Online-Handel: Amazon wird zur Supermacht im Netz

Online-Handel: Amazon wird zur Supermacht im Netz

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Jeff Bezos, Amazon-Gründer

von Matthias Hohensee

Amazon stand 2001 kurz vor dem Bankrott. Nun greift er Apple, Google, Ebay und Microsoft gleichzeitig an. Der Online-Händler steigt unaufhaltsam zu einer Supermacht auf – so lange Gründer Jeff Bezos mit seinen unkonventionellen Ideen nicht auf die Nase fällt.

Die neuesten Quartalszahlen liegen eben vor und sie belegen: der weltgrößte Onlinehändler Amazon wächst im Rekordtempo. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um satte 51 Prozent auf 9,9 Milliarden Dollar (6,8 Milliarden Euro). „Niedrige Preise, eine breitere Auswahl, eine schnelle Lieferung und Innovationen haben für das rasanteste Wachstum gesorgt, das wir seit mehr als einem Jahrzehnt gesehen haben“, sagte Konzerngründer Jeff Bezos am Dienstag in Seattle.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass Amazon zum wiederholten Male einen Gewinnrückgang hinnehmen musste. Denn die Aktionen gehen mächtig ins Geld: Seien es nun Sonderangebote wie das neueste Lady-Gaga-Album für 99 US-Cent, der Ausbau der Logistikzentren oder der Vorstoß in ganz neue Geschäftsbereiche. Der Gewinn fiel in der Folge um 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf unterm Strich 191 Millionen Dollar.

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Die Investition ins Kindle hat sich mehr als gelohnt

Zu den verhältnismäßig neuen Geschäftsbereichen, in die Bezos investiert hat zählt auch eine der geheimnisumwobensten Hardwareschmieden des Silicon Valley. Sie befindet sich in einem siebenstöckigen Bürogebäude aus Glas und Beton im kalifornischen Cupertino, nur wenige Straßen vom Apple-Hauptquartier entfernt. Das Lab 126 ist die Wiege eines der populärsten Flachcomputer der Welt.

Doch die Schmiede gehört nicht Apple, sondern Amazon.com. Hier wurde das elektronische Buchlesegerät Kindle ersonnen, das bereits mehr als zehn Millionen Käufer gefunden hat. Derzeit werkeln die Tüftler – darunter ehemalige Entwickler von Apple, Hewlett-Packard und Nokia – am nächsten Projekt. Im Herbst will Amazon-Gründer und -Chef Jeff Bezos seinen ersten vollwertigen Flachcomputer vorstellen. Wie er aussehen soll, ist nur einem kleinen Kreis von Amazon-Mitarbeitern und Zulieferern bekannt. Als sicher gilt, dass er Googles populäres Betriebssystem Android nutzt.

Feuer aus allen Rohren

Und dass die Amazon-Flunder das Potenzial hat, Apples Weltbestseller iPad die Stirn zu bieten. Denn Amazon hat nicht nur eine weltbekannte Marke und 137 Millionen aktive Kundenkonten, sondern vor allem auch eigene Online-Stores, um das Gerät mit Musik, Büchern, Zeitungen, Zeitschriften und Videos zu füttern. Das neue Tablet ist nicht der einzige Coup von Bezos. Der ehemalige Wall-Street-Finanzanalyst, der vor 17 Jahren mit drei Mitarbeitern in einer umgebauten Garage mit der Vision vom "größten Buchhändler der Welt" begann, feuert aus allen Rohren. Der asketisch wirkende Multimilliardär hat in Seattle im US-Staat Washington ein Logistikimperium geschaffen, das zu einer Supermacht des Internets aufgestiegen ist. Nun legt sich Bezos in wichtigen Wachstumsfeldern des Web derzeit mit allem an, was Rang und Namen hat – und zwar gleichzeitig.

Apple macht er nicht nur mit dem Tablet-PC Konkurrenz. Er ärgert den Konkurrenten mit dem Verkauf von Online-Musik, Videos und digitalen Büchern sowie einem eigenen App-Store, der Mini-Programme für Android-Smartphones anbietet. Mit Google konkurriert Amazon um den Verkauf von Online-Werbung, mit Groupon beim Vermarkten von Einkaufsgutscheinen über die Beteiligung an Living Social. Mit seinen eigenen Rechenzentren tritt der Internet-Konzern zudem als bekanntester Dienstleister im sogenannten Cloud Computing auf, bei dem auf Software via Internet zugegriffen wird. Wettbewerber sind hier IBM, HP, Oracle, Microsoft und Google.

Mehr als 100 Milliarden Umsatz bis 2015

Nachdem Amazon vor zehn Jahren beim Platzen der Dotcom-Blase an der Pleite vorbeischrammte und an der Börse nur noch rund vier Milliarden Dollar wert war, liegt der Börsenwert nun bei fast 100 Milliarden Dollar. Yahoo und Ebay, die gemeinsam mit Amazon.com Mitte der Neunzigerjahre gestarteten Online-Pioniere, sind wesentlich weniger wert. Analysten erwarten, dass bis 2015 auch die Umsatzgrenze von 100 Milliarden Dollar geknackt wird.

1,1 Milliarden Dollar Gewinn verbuchte Amazon 2010 – vor allem, weil der Konzern inzwischen 40 Prozent seines Umsatzes mit Medien macht, die höhere Gewinnspannen haben als Heimelektronik. Genug Geld für Bezos und seine Mannen, um auch im Kerngeschäft Online-Handel offensiv gegen Riesen wie Wal-Mart, Target, Carrefour, die deutsche Metro sowie das Online-Handelshaus Ebay zu kämpfen. Amazon ergänzt sein Angebot laufend mit so ziemlich allem, was sich ausliefern lässt, und zieht neue Waren-Verteilzentren in den USA und Europa hoch.

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