Ölkatastrophe: Schicksalswoche für BP

Ölkatastrophe: Schicksalswoche für BP

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Kontrolliertes Abbrennen von Öl im Golf von Mexiko

von Yvonne Esterházy

1,6 Milliarden Dollar hat die Ölpest BP bereits gekostet. Die nächsten Tage könnten die Zukunft des Ölmultis entscheiden. In London debattiert das BP-Management über ein Aussetzen der Dividende. Der Kampf um das Überleben des Konzerns findet allerdings in Washington statt. Präsident Obama macht immer mehr Druck.

Am heutigen Montag bricht Obama zu einer zweitägigen Reise an den Golf von Mexiko auf, um sich erneut vor Ort einen Eindruck über die Ölpest zu machen, es ist bereits die vierte Reise des Präsidenten in die Krisenregion. Am Dienstag abend will er sich in einer Fernsehansprache an die amerikanische Nation zu der Umweltkatastrophe äußern, die vor acht Wochen mit der Explosion der Öl-Plattform Deepwater Horizon ihren Ausgang nahm. Der Präsident will dabei Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Ölpest bekanntgeben.

Sollte der Präsident seine Attacken auf den Ölmulti weiter verstärken, dürfte dies dem BP-Aktienkurs einen weiteren Dämpfer versetzen und den Niedergang des Unternehmens beschleunigen. Schon jetzt gilt BP als potentieller Übernahmekandidat.

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Seit dem Untergang der Bohrinsel am 20. April sind Millionen Barrell von Öl in den Golf von Mexiko ausgetreten. Über die Menge des austretenden Öls herrscht allerdings weiterhin Ungewissheit. Die jüngsten Schätzungen von US-Geologen beziffern die Menge mit etwa 40.000 Barrel am Tag – 40 mal so viel wie BP unmittelbar nach dem Unglück angegeben hatte. Mit einer Absaugglocke entfernt BP inzwischen einen Teil des Rohöls, aber längst nicht alles.  Der Ölteppich hat mittlerweile Strände, Flora und Fauna, Tourismus und die Fischerei massiv beschädigt. Ausläufer haben bereits die Strände von Florida erreicht. Seither hat sich der Börsenwert von BP fast halbiert, die Anleihen des Konzerns haben mittlerweile nur noch Junkbond-Status.

Ultimatum für BP

Die USA haben BP inzwischen ein Ultimatum gesetzt, um das Austreten des Öls aus der gesunkenen Plattform einzudämmen. In einem Brief der Küstenwache vom 11. Juni, der am Samstag veröffentlicht wurde, hieß es:„BP muss binnen 48 Stunden Maßnahmen vorstellen, mit denen zusätzliches Öl abgefangen werden kann“. Für Mittwoch hat Obama BP-Aufsichtsratschef Carl-Henric Svanberg zum Rapport einbestellt. Der Vorgang ist ein weiterer Beleg für den zunehmenden Druck aus der Politik, dem sich BP ausgesetzt sieht. In einem Schreiben an Svanberg, wird er gebeten, im Gespräch mit ranghohen Mitgliedern der amerikanischen Regierung die Vorgehensweise von BP in der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zu erörtern.

Der Schwede Svanberg, der seinen neuen Posten erst vor wenigen Monaten antrat, steht wegen seiner öffentlichen Zurückhaltung im Kreuzfeuer der Kritik: bisher hatte weder in den USA noch in Großbritannien zu den Konsequenzen der schweren Umweltkatastrophe Stellung bezogen, sich entschuldigt oder den Ruf seines Unternehmens verteidigt. Statt dessen wurde BP-Chef Tony Hayward zum öffentlichen Prügelknaben.

Dass dieser mit zahlreichen ungeschickten Äußerungen den Imageschaden von BP noch verschlimmerte, wurde in London viel zu spät erkannt. Am Mittwoch wird Hayward seinen Aufsichtsratschef ins Weiße Haus begleiten – dass er in der Einladung namentlich nicht erwähnt wird, zeigt, wie stark sein Ansehen in den USA mittlerweile gelitten hat.

Die BP-Führung wird beim Präsidenten um die Beibehaltung ihrer US-Bohrrechte werben und versuchen, ihn zu besänftigen. In London gilt es mittlerweile als nahezu sicher, dass das BP-Management am heutigen Montag entscheiden wird, die Dividende für das zweite Quartal zu streichen. Diese Geste hätte vor allem symbolische Wirkung: denn Obama hatte mehrmals öffentlich ein Aussetzen der Dividendenzahlungen gefordert. In Gesprächen mit institutionellen Investoren warb BP mittlerweile um Verständnis für einen solchen Schritt, und scheint damit zumindest bei einigen wichtigen Großaktionären Erfolg gehabt zu haben.

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