Oligarch Sergej Polonski : Politiker, Protze und hungrige Kapitalisten

Oligarch Sergej Polonski : Politiker, Protze und hungrige Kapitalisten

Bild vergrößern

Sergej Polonski

Politiker, Protze und hungrige Kapitalisten – ein bühnenreifes Interview mit Sergej Polonski, Russlands jüngstem Oligarchen, über Geschäfte in der Krise.

WirtschaftsWoche: Herr Polonski, Russland steckt mitten in der internationalen Finanzkrise. Könnte Ihr Unternehmen Mirax zu den ersten Opfern gehören?

Polonski: High-Tech-Unternehmen sind gewöhnlich weniger anfällig für Krisen. Wir bauen High-Tech-Gebäude, und die Mirax-Gruppe wird sehr effizient geführt. Unsere Bauprojekte schaffen höheren Mehrwert als die meisten anderen Projekte im Land.

Anzeige

Im Grunde produzieren Sie doch keine High-Tech-Produkte, sondern bauen anspruchsvolle Wohnungen. Was aber, wenn Ihre Kunden wegen der Finanzkrise und Russlands rückläufiger Rohstoffprofite nicht mehr genug Geld haben, um Ihre Wohnungen zu kaufen?

So weit wird es nicht kommen. Es wird sich nur die Taktzahl verringern. In Russland haben 70 Jahre Kommunismus einen Mangel an Büro- und Wohnraum erzeugt. Deshalb standen die Käufer bis zuletzt unter Dauerstress. Jeder wusste: Wenn ich nicht jetzt kaufe, sondern im nächsten Monat, muss ich noch mehr bezahlen. Das hat sich nun normalisiert. Nun kann man sich zurücklehnen, in Ruhe umsehen und eine vernünftige Entscheidung treffen.

Eine schwere, dunkle Holztür öffnet sich automatisch. Eine brünette Assistentin erscheint mit Kaffee und Tee. Polonski sitzt an einem Couchtisch, in den ein fernöstlicher Miniaturgarten mit sauber geharktem weißem Sand, Kristallen, kleinen Figuren und violett schimmernden Qigong-Kugeln eingelassen ist. Wir merken zu spät, dass das Arrangement nur zur Hälfte von einer gläsernen Tischplatte bedeckt ist und verschütten etwas Kaffee. Polonski lacht und legt einen Stein auf den schwarzen Fleck im Sand.

Die fehlende Glasplatte – wollten Sie damit unsere Geistesgegenwart testen?

Statt zu antworten nimmt Polonski die Qigong-Kugeln aus dem Tisch und lässt sie vollendet auf seinem Handteller kreisen.

Beschäftigen Sie sich auch mit so etwas? Hier, versuchen Sie es. Die Kugeln dürfen sich nicht berühren.

Uns gelingt es nicht halb so gut wie ihm.

Die schenke ich Ihnen. Die Übung hilft Ihnen, die unterschiedlichen Bereiche Ihres Gehirns zu synchronisieren. In einem Monat sehen wir uns wieder. Dann schaue ich mir an, wie Sie es machen.

Herr Polonski, uns interessiert, wie in einem Monat wohl Ihr Geschäft aussehen wird.

Die gegenwärtige Entwicklung ist schlecht für die ganze Welt, kein Zweifel. Andererseits kommt es jetzt zu einer Korrektur der Weltwirtschaft. Es gibt eine Menge altes Kapital. Die Entscheidungsträger in Europa sind zwischen 50 und 60 Jahre alt. Der Umbruch begünstigt aber Junge und Schnelle wie uns.

In Ihrer Branche, dem Immobiliengeschäft, dürfte die Konsolidierung doch mit am härtesten ausfallen. Weshalb sollten Sie zu den Gewinnern gehören?

Aus denselben Gründen, weshalb Deutschland zu den Gewinnern zählen wird: Deutschland hat hervorragende Technologien und eine riesige Menge hoch qualifizierter Menschen. Vor der Krise beruhte der Erfolg mancher Länder darauf, dass sie Rohstoffe besaßen oder US-Dollar drucken konnten. In Zukunft funktioniert das immer weniger. Deutschland kann unter den neuen Bedingungen zur Technologie-Lokomotive für die ganze Welt werden. Mirax sieht sich in der gleichen Rolle und unterscheidet sich entsprechend von seinen Konkurrenten.

Eine russische Folklore-Melodie trällert aus Polonskis Handy. Telefonierend eilt er zur Tür. Wir folgen ihm, vorbei an einem offenen Kamin, in dem Gasflammen aus weißen Steinen züngeln, einem großen Flachbildschirm mit Webcam-Bildern. Vor uns öffnet sich ein mehrstöckiges Atrium, Klaviermusik plätschert, Polonski macht eine ausladende Handbewegung.

Deutsche Architekten haben dieses Gebäude entworfen – Tschoban und Schweger. Haben Sie Höhenangst? Kommen Sie näher ans Geländer. Das ist moderne, transparente Büroarchitektur. Alles ist ruhig und friedlich, alle arbeiten fleißig.

Wen lassen Sie so etwas bauen, auch deutsche Unternehmen?

Ja, weil sie High Tech und Qualität liefern. Wir haben einige deutsche Unternehmen hier auf der Baustelle des Federation Tower, zum Beispiel ThyssenKrupp Aufzüge. Ich habe mir Hochhäuser in Berlin angesehen, den Commerzbank-Tower in Frankfurt, ein sehr intelligentes Gebäude. Ich bin drei Monate lang kreuz und quer durch alle wichtigen Hochhäuser der Welt gelaufen. Erst dann habe ich mit dem Federation Tower angefangen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%