_

Öko-Nihilismus: Wirtschaftlicher Selbstmord aus Angst vor dem Tod

von Edgar Gärtner

Entscheidungen, deren Kosten ihren Nutzen dauerhaft weit übersteigen, sind schlicht dumm. Denn auf eine ganze Volkswirtschaft übertragen, wären sie gleichbedeutend mit Selbstmord. Da der Billionen verschlingende „Klimaschutz“ im Nichts enden wird, bezeichne ich diese Perversion von Ökologie als „Öko-Nihilismus“ – was nur eine andere Bezeichnung für Dummheit ist. Ein Meinungsbeitrag von Edgar Gärtner.

Rauch steigt  vom Quelle: dpa
Rauch steigt vom RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaussem bei Bergheim in die Höhe (Archivfoto vom 04.04.2007). Die USA lassen sich erstmals auf ein langfristiges Ziel beim Klimaschutz ein. Beim G8-Gipfel im japanischen Toyako verständigten sich die Staats- und Regierungschefs darauf, bis 2050 den Ausstoß an schädlichen Treibhausgasen mindestens zu halbieren. Quelle: dpa
Anzeige

Es gibt zwei konträre, mitunter aber auch komplementäre Auffassungen von Ökologie:

Zum einen die von der „Physico-Theologie“ des 17. und 18. Jahrhunderts ausgehende statische, hauswirtschaftliche, wonach die Welt ein geschlossenes, tendenziell vollständig analysierbares System im Gleichgewicht, genannt Naturhaushalt darstellt.

Dieser soll durch die Anwendung wissenschaftlich abgeleiteter Management-Regeln mit wenigstens 90-prozentiger Gewissheit hausväterlich verwaltet werden können.

Dem gegenüber steht die evolutionistische Sicht, wonach die Welt nach allen Seiten (außer nach rückwärts) offen ist. Es gibt darin kein statisches Gleichgewicht, keine prästabilisierte Harmonie. Systeme existieren, so gesehen, nur in unseren Köpfen oder in Dingen bzw. Organisationen, die wir bewusst schaffen. Menschliches Wissen bleibt immer eine Insel in einem Meer von Nichtwissen. Statt 90 Prozent wissen wir oft weniger als ein Prozent von dem, was wir wissen müssten, um natürliche und/oder gesellschaftliche Prozesse zielgerichtet steuern zu können.

Wir müssen aus Versuch und Irrtum lernen. Nur historisch gewachsene und bewährte Institutionen, angefangen mit der Familie und der Gemeinde, bieten uns danach provisorische Gewissheit. Erst im Rahmen solcher Institutionen bekommt ein haushälterisches Herangehen an Probleme der Ressourcen-Allokation Sinn.

Diese unterschiedlichen Herangehensweisen spiegeln sich im Gewicht, das verschiedenen Methoden der kollektiven Entscheidungsfindung beigemessen wird. Oberhalb der „magischen Zahl“ von 150 Personen (Familien oder Clans) gibt es im Grunde nur zwei Wege kollektiver Entscheidungsfindung: den Markt und die Bürokratie.

Der Markt ist historisch älter, denn schon der Homo sapiens sapiens von Cro Magnon betrieb vor Zigtausend Jahren nachweislich Fernhandel mit unbekannten Zeitgenossen und verdankt diesem vermutlich sein Überleben in der unwirtlichen Eiszeit.

Dennoch erscheint uns der Markt noch heute als „künstlich“, weil das über Hunderttausende von Jahren an das Leben in kleinen Horden angepasste menschliche Hirn mit unpersönlichen Formen des Austauschs offenbar schlecht zurechtkommt. Demgegenüber erscheint uns die erst sehr viel später mit dem Leben in größeren Städten aufgekommene Bürokratie eher als „natürlich“, weil diese offenbar an die hierarchische Struktur der Familie bzw. des Clans erinnert.

Bürokratische Versuche, reale oder vermeintliche Probleme zu lösen, erscheinen den meisten Menschen als attraktiver, als sich der Ungewissheit offener Märkte anzuvertrauen, wenn nicht auszuliefern. Außer in Notzeiten, in denen die Marktwirtschaft spontan in Form des Schwarzhandels aufblüht, bedarf die Marktwirtschaft deshalb meistens einer ordnungspolitischen Förderung. Der freie Markt bleibt eine Kulturaufgabe.

Ein Stück weit muss Bürokratie auch in einer freien Marktwirtschaft als notwendiges Übel akzeptiert werden: So in Buchführung und Statistik oder im Banken- und Versicherungswesen. Markt und Bürokratie können sich im Prinzip ganz gut ergänzen, sofern die Bürokratie sich damit begnügt, die Ergebnisse des Wettbewerbs und des damit verbundenen Lernens aus Versuch und Irrtum festzuhalten, um zu vermeiden, dass Fehler wiederholt werden. Gelangt die Bürokratie jedoch in eine führende Rolle, wird sie leicht zur „Anmaßung von Wissen“ (Friedrich August von Hayek). Diese führt nicht nur zu ineffizienter Ressourcen-Allokation, sondern auch zur Versuchung des Nihilismus.

Zu diesem Artikel
24 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.04.2011, 21:02 UhrAnonymer Benutzer: Gutmensch

    Chapeau, wer derart realitätsbefreit über Nihilismus, die segensreichen Marktmächte unter den Urmenschen vor Thomas Hobbes und Dummheit räsoniert, empfiehlt sich wirklich sehr als Experte für alle drei.
    Wer sich der öffentlichen Kommunikation so überzeugend und enthebt, einfach nur, indem er deren Grundbegriffe konsequent in Anführungszeichen setzt, den muss man wirklich ernstnehmen.

    insofern sehr schade, dass er sich auch gleich mit abgestandenen Dünnbierfloskeln wie "Gutmensch" ins publizistische Nirwana schießt.

    Da fällt es dann auch nicht auf, wenn er die Antwort auf globale Fragen einer 7-Millarden-Erde in den Schriften eines F. Nietzsche sucht, wie jeder große Geist, für den die Postmoderne etwas ist, was nur anderen Menschen zustößt.

    Wenn er sich dann noch nicht entblödet, die Schriften Hannah Arendts über die argumentative Unbesiegbarkeit bösartiger Triebschwätzer wie Hitler und Co auf einen weltweiten Öko-industrie-Komplex zu beziehen, der kennt sich mit Komplexen sicher sehr gut aus.

    Ob es Zufall ist, dass mir neben diesem pathologischen Geblödel des Kollege Gärtner diese Google Ad unterkommt:

    ---
    Einen Psychiater fragen
    8 Psychologen sind gerade online. Stellen Sie jetzt ihre Frage!
    JustAnswer.de/Psychologe
    ---

    ? bezieht es sich auf den Autor oder auf Leute wie mich, die bescheuert genug sind, diesen unispierierten Ausfluss eines geistigen Paralytikers zu lesen?

    Wie dem auch sei, der Artikel ist ein gelungener Aufruf zum Selbstmord aus Angst vor dem Tode aus einer Ecke, die den bock offenbar sehr erfolgreich zum Gärtner gemacht hat. Meine Gratulation, sie werden es weit bringen unter den Merkbefreiten Deutschlands.

  • 22.10.2009, 16:37 UhrAnonymer Benutzer: Martin

    Verstehe ich das mit dem "Probleme auf einen zukommen lassen" richtig?
    Heisst das "Wir sollten erstmal sehen ob die Arktis abschmilzt und was das für Folgen hat, bevor wir da irgendwelche überhasteten Schritte unternehmen."?
    Oder "Wenn mich jemand mit einer Waffe bedroht heisst das ja noch nicht zwingend das er schießt. ich werde das Problem (die Kugel) mal auf mich zukommen lassen."?

    Manche Änderungen sind irreversibel. Diese Änderungen 'auf sich zukommen zu lassen' ist fatal. Da kann man sich hinterher auch nur scheinbar 'inteligent anpassen'.

    Die idee das ausschließlich bürokratie oder der Markt mit so etwas umgehen könne halte ich für gefährlichen blödsinn. Die Menschheit steht iMHO vor der Aufgabe andere Lösungen für die absehbaren Probleme zu finden. Das ist aber wenn das Problem schon auf uns zukommt immer unwahrscheinlicher, da man in Krisen zu den 'erprobten Methoden' tendiert.

    in einigen Punkten ist die Ökologische Agenda wirklich zur Farce verkommen. Die Politik ist ein schönes beispiel dafür. Und die Anmaßung das man unser Erdklima zu 90% verstehen würde ist einer der stärksten Triebfedern dafür. Damit hat sich aber nicht der Grund für die ökologische bewegung verabschiedet, die Marktbeherrschende idee (CO2 Emmissionen runter) ist nicht die Antwort auf die Frage: Wie retten wir unseren Planeten?
    Die Frage 'Wie retten wir unseren Planeten?' ist aufgekommen durch Werke wie 'Grenzen des Wachstums' und läßt sich eben wie es aussieht weder am Markt "ich hätte gerne 1 Pfund Hack (für 1€20) aber als Klimaverträglich. Ok das macht dann 28€50." noch mit bürokratie "Wie retten wir den Planeten? Wir müssen unseren CO2 Ausstoß senken." beantworten. Weil die Preise niemand zahlen kann und die bürokratie eine komplexe Frage wie eine komplizierte Frage auffasst (liegt in ihrer Natur).

    Und so lautet die eigentliche Aufgabe zwischen Skylla und Charybdis hindurchzusegeln und einen dritten Weg zu suchen.

  • 29.08.2008, 21:18 UhrAnonymer Benutzer: Alanka

    Klimaschutz ist ein Geschäftsmodell für die Dienstleister des Geldes, aber kein Umweltmodell. So wurden durch die Nutzung erneuerbarer Energien laut bMU "Erneuerbare Energien in Zahlen" im Jahr 2005 rund 84 Mill. Tonnen CO2 vermeiden - mit Steigerungen in 2006 und 2007. Das bundesumweltministerium teilte bisher in seinen Jahresberichten aber niemals mit, wieviel Grad Celsius 'Klimaschutz' dabei gewonnen wurde. Wenn wir viel Geld für eine Sache investieren, dann sollten wir doch auch wissen, was dabei herauskommt, oder? Also, wieviel Grad Celsius Erderwärmung haben wir Deutsche der Weltgemeinschaft erspart?

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Thalys: In Zukunft ohne Deutsche Bahn
Thalys: In Zukunft ohne Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn steigt aus dem Gemeinschaftsprojekt Thalys aus. Das Unternehmen besitzt derzeit zehn Prozent an dem...