Öffnungszeiten im Einzelhandel: Shopping bis zur Geisterstunde bei Rewe

Öffnungszeiten im Einzelhandel: Shopping bis zur Geisterstunde bei Rewe

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Shoppen bis Mitternacht - was den Kunden gefallen könnte, ruf die Gewerkschaft auf den Plan

Rewe geht in die Verlängerung. Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler erwägt, die Öffnungszeiten auszudehnen – vereinzelt sogar bis Mitternacht. Doch Mondscheinbummel für Kunden heißt Nachtschicht für Verkäufer und Verkäuferinnen. Die Gewerkschaft Verdi ist alarmiert.

Seinen Webeslogan „Jeden Tag ein bisschen besser“ muss Rewe-Chef Alain Caparros demnächst wohl überdenken. Stattdessen könnte an etlichen der 3000 deutschen Rewe-Märkte bald die Botschaft prangen: „Jeden Tag ein bisschen länger.“ Im Interview mit der WirtschaftsWoche hatte Caparros Umsatzzuwächse unter anderem mit längeren Ladenöffnungszeiten begründet und angefügt: „Momentan überlegen wir, ob wir noch einen Schritt weitergehen und unsere Läden in Einzelfällen noch länger – vielleicht sogar bis Mitternacht – öffnen.“

Bei der Gewerkschaft Verdi stößt der nächtliche Einkaufsoffensive auf wenig Begeisterung. „Es gibt schlicht keinen Bedarf für längere Öffnungszeiten“, sagt Ulrich Dalibor, Fachgruppenleiter Einzelhandel bei Verdi. Wenn überhaupt, würden Kunden solche Angebote „nur vereinzelt“ wahrnehmen. „Das lohnt sich nicht für das Unternehmen – und erst recht nicht für die Mitarbeiter“, erklärt Dalibor.

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Erfahrungen mit Öffnungszeiten bis Mitternacht hat bereits die Supermarktkette Kaiser’s-Tengelmann gesammelt. 22 Kaiser’s Supermärkte in Berlin haben nach Angaben einer Sprecherin bis Mitternacht geöffnet. Und die Edeka-Gruppe, Deutschlands größter Lebensmittelhändler, testet derzeit in sechs Läden sogar den Rund-um-die-Uhr-Verkauf.

Die Geschäfte würden allerdings an besonders geeigneten Standorten liegen, sagt ein Sprecher der Edeka-Region Minden-Hannover. So würde einer der Märkte seine Waren in der Schichtarbeiter-Stadt Wolfsburg unweit des VW-Werks verkaufen. Ein anderer Laden liegt in der Nähe des Hafengeländes in Bremerhaven. „Das sind keine Vorbilder für die Fläche“, heißt es bei Edeka.

Zum Standardrepertoire der großen Ketten gehören seit der Lockerung der Ladenschlusszeiten im November 2006 indes Öffnungszeiten bis 22 Uhr. So schließt die Mehrzahl der Rewe-Märkte und des Rewe-Discounters Penny erst um zehn Uhr abends. Auch etliche Edeka-Läden verkaufen in den Innenstädten um diese Zeit noch Brot, Bier oder Tiefkühlpizza. Und auch Mitarbeiter der SB-Warenhäuser von Real und Kaufland harren zu Beginn des ZDF „heute journal“ hinter den Kassen aus.

Ob die längeren Öffnungszeiten ein Erfolg sind, wird in der Branche unterschiedlich bewertet. Verdi-Mann Dalibor warnt schon heute vor einem „übergroßen Öffnungszeitenangebot“, durch das „die Branche insgesamt nichts gewinnt“. Stattdessen würden sich die Unternehmen nur gegenseitig Umsätze abjagen – zu Lasten kleinerer Firmen und auf Kosten derjenigen Mitarbeiter, die Familie und Beruf vereinbaren müssten.

Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, sieht in den längeren Öffnungszeiten dagegen „eine Erfolgsgeschichte“. Und Rewe-Chef Caparros spricht im Interview mit der WirtschaftsWoche gar von einer „fast schon beängstigend guten“ Umsatz-Entwicklung im ersten Halbjahr 2008 – auch wegen der längeren Öffnungszeiten.

Während die Supermärkte in die Verlängerung gehen, schließen die großen Discounter Aldi und Lidl nach wie vor pünktlich um 20 Uhr ihre Filialen - und schaffen damit erst die Nischen für die Angebote der Supermärkte. „Für Abendeinkäufe gibt es oft zwei Impulse: Not und Lust“, sagt HDE-Sprecher Pellengahr. „Bei beiden Impulsen rückt der Preis ein wenig in den Hintergrund.“

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