Staatsanwälte: Führende Manager des Nürburgrings sowie ehemalige rheinland-pfälzische Politiker sollen über Jahre hinweg Millionen Euro an Steuergeldern veruntreut haben. Die Vorwürfe reichen von sorglosem Umgang mit Staatsgeld bis zum Wirtschaften in die eigene Tasche.

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Es kommt zum finalen Countdown

Rund 330 Millionen Euro kostete das Land Rheinland-Pfalz der Ausbau der Motorsport-Perle zum ganzjährig nutzbaren Freizeitpark, bei dem freilich weder Attraktionen wie die Achterbahn Ring Racer noch die Kalkulationen der Betreiber funktionieren. Ein heftig diskutierter Skandal ist die Steuergeld-Verbrennung schon lange, aber ebenso lange kam die juristische Aufarbeitung nicht in die Gänge. Doch nun kommt es auch hier zum finalen Countdown. Koblenzer Staatsanwälte forcieren ihre Ermittlungen, bereiten Anklagen vor. EU-Kommission und Landgericht Mainz befassen sich mit der zivilrechtlichen Frage, ob die Verträge zwischen der landeseigenen Nürburgring GmbH als Eigentümerin der Strecke und dem privaten Betreiber Nürburgring Automotive GmbH rechtmäßig sind. Die Zeit der Entscheidungen bricht an.

Das muss vor allen Dingen Kai Richter Sorgen bereiten. Jenem Multimanager und Unternehmer, der am Nürburgring mit zahlreichen Firmen präsent ist und der unter anderem den Betrieb der Rennstrecke sowie das bargeldlose Zahlungssystem auf dem Gelände mitverantwortet. Parallel zur Razzia am Ring musste er auch in seiner Firma Mediinvest in Düsseldorf den Fahndern Eintritt gewähren.

Richter war Geschäftsführer der Firma CST, die das bargeldlose Bezahlsystems für die Rennstrecke aufbaute. Das Unternehmen gehörte jeweils zur Hälfte dem Düsseldorfer sowie der landeseigenen Nürburgring GmbH, die als Eigentümerin der Rennstrecke und des Geländes fungiert. Mindestens 200.000 Euro CST-Vermögen soll Richter laut den Koblenzer Ermittlern verschwendet haben - mit Aufträgen, die völlig überflüssig waren oder von seiner Firma Mediinvest hätten bezahlt werden müssen. Noch dazu beauftragte er Firmen, an denen er selbst beteiligt war.

Ebenfalls im Visier der Staatsanwaltschaft sind Walter Kafitz, Ex-Geschäftsführer der landeseigenen Nürburgring GmbH, der frühere rheinland-pfälzische Finanzminister und Ring-Aufsichtsratschef Ingolf Deubel (SPD) sowie weitere Nürburgring-Manager. Obwohl vereinbart war, die Kosten für das Ticketsystem zu teilen, soll die Nürburgring GmbH allein dafür aufgekommen sein. Der klamme Richter habe „über keine eigenen Mittel zur Finanzierung der CST“ mehr verfügt, so die Staatsanwälte. Also musste die Nürburgring GmbH immer mehr Geld nachschießen. Dadurch sei der landeseigenen Firma laut Staatsanwaltschaft ein Schaden von 4,125 Millionen Euro entstanden.

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