Nyse Euronext: Deutsche Börse vs. Nasdaq

Nyse Euronext: Deutsche Börse vs. Nasdaq

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New York Stock Exchange

von Angela Hennersdorf und Cornelius Welp

Nasdaq und Deutsche Börse kämpfen um Nyse Euronext. Frankfurt prüft eine Nachbesserung des eigenen Angebots.

Robert Greifeld griff persönlich zum Hörer: Am letzten Freitagmorgen im März, früh um 7 Uhr, rief er bei seinem Rivalen Duncan Niederauer an und verkündete, dass er dessen Börse übernehmen werde. Greifeld ist Chef der Nasdaq OMX. Niederauer führt das von der New York Stock Exchange (Nyse) dominierte Börsenbündnis Nyse Euronext. Beide, das ist an der Wall Street ein offenes Geheimnis, mögen sich nicht.

Seit dem 15. Februar, als Deutsche Börse und Nyse Euronext ihre Fusion ankündigten, hatten viele an der Wall Street auf diesen Gegenschlag gehofft. Kampflos sollte die nationale Ikone Nyse bitte nicht in die Hände von Ausländern fallen.

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Um die Deutschen auszustechen, bietet der Nasdaq-Chef für Nyse Euronext nun rechnerisch 19 Prozent mehr als Frankfurts Börsenchef Reto Francioni. Greifeld hat die Terminbörse Intercontinental Exchange (ICE) aus Atlanta als finanzstarken Partner ins Boot geholt. Sie bekäme bei einer Übernahme von Nyse Euronext deren europäische Terminbörse Liffe. Terminbörsen wachsen stärker und sind weniger von neuen Wettbewerbern bedroht als klassische Börsen. Nasdaq und ICE zusammen wollen den Nyse-Aktionären 11,3 Milliarden Dollar bieten – ein Drittel davon in bar plus rund 0,4 Nasdaq-Aktien und 0,14 ICE-Anteilsscheine. Mehr Marktmacht in den USA und höhere Synergien würde das Zusammengehen der beiden amerikanischen Börsen bringen, wirbt Greifeld für seinen Vorstoß. Über 500 Millionen Euro könnten jährlich eingespart werden. Deutsche Börse und Nyse rechnen mit Synergien von 300 Millionen Euro. Was Greifeld noch nicht sagt: Wenn die Nyse dem Werben der Nasdaq nachgeben würde, müsste sie 340 Millionen Dollar Strafe nach Frankfurt überweisen. Das verteuert den Deal.

Noch hat Francioni das Duell um die Nyse nicht verloren. Fraglich ist vor allem, wie Greifeld den Deal stemmen will. Schon jetzt ist die Nasdaq überschuldet. Für die Offerte müsste sie Darlehen in Höhe von 2,1 Milliarden Dollar aufnehmen. Ihr Schuldenberg würde auf rund 6,5 Milliarden Dollar steigen. Ratingagenturen prüfen bereits, die Bonität des Börsenplatzes auf Ramschstatus zu senken. An der Wall Street wird vermutet, Nasdaq und ICE hätten die Finanzierung des Milliardendeals noch nicht unter Dach und Fach.

Bedenken der Wettbewerbshüter gibt es ebenfalls. Mit der inneramerikanischen Lösung würde bei der Notierung von Aktien ein Monopol geschaffen: Aktien können zwar auch in den USA auf elektronischen Plattformen gehandelt werden. Zuvor aber brauchen sie eine Börsennotierung – und die gibt es nur an der Nyse oder der Nasdaq. Unternehmen hätten künftig keine Wahl mehr, wo sie sich in den USA listen lassen könnten.

Auch US-Politiker melden sich kritisch zu Wort. Der einflussreiche demokratische Senator Charles Shumer, dem auch der Deal mit den Deutschen nicht passt, befürchtet, dass mit der Fusion der beiden US-Börsenplätze mehr Arbeitsplätze in New York abgebaut würden als bei der transatlantischen Fusion mit den Deutschen. Wenn Greifeld die anvisierten Synergien schaffen will, dürften etwa 1500 Arbeitsplätze in den USA gefährdet sein, heißt es in Frankfurt.

Nach Informationen der WirtschaftsWoche aus hochrangigen Finanzkreisen prüft die Deutsche Börse derzeit, ob sie ihr Angebot um eine Barkomponente ergänzen könnte. „Nur mit eigenen Aktien wird sie den Zuschlag nicht bekommen“, sagt ein mit der Transaktion vertrauter Banker. Ob es zu einer Bar-Offerte kommt, sei noch nicht entschieden, derzeit werde die Finanzierung geprüft. Die Deutsche Börse wollte dies nicht kommentieren. „Ein Zusammenschluss mit den Deutschen wäre strategisch sinnvoller, aber Nasdaq und ICE können kurzfristig mehr Synergien bieten“, sagt ein weiterer mit dem Vorgang befasster Banker. Zudem sei der Widerstand von Politik und einigen Wall-Street-Banken gegen die deutsche Lösung groß.

Das letzte Wort dürften die Investoren haben. Auf beiden Seiten dominieren US-Fonds, so etwa T. Rowe Price, die gut sieben Prozent an Nyse Euronext halten, und der Gigant BlackRock, der mit knapp fünf Prozent bei der Deutschen Börse dabei ist.

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