Ölpest: BP-Chef bringt US-Ausschuss zur Verzweiflung

Ölpest: BP-Chef bringt US-Ausschuss zur Verzweiflung

von Andreas Henry

Bei einer Anhörung in Washington bekam BP-Chef Tony Hayward heftige Kritik am Umgang mit der Ölpest im Golf von Mexiko zu hören. Gekonnt wich Hayward kritischen Fragen mit dem Hinweis auf laufende Untersuchungen aus. Dabei fand er einen ungewöhnlichen Mitstreiter.

Vielleicht hatte Tony Hayward gehofft, seine Zusage vom Tag zuvor, BP werde einen 20 Milliarden Dollar schweren Entschädigungstopf für die Opfer der Ölkatastrophe füllen, werde die politischen Wogen etwas glätten. Doch weit gefehlt. Der BP-Chef sah sich gestern vor einem Ausschuss in Washington wie erwartet heftigster Kritik ausgesetzt. 

„Das wird die Untersuchung zeigen.“ Das war gestern der immer wieder vom BP-Chef mit ruhiger, fast monotoner Stimme und unbewegter Mine vorgetragene Satz, der die Ausschussmitglieder schier zur Verzweiflung brachte. Sicherheitsprobleme, unklare Verantwortlichkeiten, Fehlerquellen, fragwürdige Verfahren, kritische Entscheidungen -  immer wieder wich Hayward auf konkrete Fragen mit seinen Antworten aus. Er sei kein Experte, ja, wenn es Verstöße gegen Vorschriften gegeben habe, dann werde man reagieren, aber es sei zu früh, das zu beurteilen, man müsse die Ergebnisse der Untersuchung abwarten. Gab es rücksichtsloses Verhalten durch BP? „Dafür gibt es keine Belege,“ antwortete Hayward. „Aber ich war nicht involviert in die Entscheidungen auf der Ölplattform.“

Anzeige

BPs Entschuldigungen waren Ausschuss nicht genug

Hayward entschuldigte sich, er betonte, sein Fokus liege auf Sicherheit und darauf, jetzt zunächst den weiteren Ausfluss von Öl in den Golf von Mexiko zu stoppen. Er verstehe die Ernsthaftigkeit der Situation und die „Frustrationen und Ängste“, die die Leute haben.

Doch solche Bekenntnisse waren nicht genug für die Ausschussmitglieder, die immer wieder aggressiv nachsetzten. Es gebe Belege dafür, dass BP bei der Ölplattform Deepwater Horizon ein Bohrverfahren genutzt habe, das riskanter sei, aber sieben bis zehn Millionen Dollar billiger als andere Verfahren. Also habe BP aus Kostengründen Sicherheitsaspekte vernachlässigt.

Er sei nicht beteiligt gewesen an diesen Entscheidungen, antwortete Hayward, dafür sei das Ingenieur-Team vor Ort verantwortlich gewesen – und immer wieder: Die weitere Untersuchung werde zeigen, ob es dabei Fehler oder Verstöße gegen Regularien gegeben habe. „Sie wollen unsere Fragen nicht beantworten, Sie weichen aus, Sie verhalten sich, als hätten sie mit diesem Unternehmen nichts zu tun,“ fauchte ihn ein Ausschussmitglied frustriert an, „das ist unverantwortlich“. „Ich mauere nicht,“ entgegnete Hayward, „ich war einfach nicht am Entscheidungsprozess beteiligt.“

Ob ungeigneter Zement verwandt wurde? „Ich bin kein Zement-Ingenieur.“ Ob Warnsignale übersehen und ignoriert wurden? „Ich bin kein Bohrloch-Ingenieur.“ Ob man sich über die Folgen der Verwendung von Lösungsmitteln für die Umwelt im Klaren gewesen sei?  „Ich bin kein Ozeanograph.“ So ließ Hayward die Politiker immer wieder ins Leere laufen. 

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%