Olaf Koch: Der Finanzvorstand klettert auf den Metro-Thron

Olaf Koch: Der Finanzvorstand klettert auf den Metro-Thron

, aktualisiert 21. November 2011, 14:15 Uhr
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Olaf Koch, der bisherige Finanzvorstand der Metro.

von Kirsten LudowigQuelle:Handelsblatt Online

Der bisherige Finanzvorstand wird zum Jahreswechsel neuer Chef der Metro. Kein leichter Job für den erst 41-Jährigen. Was ihn erwartet, weiß er - doch das hält ihn von der Herausforderung nicht ab.

DüsseldorfAls Eckhard Cordes Anfang November den Raum betrat, um die Quartalszahlen zu präsentieren, klickten die Fotoapparate, zoomten die TV-Kameras. Olaf Koch stand etwas abseits. Zögerte, Platz zu nehmen. Cordes winkte ihn heran. „Nein. Ich will nicht stören“, sagte Koch. Er wollte, dass die Journalisten ihre Bilder vom Metro-Chef kriegen, und zwar allein. Als ahnte er damals schon, dass sein eigener großer Auftritt bald kommen würde.

Schon früh galt der Finanzvorstand der Metro als Kronprinz, aber er wollte seinen Mentor Cordes nicht vom Thron stürzen. Zum 1. Januar nun wird Koch, 41, neuer Chef von Deutschlands größtem Handelskonzern. Dann wird er der jüngste Manager an der Spitze eines Dax-Konzerns sein. Gerade mal 17 Jahre brauchte er bis ganz nach oben.

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Dabei war lange nicht sicher, ob er bei Metro bleiben würde. Als Cordes vor sechs Wochen verkündete, seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen, glaubten viele, Kochs Schicksal sei besiegelt. Wenig später wurde sein Vorstandskollege Joël Saveuse, Favorit des Arbeitnehmerlagers, als neuer Metro-Chef gehandelt. Bei Koch hieß es: zu jung, zu wenig Handelserfahrung, zu Cordes-nah.

Dann verzichtete Saveuse, aber bis zur Sitzung am Freitag war unklar, ob Koch eine Mehrheit im Aufsichtsrat bekommen würde. Die Entscheidung fiel knapp aus: Die zehn Arbeitnehmervertreter des 20-köpfigen Gremiums stimmten gegen ihn. Um Koch durchzusetzen, musste der neue Aufsichtsratsvorsitzende Franz Markus Haniel auf sein doppeltes Stimmrecht zurückgreifen.

Und eine Frage schwang bis zuletzt mit: Will er sich den Chefposten bei der Metro überhaupt antun?


„Hart aber fair“

Koch ist ein gebranntes Kind. Er hat das wochenlange öffentliche Gerangel um Cordes’ Zukunft miterlebt: die Unstimmigkeiten zwischen den Großaktionären. Den Machtkampf, den Cordes und der damalige Aufsichtsratsvorsitzende, Haniel-Chef Jürgen Kluge, ausfochten. Die Indiskretionen. Am Ende ging es nicht mehr um die Sache, nur noch um Persönliches. Koch weiß: Vieles von dem, was Cordes das Leben schwergemacht hat, wird auch ihm Probleme bereiten. Und doch: Er will es wissen.

Bislang sorgte der Betriebswirt, der fast ein wenig unscheinbar wirkt, bei der Metro dafür, dass die Zahlen stimmen und die IT funktioniert. Zahlen und IT, das ist seins.

Koch wurde in Bad Soden am Taunus geboren. Nach dem BWL-Studium an der Berufsakademie Stuttgart heuerte er als Manager bei Daimler-Benz an und optimierte dort Finanzprozesse und -systeme. Aber nur für ein Jahr. Gerade 25, gründete er die Beratung IT-Networks. Doch schon 1998 – kurz nach der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler – zog es Koch zurück zu seinem ersten Arbeitgeber. Dort traf er auf Cordes.

Von dem damaligen Chef der Mercedes Car Group, Jürgen Hubbert, wurde Koch als Mann für Finanzen und Controlling in die Geschäftsführung des Bereichs geholt. „Koch ist kein Zahlenknecht, sondern in erster Linie Unternehmer“, so Hubbert. „Er ist hart, aber fair.“ Neben Hubbert begleitete auch Cordes Kochs Karriere, stieg aber, nachdem er das Rennen um den Vorstandsvorsitz verloren hatte, 2005 aus.

Zwei Jahre später ging auch Koch – als Fachmann für Sanierung und Restrukturierung zu Permira nach Frankfurt. Der Finanzinvestor wurde in Deutschland durch die Übernahme von Valentino, der Muttergesellschaft von Hugo Boss, bekannt. Noch bis Anfang letzten Jahres saß Koch bei dem Modehersteller aus Metzingen im Aufsichtsrat.

Als Koch im September 2009 nach Düsseldorf kam, arbeitete er sich schnell in seine Rolle als Finanzvorstand der Metro ein. Er ist ein bodenständiger Typ – und ein „unabhängiger Geist“, so ein Mitglied des Metro-Aufsichtsrats. Eigenschaften, die ihm als Chef in dem von Streitereien gebeutelten Konzern zugute kommen dürften. Bei der Metro gibt es momentan so viele Fraktionen und Stimmungen wie sonst nirgends.


Chauffeur oder nicht Chauffeur...

Im Konzern beschreiben viele Koch als nett und umgänglich, aber auch als einen, der sich durchsetzen kann. Bislang hat er sich erfolgreich gegen einen Chauffeur gewehrt. Er fährt lieber selber zu Terminen.

Eins steht fest: Auf den dreifachen Vater kommen stressige Zeiten zu. Koch legt viel Wert auf sein Privatleben. Wenn er von seiner Familie spricht, fängt er unbewusst an zu lächeln. Er spielt E-Gitarre, hat aber wenig Talent, gibt er offen zu. Die harten Sounds mag er trotzdem.

Vielleicht kommt der Chefposten zu früh für Olaf Koch. Vielleicht hätte er noch etwas länger im Metro-Vorstand bleiben sollen, um seine Stellung im Konzern zu kräftigen. Einige trauen dem jungen Aufsteiger noch nicht zu, in großen Dimensionen zu denken, zu handeln.

Koch muss sich jetzt beweisen, um ernst genommen zu werden. Es ist nicht einfach, einen milliardenschweren Dax-Konzern zu lenken – schon gar nicht die Metro. Und ohne Chauffeur geht es im neuen Jahr auch nicht mehr.

Quelle:  Handelsblatt Online
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