Nutzfahrzeuge: MAN überlegt teilweisen Rückzug aus Bus-Geschäft

Nutzfahrzeuge: MAN überlegt teilweisen Rückzug aus Bus-Geschäft

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Ferdinand Piech, Aufsichtsratsvorsitzender bei MAN und VW

Der MAN-Chefaufseher Ferdinand Piëch muss entscheiden, ob der Konzern das Stadtbus-Geschäft teilweise aufgeben soll.

Wenn sich an diesem Mittwoch der MAN-Aufsichtsrat trifft, steht für dessen Vorsitzenden Ferdinand Piëch eine Grundsatzentscheidung an: Wie soll es mit dem Nutzfahrzeug-Hersteller weitergehen? Die Affäre um offenbar illegale Vertriebsmethoden und ein massiver Einbruch im Bus- und Lkw-Absatz belasten den Münchner Konzern schwer. Bei dem Treffen dürfte vor allem das Bus-Geschäft im Fokus stehen, gilt der Verkauf von Stadtbussen an öffentliche Auftraggeber doch konzernintern als äußerst korruptionsanfällig, gleichzeitig aber auch als margenschwach. Die MAN-Spitze denkt deshalb nach, das Bus-Geschäft stark zurückzufahren und in korruptionsbelasteten Ländern zu stoppen. „Die kleinen Gewinne dort sind das Risiko nicht wert, neue Korruptionsfälle zu haben“, sagt ein MAN-Manager.

Die Affäre trifft MAN in einer harten Zeit. Das Unternehmen leidet unter dem größten Absatzeinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Absatz habe sich in den letzten Monaten halbiert, so der Manager, die Auslastung der Fabriken liege bei 40 Prozent, der Auftragseingang sei „entsprechend gering“. Und der MAN-Vertrieb ist verunsichert: Er soll mehr verkaufen, steht gleichzeitig jedoch im Zentrum der Ermittlungen durch die Münchner Staatsanwaltschaft. Sie untersucht, ob der Konzern jahrelang illegale Provisionen in Deutschland gezahlt und dubiose Beraterverträge im Ausland geschlossen hat, um den Lkw- und Bus-Verkauf anzutreiben.

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Unruhe löst bei MAN zudem die Frage aus, ob der Aufsichtsrat das Top-Management umbaut. Dass der beurlaubte Nutzfahrzeug-Vertriebschef Peter Erichreineke, gegen den die Staatsanwälte ermitteln, zurückkommt, gilt einem Insider zufolge als höchst unwahrscheinlich. „Ohne sichtbaren Neuanfang ist es für die Vertreter unglaublich schwer zu verkaufen“, sagt der Manager, „ein Einkäufer, der sich für MAN-Fahrzeuge entscheidet und sagt, MAN habe das günstigste Angebot abgeliefert, macht sich sofort verdächtig.“ Dagegen gilt MAN-Chef Hakan Samuelsson derzeit als ungefährdet. Ob das so bleibt, hängt auch von den Ergebnissen der US-Anwaltskanzlei Wilmer Hale ab, die im Auftrag des MAN-Aufsichtsrats die Schmiergeldaffäre untersucht.

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