Ölpest: Neuer BP-Chef Dudley: Krisenerprobter Ami für die Briten

Ölpest: Neuer BP-Chef Dudley: Krisenerprobter Ami für die Briten

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Robert Dudley

von Andreas Wildhagen

Nun ist es offiziell: BP-Chef Tony Hayward tritt zum 1. Oktober ab. Sein Nachfolger, der Amerikaner Bob Dudley, soll das ramponierte Image des britischen Ölkonzerns in den USA reparieren. Er bringt dazu eine ideale Voraussetzung mit: Krisenerfahrung in Russland.

Ob der unglückliche BP-Chef Tony Hayward nun 14 Millionen Dollar Abfindung bekommt oder weniger - seine Demission ist so gut wie beschlossen, und die BBC hat es am Wochenende bereits vermeldet. Mit Hayward geht ein Mann der BP-Schönwetterperode - ohne Bohrloch-Leck, dafür mit weißer Umweltweste, "Beyond Petroleum" kürzte sich der Konzern etwas eingebildet ab. Hayward passte dazu, er sah immer so aus wie ein frischgeduschter Sonnyboy, kurz vor Setzen der Segel irgendeiner Yacht bei irgendeiner Regatta. Die fand auch statt, genau einen Tag nach Haywards Vernehmung vor dem amerikanischen Kongress.

Dass er daran genau einen Tag vor seiner Vernehmung vor den US-Abgeordneten scheinbar unbeschwert teilnahm, kreideten ihm Politiker in den USA besonders an. Denn das, was der studierte Geologe Hayward zur Bohrinsel-Havarie von Deepwater Horizon und dem Leck im Bohrloch zu sagen hatte, klang vor den empörten amerikanischen Abgeordneten hochnäsig. Schmallippig und mit einem britischen Akzent, der in Amerika - außer vielleicht in Boston - ziemlich verpönt weil abgehoben ist, hatte Hayward mit steifer Oberlippe Stellung genommen, sehr kurz angebunden und reserviert. "Eigentlich hatte er den Kongress einfach zu abblitzen lassen", schrieb die Sunday Times.

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Doch heute tagt der BP-Vorstand, um dieses Teflon-Image ihrer obersten Führung abzustreifen. Hayward, so mutmaßen es Journalisten von BBC und nun auch Wall Street Journal, soll zwar im BP-Board verbleiben, aber nicht mehr als Chef. Spätestens am 1. Oktober, vielleicht schon früher, soll der Amerikaner Bob Dudley Chef von BP werden und damit die Verschmutzungs-Krise am Golf von Mexiko entschlossener in den Griff bekommen. Er hat bessere Vorausetzungen als Hayward.

Dudley bringt russische Krisenerfahrung mit

Denn erstens ist er US-Amerikaner, nicht britisch-distanziert, sondern handfest und mit einer gehörigen Portion Verständnis für die Sorgen und Nöte der Küstenbewohner der Golf-von-Mexiko-Region, Dudley selbst kommt von dort, er ist in der Kleinstadt Hattiesburg im Bundesstaat Mississippi aufgewachsen.

Schönwettergebräunt wie Haywards von seinen Segeltörns ist Dudley nicht. Im Gegenteil, er ist krisenerprobt. Fünf Jahre lang, zwischen 2003 und 2008 war er Chef des britisch-russischen Gemeinschaftsunternehmens TNK-BP, dass keineswegs auf Rosen gebettet war, sondern von einem politischen Sturmtief ins nächste segelt. Zu den Gesellschaftern von TNK gehörte auch eine Handvoll russischer Milliardäre, Oligarchen, die in Russland gefährlich leben, weil sie vom Kreml und der Duma abhängen, und innerhalb ihres politischen Spielraums eigentlich Schalten und Walten können wie sie wollen, auch jenseits von Gesetz und Ordnung.

Auch Aufsichtsratschef Svanberg soll gehen

Diese warfen Dudley vor, nur das betriebswirtschaftliche Interesse von BP zu verfolgen, er gab später in einem Interview zu Protokoll, sich wie in einem James-Bond-Film gefühlt zu haben. Subversive Besprechungen, ständige Angst vor geheimdienstliche Abhöraktionen und andere Begleiterscheinungen des Geschäfts ließen ihn zeitweilig das BP-Gemeinschaftsunternehmen von einem geheimgehaltenen Ort aus führen. Schließlich warfen ihn die Russen kurzer Hand außer Landes. Nachdem er Russland verlassen hatte, bekam er von BP die Verantwortungsbereiche in Nord- und Südamerika sowie in Asien übertragen, wo er zuletzt als US-Chef von BP eine weitaus bessere Figur als sein Chef Hayward machte.

Nun machen die BP-Investoren Druck, Hayward auszutauschen, um den Kursabsturz von aufzufangen. Es ist weniger eine Entscheidung pro Dudley, als eine Entscheidung gegen Hayward, die jetzt gefällt werden soll. Auch soll der Aufsichtsratschef Carl-Henric Svanberg gehen. Der Schwede ist erst seit einem Jahr in diesem Amt. Der gebürtige Schwede und frühere Wallenberg-Manager war hoffnungslos überfordert vom schlagzeilenträchtigen Krisenmanagement, die nicht zuletzt auch Präsident Obama und das Weiße Haus nervös machten. Wer Svanberg folgen soll, ist zur Zeit die Preisfrage der Woche. Es wird wohl eine Brite sein müssen, um BP als Industrie-Ikone des Vereinigten Königreiches nicht vollends unter amerikanischen Einfluss zu bringen.

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