Online-Poker: Der tiefe Fall der Pokerlegenden

Online-Poker: Der tiefe Fall der Pokerlegenden

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Pokerstar Chris Ferguson

Die US-Pokerseite soll Kunden um über 400 Millionen Dollar betrogen haben, die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben. Im Zentrum des Skandals: zwei amerikanische Pokerlegenden.

Es gibt Ereignisse, die einen rat- und sprachlos zurücklassen; die mehr Fragen aufwerfen als Antworten geben. Der tiefe Fall der Onliner-Pokerseite "Full Tilt Poker" ist solch ein Ereignis. Aber der Reihe nach.

Die Pokerszene hat in den vergangenen Jahren enorm an Popularität gewonnen. Es gab Zeiten, an denen das ehemalige "Deutsche Sport-Fernsehen" (heute: Sport 1) beinahe täglich stundenlang Poker zeigte. Wie so oft, war der Trend aus den USA nach Deutschland geschwappt. Einen erheblichen Beitrag zur Popularität leisteten die Pokerräume im Internet, die seit einigen Jahren wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden schossen und jedes Jahr Milliardensummen umsetzten.

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Eine der beliebtesten Seiten war bis vor kurzem der Online-Pokerraum "Full Tilt Poker". Doch am 16. April wurde die Pokerwelt durch den "Black Friday" erschüttert: Damals schloss das FBI nicht nur das Portal Full Tilt, sondern auch ähnliche Anbieter wie PokerStars, Absolute Poker oder Ultimate Bet. Der Vorwurf: Die Seiten hätten Steuern hinterzogen und Geldwäsche betrieben.

Keine Frage, diese Vergehen sind keine Kavaliersdelikte. Doch die 103 Seiten lange Anklageschrift der New Yorker Staatsanwaltschaft, die der bekannte Blogger Felix Salmon gestern ins Internet gestellt hat (.pdf), wird jedem Poker-Fan weltweit die Sprache verschlagen: Allem Anschein nach betrieben die Gründer und Besitzer von Full Tilt Poker ein Schneeballsystem ("Ponzi scheme").

Kriminelle Pokerlegenden

Dazu muss man wissen, dass das Unternehmen unter anderem von den Pokerspielern Howard Lederer (Spitzname: "Der Professor") und Chris Ferguson (Spitzname: "Jesus") gegründet wurde. Die beiden Amerikaner sind bereits seit vielen Jahren Pokerlegenden. Laut der Datenbank Hendonmob.com hat Lederer allein durch Pokerturniere inzwischen mehr als 6,4 Millionen US-Dollar Preisgeld gewonnen, Ferguson sogar 8,2 Millionen. Man könnte also denken, dass die beiden es nicht mehr nötig haben, gegen das Gesetz zu verstoßen, um an Geld zu kommen.

Falsch gedacht.

Laut der Anklageschrift zahlten sich die Besitzer der Seite von April 2007 bis April 2011 regelmäßig Geld aus. Geld, das eigentlich ihren Kunden gehörte. Lederer habe in der Zeit ungefähr 42 Millionen Dollar erhalten, Ferguson sogar 85 Millionen.

Doch damit nicht genug: Die anderen 19 Anteilseigner, darunter ebenfalls bekannte Pokerspieler, erhielten den Rest der Summe. Der Gesamtbetrag? Knapp 444 Millionen Dollar.

Bei Full Tilt Poker habe es sich nicht um ein legales Poker-Portal gehandelt, sagte der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara, sondern "um ein weltweites Schneeballsystem". Denn Ende März schuldete Full Tilt seinen Spielern eingezahlte Beträge von mehr als 390 Millionen Dollar, doch auf den Konten lagen nur 59 Millionen Dollar.  

Irgendwann kollabiert solch ein System. Dann nämlich, wenn nicht mehr genug neues Geld von Kunden einbezahlt wird. Das sahen die Besitzer von Full Tilt laut der Anklageschrift bereits seit einem Jahr kommen – und überwiesen sich dennoch weiterhin fleißig Geld. Derzeit schuldet das Unternehmen seinen Kunden 300 Millionen Dollar.

Ob Lederer und Ferguson in der Lage sein werden, das Geld jemals zurückzuzahlen, ist unklar. Ebenso, was sie sich dabei dachten oder was sie mit dem ganzen Geld machten. Bisher hat sich noch keiner der beiden geäußert.

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