Online-Coupons: Hype um virtuelle Rabattmarken

Online-Coupons: Hype um virtuelle Rabattmarken

von Michael Kroker

Das neueste Geschäft im Internet heißt Couponing: Startups akquirieren für Unternehmen Kunden, indem sie diesen hohe Preisnachlässe versprechen, wenn sich genug Interessenten finden.

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DailyDeal-Gründer Fabian (links) und Ferry Heilemann

Shoppen im Internet klingt bisweilen ganz schön esoterisch: 60 Minuten Aromaöl-Massage, heißer Stein und mehr – das Verwöhnprogramm in der Beauty Lounge für 29 statt 59 Euro. Ob Wellness, Essen beim Szene-Italiener oder Hangeln im örtlichen Kletterwald – sogenannte Gutschein-Dienstleister im Internet bieten Waren und Dienstleistungen aus der Region mit bis zu 80 Prozent Rabatt. Einzige Bedingung: Es muss sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums eine zuvor angegebene Zahl von Mindestabnehmern finden, die den entsprechenden Coupon erwerben, andernfalls verfällt das Angebot.

Die Rückkehr der Rabattmarke in virtueller Form ist eines der angesagtesten Themen der Internet-Wirtschaft überhaupt. „Der Markt für lokale Werbung ist sehr aussichtsreich, weil er im Internet noch weitgehend unerschlossen ist“, sagt Martin Fabel, Partner bei der Beratung A.T. Kearney in Berlin. „Das Online-Couponing ist ein wichtiger Bestandteil.“

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In Deutschland kämpfen jetzt gleich mehrere prominente Anbieter um die Herrschaft in dem aufkommenden Markt. Auf der einen Seite steht der US-Marktführer Groupon, der im Mai seinen größten deutschen Wettbewerber CityDeal aus Berlin geschluckt hat. Hinter dem Unternehmen stecken als Investoren unter anderem die drei Brüder Alexander, Marc und Oliver Samwer sowie der Verlagsableger Holtzbrinck Ventures.

Gebündelte Kaufwünsche

Größter Konkurrent ist die ebenfalls in Berlin ansässige Internet-Firma DailyDeal. Dahinter stehen als Investoren Stefan Glänzer, der unter anderem das Auktionshaus Ricardo.de gegründet hat, StudiVZ-Mitgründer Michael Brehm sowie Klaus Hommels, der mit Beteiligungen an Skype, Facebook oder Xing eine gute Nase bewiesen hat. Als dritten Anbieter hat die WAZ-Verlagsgruppe im März WestDeal ins Rennen um Vermarktungspartner und Gutscheinkäufer geschickt.

Alle drei Unternehmen bieten das gleiche Geschäftsmodell: Sie bündeln die Kaufwünsche von Interessenten an einem Produkt oder einer Dienstleistung im Internet und bieten den Käufern dafür einen Rabatt. Für die Firmen, die sich des Couponings bedienen, ist das ein einfacher Weg, um neue Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Die Werbeaktion selbst mitsamt der Gutscheinerstellung übernimmt der Online-Dienstleister, der auch die Coupons verkauft. Dafür behält er für jeden verkauften Gutschein einen meist zweistelligen Prozentsatz als Provision. Der Rest geht – je nach Vertragskonditionen – entweder direkt nach dem Gutschein-Verkauf oder bei der Einlösung des Coupons an den Partner.

Gutschein statt Anzeige

„Vor allem lokale Unternehmen wie etwa Restaurants müssen stärker auf Online setzen, um neue Kunden zu gewinnen – statt Werbung auch durch Coupons“, sagt Christoph Schwarzl, Geschäftsführer im Bereich Handel bei der Unternehmensberatung Accenture. Das Geschäft mit den virtuellen Rabattmarken steckt zwar noch in den Kinderschuhen. Offenbar funktioniert es jenseits des Atlantiks aber bereits: „Unsere US-Mutter schreibt immerhin seit Mitte 2009 schwarze Zahlen“, sagt Groupon-Geschäftsführer Daniel Glasner.

Groupon startete erst im November 2008. Daher gilt das Unternehmen aus Chicago als eines der heißesten Startups der US-Internet-Szene. Erst im April haben der russische Investor Juri Milner, Chef von Digital Sky Technologies (DST), sowie der Wagnisfinanzierer Battery Ventures rund 130 Millionen Dollar investiert. Sie bewerten Groupon damit nur eineinhalb Jahre nach seiner Gründung mit deutlich mehr als einer Milliarde Dollar. 

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