Öl: Lukoil: Der bedrängte Ölgigant

Öl: Lukoil: Der bedrängte Ölgigant

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Lukoil: das Geschäft ist schwieriger geworden

Lange Zeit war Lukoil Russlands Ölkonzern Nummer Eins – bis der Kreml dem staatlich kontrollierten Konkurrenten Rosneft die Konkursmasse der Yukos-Gruppe von Michail Chodorkowski zuschusterte. Seitdem ist das Ölgeschäft für Lukoil schwieriger geworden. Trotzdem gilt das privat geführte Unternehmen als profitabler Vorzeigekonzern.

Das Büro ist eigentlich zu klein. Jedenfalls für einen Multimilliardär wie Leonid Fedun. In seiner fünf Mal acht Meter großen Bürozelle befindet sich die strategische Schaltzentrale des zweitgrößten russischen Ölkonzerns Lukoil.

Ein schwerer Eichentisch nimmt den Großteil des knapp bemessenen Raums ein. Immerhin leistet sich der Vize-Präsident eine Sekretärin, die vor der Bürotür sitzt und das magnetische Sicherheitssystem bei der Abwehr unliebsamer Gäste unterstützt. Alles in allem präsentiert sich Fedun, der über ein Privatvermögen von mehr als vier Milliarden Euro und den Moskauer Fußballclub Spartak verfügt, spartanisch und sparsam.

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So führt er auch den Konzern – schlicht, profitorientiert, lautlos und effektiv. Lukoil rechnet Förderprognosen gründlich durch, bevor ein neues Bohrprojekt gestartet wird. Die Moskauer arbeiten am Know-how, bevor sie sich geologische Förder-Abenteuer im komplexen Meeresboden wagen. Und sie bleiben ruhig, wenn sich die staatliche Konkurrenz ein Ölfeld nach dem anderen unter den Nagel reißt – und suchen nach alternativen Wachstumsquellen, ohne sich mit dem Staat anzulegen. Das ist nicht selbstverständlich.

Die russische Ölindustrie hat sich grundlegend verändert, seit sich ein Oligarch namens Michail Chodorkowski während Putins erster Amtszeit zum Kremlgegner aufschwang. Der Eigentümer des damals zweitgrößten russischen Ölförderers Jukos ließ keinen Zweifel daran, dass er mit seinem stattlichen Privatvermögen die Opposition des „Systems Putin“ auf Vordermann bringen wollte. Putin zog die Reißleine, ließ den Chodorkowskis profitable Ölfirma unter dem Vorwand der Steuervergehen zerschlagen – und teilte die Konkursmasse dem damals noch kleinen, aber staatlich kontrollierten Ölunternehmen Rosneft zu.

Die Umverteilung scheint abgeschlossen

Für die Branche war das der Auftakt einer groß angelegten Umverteilung, die inzwischen weitgehend abgeschlossen scheint.

Durch zahlreiche Übernahmen stieg Rosneft zum größten Ölförderer des Landes auf – frei nach dem von Ex-Präsident Putin verantworteten Konzept, in möglichst vielen Branchen Leuchtturmunternehmen nach dem Vorbild Gasproms zu schaffen, die allein durch ihre Marktkapitalisierung weltweit sichtbar sind. „Der Kreml baut Rosneft zu einem ‚Global Player’ aus und gewährt dem Unternehmen einen wesentlich besseren Zugang zu Ölfeldern als privaten Wettbewerbern wie Lukoil“, sagt Tom Mundy, Private-Equity-Spezialist der Moskauer Investmentgesellschaft Renaissance Capital.

Lukoils Chefstratege Leonid Fedun hat den Kurs geändert. Das Unternehmen bemüht sich weniger um neue Ölquellen in Russland als in Irak, Iran, Kasachstan und Nordafrika. Es mag auch als kleine Spitze gegen Rosneft verstanden werden, wenn er im WiWo-Interview einen Rückgang der Ölförderungen auf russischem Territorium prognostiziert. Allerdings ist nicht nur Rosneft, sondern auch Lukoil bislang von russischen Ölförderungen abhängig.

Der private Konzern fördert mehr als zwei Drittel seiner Rohstoffe in Sibirien, wo die Vorkommen langsam zuneige gehen. Es wird Jahre dauern, bis die Förderung im Kaspischen Meer oder auf neuen Ölfeldern der Golfregion hochgefahren sein werden. Auch für Lukoil rächt es sich, dass lange Zeit zu wenig Geld in die Entwicklung neuer Quellen investiert wurde – indem es kaum mehr Spielraum für Produktionswachstum gibt.

Russische Riesen

Russische Riesen: Rohölproduktion (in Millionen Tonnen)

Im Unterschied zum Konkurrenten Rosneft, der aggressiv in der Rohölförderung (Upstream) zugange ist, drängt sich Lukoil mit Macht ins Endverbrauchergeschäft (Downstream): Die Moskauer betreiben rund um den Globus über 6.000 Tankstellen und Dutzende Raffinerien. Ein Ende der Einkaufstour in Europa ist nicht absehbar. In Deutschland ist der Ölriese am Kauf von Raffinerien interessiert – jedenfalls, wenn potenzielle Verkäufer angesichts der austrocknenden Ölvorkommen in der Nordsee zum Verkauf geneigt sind.

Analysten schätzen den Kurs des hochprofitablen Ölriesen. „Lukoil ist ein überaus effizientes Unternehmen mit einer klugen Strategie“, lobt Dmitrij Lyutjagin von der Investmentfirma Veles Capital. „Der Gang ins Ausland senkt die Risiken, die mit der Tatsache verbunden sind, dass Rosneft dank der staatlichen Unterstützung leichter an Förderlizenzen kommt.“ Der Experte rechnet mit weiterem Wachstum – vor allem auf Grund der Diversifizierung, die mit der Stärkung des Tankstellen- und Raffineriegeschäft verbunden ist.

Vielleicht kann sich Vize-Präsident Leonid Fedun eines Tages sogar ein größeres Büro leisten. Wenn er überhaupt will.

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