Öl-Katastrophe: Wie BP die Angst der Anleger unterschätzte

Öl-Katastrophe: Wie BP die Angst der Anleger unterschätzte

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von Andreas Henry und Yvonne Esterházy

Der britische Ölkonzern muss jetzt an zwei Fronten gleichzeitig kämpfen: im Golf von Mexiko und an den Finanzmärkten. Doch die Imagepflege-Offensive kommt möglicherweise zu spät.

Seit der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon am 20. April gab es für-Chef Tony Hayward vor allem ein Thema: die Rettungsmission im Golf von Mexiko. Und der neue Verwaltungsratsvorsitzende des Konzerns, Carl-Henric Svanberg, mied öffentliche Auftritte. Um die Folgen der Ölkatastrophe an den Finanzmärkten kümmerte sich keiner der beiden. So stürzte der Aktienkurs der britischen Aral-Mutter seit der Explosion um mehr als ein Drittel ab. Erst nach diesem Warnsignal versucht die Unternehmensführung, das Vertrauen verunsicherter Anleger zurückzugewinnen.

Für die nächsten Tage plant Hayward eine Telefonkonferenz mit institutionellen Anlegern. Ende der Woche will sich der Konzernchef dann gar persönlich mit einigen Großaktionären treffen. Er wird ihnen versprechen, dass BP die Dividende nicht kürzt, und ihnen versichern, dass die wirtschaftliche Existenz des Multis nicht bedroht ist. Schließlich werden die Stimmen immer lauter, die BP als Übernahmekandidaten bezeichnen.

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Schon heißt es, der Konzern könne in seiner bisherigen Form nicht überleben. „Das hat den Geruch des Todes“, schrieb Dougie Youngson von der Investmentbank Arbuthnot Securities. Seine Aktionäre will Hayward nun davon überzeugen, dass die Folgekosten des Unglücks für den Konzern zu stemmen sind. Hatte der doch 2009 einen Gewinn vor Steuern von 26,4 Milliarden Dollar erzielt. Im ersten Quartal 2010 erwirtschaftete er noch Netto-Barreserven in Höhe von fast acht Milliarden Dollar.

Versagt haben auch die Analysten. Von 34 beim Informationsdienst Bloomberg gelisteten Experten, die nach dem 20. April frische BP-Analysen herausgaben, hielten fast alle stur ihre Kaufempfehlungen bei. Einige priesen kurz nach der Explosion die Aktie sogar ausdrücklich als gute Kaufgelegenheit an. Wer auf sie hörte, erlitt kräftige Verluste. Das Verhalten der Analysten zeigt nicht nur, dass es zwischen der mächtigen Ölbranche und den US-Regulierungsbehörden kuschelig zuging. Auch hat die Ölindustrie mit ihrem riesigen Kapitalbedarf und noch größeren Vermögenswerten die Finanzbranche bestens im Griff. Kein Analyst traute sich, BP oder die gesamte Branche frühzeitig und öffentlich abzustrafen. Dabei erwartet neben der Finanzbranche auch die Ölindustrie eine schärfere Regulierung, die das Bohr- und Fördergeschäft verteuern dürfte.

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