Öl-Multis: Ölkatastrophe macht BP zum Übernahmekandidaten

Öl-Multis: Ölkatastrophe macht BP zum Übernahmekandidaten

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Bob Dudley

von Yvonne Esterházy

Der Ölmulti konnte das Jahr nach dem Desaster im Golf von Mexiko nicht nutzen und droht zum Übernahmeziel zu werden.

Das Bild zeigt blaues Meer, zwei Boote, ein Schiff und zwei kleine Ölplattformen – überwölbt von nahezu wolkenfreiem Himmel. „Macondo Gelände. Golf von Mexiko“ steht am unteren Rand, daneben in großen weißen Lettern: „Ein Jahr später. Wir sind weiterhin in der Pflicht“. In ganzseitigen Anzeigen in den britischen Zeitungen stimmt der Ölkonzerns BP die Öffentlichkeit mit einer Mischung aus Reue und Trotz auf den ersten Jahrestag der Explosion der Förderplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko ein. „Alle Strände und 99 Prozent der Gewässer sind wieder offen.“

Mindestens ebenso offen ist auch die Zukunft des nach Umsatz 297 Milliarden Dollar schweren Multis. Dem neuen Chef Bob Dudley, der aus dem amerikanischen Süden stammt und den glücklosen Tony Hayward Anfang Oktober abgelöst hatte, ist der versprochene Befreiungsschlag misslungen. Der Umbau des Unternehmens wackelt mehr, als er Konturen annimmt. „Das Jahr 2011“, hatte er Anfang Februar bei seiner ersten Bilanz-PK erklärt, „wird ein Jahr sein, in dem sich uns die Chance bietet, unser Unternehmen neu aufzustellen, unsere Geschäftsaktivitäten entsprechend anzupassen und unseren Fokus auf die Wertschöpfung für unsere Aktionäre zu richten.“

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Doch daraus wurde nichts. Der Kurs der Aktie dümpelt bei 460 Pence, weit unter den 655 Pence vor der Katastrophe. Damit ist BP im Vergleich zu den Wettbewerbern so preiswert, dass der Konzern als Übernahmekandidat erscheint.

Elf Menschen sind gestorben

Elf Menschen kamen am 20. April 2010 ums Leben, 87 Tage lang strömten in den Golf von Mexiko bis zu 780 Millionen Liter Erdöl, die die Küste des US-Bundesstaates Louisiana verschmutzte. Hunderttausende Tiere – Fische, Pelikane, Schildkröten – verendeten. 18 Milliarden Dollar musste BP bisher für die Aufräumarbeiten aufbringen sowie weitere 5,6 Milliarden Dollar für Entschädigungszahlungen, davon vier Milliarden für einen 20-Milliarden-Dollar-Topf, den die US-Regierung erzwang. Anfang Februar beliefen sich die bisherigen Gesamtkosten nach Schätzungen von BP auf bis zu 41 Milliarden Dollar. Die Rückstellungen dafür bescherten dem Ölmulti für 2010 einen Verlust von 4,9 Milliarden Dollar – nach knapp 14 Milliarden Dollar Gewinn 2009.

Ärger mit Verlobung

Aus der Not eine Tugend zu machen und den Konzern neu auszurichten, das ist dem neuen Mann an der Konzernspitze jedoch misslungen. Zwar veräußerte Dudley Unternehmensteile im Wert von rund 24 Milliarden Dollar, rund vier Fünftel des geplanten Umfangs von 30 Milliarden Dollar. Sein kühnster Plan, sich auf ganz neues Terrain zu begeben, wackelt jedoch mehr denn je: der Schulterschluss mit einem russischen Ölriesen, um die Abhängigkeit von der Ölexploration in den USA zu verringern.

Mit Fanfarenklängen hatte Dudley am 14. Januar angekündigt, sich mit dem staatlichen russischen Ölkonzern Rosneft zu verbandeln. Durch einen Aktientausch sollte Rosneft fünf Prozent der BP-Anteile übernehmen, BP dafür 9,5 Prozent der Rosneft-Anteile. Auf diese Weise wollte Dudley BP den Zugriff auf lukrative Fördermöglichkeiten in der Arktis sichern. Experten glauben, dass sich dort rund ein Fünftel der weltweiten, bislang unentdeckten Ölvorkommen befinden, insgesamt fünf Milliarden Tonnen Öl und zehn Billionen Kubikmeter Erdgas sollen es sein.

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