
Jeff Bezos hat derzeit gut lachen. Im vergangenen Jahr versetzte der Chef und Gründer des Internet-Händlers Amazon mit seinem digitalen Lesegerät Kindle die Verlags- und Medienwelt in Aufruhr. Auch die Kunden sind begeistert. Der Kindle habe sich sehr gut verkauft, sagte Bezos ohne Zahlen zu nennen. Im Februar soll laut Branchengerüchten die zweite Generation vorgestellt werden. In Deutschland ist das Gerät noch nicht erhältlich.
Doch auch insgesamt legte Amazon gestern beeindruckende Zahlen vor. Der weltgrößte Online-Einzelhändler hat durch ein Rekord-Weihnachtsgeschäft trotz der Konjunkturkrise einen kräftigen Gewinnsprung erzielt. Der Überschuss des US-Konzerns stieg im Schlussquartal 2008 um fast neun Prozent auf 225 Millionen Dollar. Der Umsatz kletterte auch dank des internationalen Erfolgs um 18 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar.
Amazon erzielt mittlerweile fast die Hälfte seiner Umsätze außerhalb Nordamerikas mit Deutschland als einem der wichtigsten Märkte. International kletterten die um Währungseffekte bereinigten Erlöse im Schlussquartal um 31 Prozent.
Amazon weitet sein Geschäft erfolgreich aus
Amazon schlug sich damit weit besser als der große Rest der Branche. US-Rivale Ebay etwa hatte zum Jahresende ein enttäuschendes Geschäft erlebt und erlitt einen steilen Gewinneinbruch. Zum ersten Mal in seiner Geschichte musste Ebay ausgerechnet im umsatzstärksten Weihnachtsquartal einen Gewinnrückgang hinnehmen. Dagegen konnte Amazon das beste Weihnachtsgeschäft seiner rund 15-jähriger Firmengeschichte feiern.
Der einst als Online-Buchhändler gestartete Konzern hat sein Gesicht konsequent verändert. Es kamen Elektronikprodukte und andere Artikel hinzu, mit denen Amazon inzwischen fast soviel erlöst, wie mit Büchern, Musik und Filmen. Im Gesamtjahr 2008 setzte Amazon 11 Milliarden Dollar mit Medienprodukten um, Elektronik und andere Artikel brachten 7,5 Milliarden Dollar ein.
Mit der Möglichkeit auch gebrauchte Artikel und Auktionen anzubieten, macht Amazon dem Auktionshaus Ebay in dessen Kerngeschäft Konkurrenz und ist damit unglaublich erfolgreich. So setzte Amazon allein im vierten Quartal 6,7 Milliarden Dollar um, Ebay gut zwei Milliarden. Allerdings erzielte Ebay trotz Rückgang mit 367 Millionen Dollar einen höheren Nettogewinn als Amazon, die auf 225 Millionen Dollar kamen.
Ebay tut sich hingegen schwer damit, sowohl Auktionen als auch Artikel zu Festpreisen anzubieten. Mit mehreren Änderungen der Geschäftspolitik vergraulte das Unternehmen zahlreiche Kunden und Händler. Auch mit dem Kauf des Internet-Telefonie-Anbieters Skype ist Ebay nicht glücklich. Ebay-Chef John Donahoe erklärte jüngst, Skype wäre ein sehr gutes eigenständiges Unternehmen. Seitdem wird über einen Verkauf, beispielsweise an Google, spekuliert.
Im Zukunftsgeschäft Cloud Computing aktiv
Mit den Zahlen übertraf Amazon die Erwartungen der Wall Street klar. Die Aktie schoss nachbörslich um mehr als zehn Prozent in die Höhe. Im Tagesverlauf hatte sie noch knapp ein Prozent auf 50,00 Dollar verloren.
Für das laufende erste Quartal erwartet Amazon einen Umsatz zwischen 4,53 und knapp 4,93 Milliarden Dollar und damit ein Plus um bis zu 19 Prozent. Der operative Gewinn werde dagegen maximal um sechs Prozent auf 210 Millionen Dollar steigen und im schlechtesten Fall sogar um mehr als ein Drittel sinken.Aktienvergütungen für Mitarbeiter und Abschreibungen würden auf das Ergebnis drücken.
Amazon weitet seine Aktivitäten laufend durch neue Produkte aus. Neben dem Einstieg ins Hardware-Geschäft mit dem Kindle, bietet Amazon seine enormen Computer-Kapazitäten für den Online-Handel inzwischen auch anderen Unternehmen zur Nutzung an. Damit ist Amazon ein Spieler im Zukunftsgeschäft mit dem so genannten Cloud Computing. Dabei werden Computer-Programme und Daten nicht mehr zentral auf eigenen Rechnern gespeichert, sondern ausgelagert und über das Internet abgerufen.













