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Öffentliche Aufträge: Siemens will Staatsdiener Nummer Eins werden

von Michael Kroker

Mit staatlichen Aufträgen rund um den Globus will Siemens wachsen: Windparks in der Nordsee, Straßenbahnen in den USA, Fotovoltaik in Italien. Das Endkundengschäft gibt der Konzern auf. Eine gefährliche Strategie.

Der Vorstandsvorsitzende der Quelle: dapd
Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Peter Löscher Quelle: dapd

In Sonntagsreden gibt Siemens-Boss Peter Löscher gerne den lupenreinen Unternehmer. "Wir wollen uns kontinuierlich gegenüber dem Markt und Wettbewerb verbessern", verspricht der 53-jährige Österreicher auf der letzten Siemens-Hauptversammlung Ende Januar. Viel lieber sieht sich Löscher aber in der Rolle des politiknahen Vermittlers, so wie zuletzt Ende Juni im Bundeskanzleramt. Kanzlerin Angela Merkel steht gemeinsam mit Chinas Premier Wen Jiabao direkt hinter Löscher, als der ein neues Abkommen mit einem Vertreter der nationalen Entwicklungskommission aus dem Reich der Mitte unterzeichnet. "Wir wollen unsere gemeinsamen Beziehungen erneut vertiefen", so sein feierlicher Kommentar, als er die mit goldenem Bundesadler auf schwarzem Grund bedruckte Vertragsmappe übergibt.

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Politiknaher Vermittler

Löscher, der Staats-Mann, der mit Politikern von Weltrang verhandelt. Er braucht derartige Verträge, schließlich soll der Umsatz von Siemens in den kommenden Jahren die Schwelle von 100 Milliarden Euro überschreiten. Wann genau das geschafft sein soll, dazu schweigt er noch. Womit es gelingen soll, hat er aber bereits deutlich gemacht: "Wir wollen an den schnell wachsenden Märkten von Städten und Infrastrukturen partizipieren", sagt der Siemens-Chef. Auf gut Deutsch: Staats-Mann Löscher richtet den Industriegiganten wieder stärker auf den öffentlichen Bereich aus, auf regionale und kommunale Auftraggeber.

Mit dem geplanten Börsengang der Lichttochter Osram Ende des Jahres verlässt zudem eine der letzten Sparten mit einem nennenswerten Anteil Endkundengeschäft den Konzern. Vor allem öffentliche Großprojekte aller Art – seien es Offshore-Windenergieparks in der Nordsee, Straßenbahnlieferungen an amerikanische Großstädte oder Fotovoltaikanlagen in der italienischen Provinz – sollen den Münchnern künftig Wachstum bescheren. Siemens, so scheint es, scheut zunehmend den rauen Wind des freien Wettbewerbs – und flieht stattdessen in den gemütlicheren Schoß der öffentlichen Hand. Nach einer Analyse der Siemens-Bilanz durch die WirtschaftsWoche setzt Siemens bereits heute fast jeden dritte Euro mit staatlich beeinflussten Aufträgen um – Tendenz steigend.

Risikoreicher Kurs

Doch auch damit fährt Löscher einen risikoreichen Kurs: "Wegen der Schuldenkrise in den Industrieländern könnten Staaten und Gemeinden ihre Infrastrukturaufträge künftig deutlich restriktiver vergeben", sagt James Stettler, Analyst bei UniCredit in London. In Schwellenländern droht eine weitere Gefahr: "In der Energie- oder Bahntechnik gehen Staaten wie China oder Südkorea zunehmend dazu über, lokale Wettbewerber durch Subventionen zu Rivalen auf dem Weltmarkt aufzubauen", warnt Stettler.

Der Fokus von Siemens aufs staatsnahe Geschäft ist nicht neu: Noch bis in die Neunzigerjahre hinein war das Unternehmen zum Beispiel Haus- und Hoflieferant der damaligen Bundespost, der die gelbe Megabehörde mit der ganzen Technikpalette ausstattete, von Telefonnetzen über Schaltstationen bis hin zu den grauen Einheitstelefonen. Zudem belieferten die Münchner Versorger wie Veba oder Viag, damals noch mehrheitlich in öffentlichem Besitz. Weil das Alltagsgeschäft operativ oft wenig Gewinn abwarf, die Barbestände insbesondere in den Pensionskassen aber üppig waren, musste sich Siemens jahrelang als "Bank mit angeschlossenem Elektroladen" verspotten lassen. Damals lag der Staatsanteil bei Siemens noch wesentlich höher als heute – nach Analystenschätzungen sogar deutlich jenseits der 50-Prozent-Marke.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.08.2011, 01:31 UhrAnonymer Benutzer: Max Weber

    Siemens gehört zu der Kategorie von Konzernen, die schon heute Milliarden öffentliche Fördergelder und andere verdeckete Subventionen kassieren. Allein im Forschungsbereich werden massenhaft Steuergelder versenkt. Marktwirtschaft sieht definitiv anders aus. insofern ist die Strategie von Löscher nur die logische Konsequenz. Unternehmen sollten nicht mehr als 50.000 Mitarbeiter beschäftigen. Alles, was darüber liegt, führt zu erheblichem Erpressungspotenzial gegenüber der öffentlichen Hand....

  • 20.08.2011, 01:04 UhrAnonymer Benutzer: crossover

    Es ist ja bekannt, daß öffentliche Aufträge nicht gerade erstrebenswert sind. Niedrige Preise; schlechte bedingungen und eine Zahlungsmoral von Kommunalen- und bundes-behörden, die zum Himmel schreit.
    Viele mittelständische Unternehmen mussten und müssen dadurch ihr Geschäft einstellen.
    Und dies soll für Siemens erstrebenswert sein?

  • 19.08.2011, 15:41 UhrAnonymer Benutzer: Joker1

    bequemer Österreicher, hat doch sein "Schäfchen im trockenen,
    wieso soll Er sich noch den "A.rsch" aufreissen ?
    Wenns eng wird, entläßt man halt wieder Mitarbeiter und schließt
    bereiche, die angeblich nichts mehr bringen.
    Löscher wird bald Nachfolger von Jo Ackermann bei Frau Merkel.
    Passt doch alles zusammen, oder ?

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