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Opel-Aufsichtsrat Armin Schild : "Kraftwerke anbieten"

von Martin Seiwert

Aufsichtsrat Armin Schild über die künftige Zusammenarbeit mit General Motors, die Sanierung der deutschen Tochter und deren weitere Modellpolitik.

Armin Schild, Leiter des IG-Metall-Bezirks für Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und das Saarland Quelle: dpa
Armin Schild, Leiter des IG-Metall-Bezirks für Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und das Saarland Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Schild, Opel hat unter GM-Regie die preisgekrönten neuen Modelle Insignia und Astra auf den Markt gebracht. Ist es nicht prima, dass diese erfolgreiche Zusammenarbeit nun weitergeht?

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Schild: GM hat es geschafft, dass der Marktanteil von Opel in Deutschland über die Jahre von über 20 Prozent auf sechs bis sieben Prozent geschrumpft ist. Nur weil unter der Regie von Carl Peter Forster Opel sich in den vergangenen Jahren etwas mehr Eigenständigkeit erkämpft hatte, wurden solche Erfolge wie der Insignia oder Astra möglich. Es ist gar nichts einzuwenden gegen eine Zusammenarbeit von GM und Opel. Das gilt wenn; Opel eigenständiger entscheiden darf. In etwa so, wie es das New Opel Kozept vorsah.

Wird GM-Chef Henderson das zulassen?

Was wir zunächst gehört haben, waren Kriegserklärungen. Diesen Kriegserklärungen folgte jetzt eine Entschuldigung. Die Drohung, Opel in die Insolvenz zu schicken, wurde zurückgenommen. Es wurde deutlich, dass man Opel mehr eigenständige Entscheidungs- und Strategiekompetenz geben will. Wir müssen jetzt wissen: Was heißt das konkret? Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennen, dass diese Ankündigen mit Substanz gefüllt sind. Ich hoffe, dass Hendersons Worte ernst gemeint waren und in Detroit durchsetzbar sind.

Was braucht es, damit den Ankündigungen auch Taten folgen?

Zunächst einmal ein Konzept und dann die personellen und finanziellen Ressourcen um es umzusetzen. Ich frage mich, woher dieses Geld kommen soll. GM steht nach der Insolvenz nur scheinbar gut da. Jedenfalls: Wer ein eigenständiges Unternehmen Opel haben will, muss man auch eigenständige, kompetente Manager haben. Die sehe ich derzeit bei GM nicht.

Was wird GM die Sanierung von Opel kosten?

GM spricht von drei Milliarden Euro, Studien taxieren die Kosten eher auf fünf bis sechs Milliarden Euro. Ich gehe davon aus, dass eine Restrukturierung die auch eine Vorwärtsstrategie eröffnet über sechs Milliarden, wahrscheinlich eher sieben Milliarden Euro kostet. Die Restrukturierungskosten steigen zudem mit jedem Monat, in dem diese Restrukturierung nicht angepackt werden kann. Wenn man Opel in eine gedeihliche Zukunft führen will, muss man zwei Strategien folgen: Einerseits muss man neue Modelle in die etablierten Märkte bringen. Etwa in Marktnischen, die zum Beispiel VW erfolgreich besetzt, in denen Opel aber nicht mehr vertreten ist. Zum Zweiten muss man neue Märkte erobern. Da hätten die Chancen u.a. auf dem russischen Markt, die es bei der Magna-Lösung gegeben hätte, eine große Rolle spielen können.

Welche neuen Modelle für etablierte Märkte meinen Sie?

Opel braucht mindestens einen neuen Kleinwagen unterhalb des Corsa, und einen Small SUV. Auch ein "Preiswertauto - manufactured in Eisenach' wäre spannend, vorwiegend für Schwellenländer aber auch die Märkte in Westeuropa. Außerdem könnte Opel mit der Markteinführung des Elektroautos Ampera umweltfreundliche Blockheizkraftwerke anbieten. Damit hätten sie ihr Auto laden und gleichzeitig ihr Haus mit Strom und Wärme versorgen können.

"GM steht nach der Insolvenz nur scheinbar gut da"

Werden Sie sich dafür einsetzen, dass diese von Magna und GM erarbeiteten Pläne auch unter GM umgesetzt werden? Und was ist mit den Chancen in Russland? Hat sich das erledigt, weil GM die russischen Investoren vor den Kopf gestoßen hat?

Nach dieser Eskapade kann das GM wohl kaum mit der russischen Regierung diskutieren. Allen hoffnungsfrohen Aussagen in Richtung russischer Markt misstraue ich bis auf weiteres aber zutiefst.

Was spricht gegen eine Insolvenz von Opel? GM hat das Insolvenzverfahren eher gestärkt als geschwächt hinter sich gelassen.

Eine Insolvenz von Opel kostet nicht nur die Opelaner, und viele Arbeitnehmer bei Zulieferern und Händlern die berufliches Existenz. Sie kostet vor allem auch die Arbeitnehmer in Deutschland, die die Beiträge zur Sozialversicherung in Deutschland zu tragen haben und damit die finanziellen Konsequenzen ses GM Missmanagements ausgleichen müssen. Sie dafür geradestehen zu lassen, dass einige amerikanische Manager ein Unternehmen gezielt in die Pleite führen ist unanständig. Das würden wir als IG Metall auch nicht akzeptieren. Wenn ein Unternehmen wie GM die Insolvenz seiner Tochter herbeiführt, dann ist zu prüfen, ob im Rahmen der Durchgriffshaftung das Unternehmen auch die finanzielle Verantwortung trägt. Da reden wir dann auch über etliche Milliarden Euro.

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4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.11.2009, 12:31 UhrAnonymer Benutzer: Bartl Hinterbichler

    Herr Wendehals von borsche wäre jetzt der geeignete
    insolvenzbeschleuniger und Mennetscher

  • 15.11.2009, 23:49 UhrAnonymer Benutzer: no.7

    An allem ist nur GM Schuld, ich halte das auch für nur die halbe Wahrheit. Das Kind liegt im brunnen, und jetzt waren es immer nur die anderen gewesen. Es ist nun einmal so, wenn es auch bedauerlich ist, den letzten beißen die hunde. Wenn der Staat das urteil des Marktes manipuliert, dann nehmen wir am besten Abstand von der Marktwirtschaft, denn das wäre dann nur noch absurd. Sollte ein Schrumpfen der Auto-Kapazität von der Politik weiterhin verhindert werden, wird in 2010 und 2011 ein erheblicher Preisrutsch unter die Fertigungskosten bei Neuwagen die Folge sein. Dann wird Obama nochmal Schulden machen müssen, um verbrannte Milliarden nachzuschieben. Denn dieses Faß hat dann keinen boden mehr.

  • 15.11.2009, 17:52 UhrAnonymer Benutzer: mephisto

    "Dieses GM ist Schuld" Gequatsche kann ich langsam nicht mehr hören. Wenn Opel sich nicht selbst hinterfragt, gewinnen sie nur ein paar Jahre bis zum endgültigen Aus...

    Der Magna Deal mit den vielen unterschiedlichen interessen hätte Opel zerreißen können. Dann lieber nen paar 1000 Arbeitsplätze mehr abbauen, dafür aber ne bessere Perspektive bekommen

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